22.09.22 Dr. Robin Fritz über gute Beratung und die nötige Sozialkompetenz

Wer beratend tätig ist – in juristischen, finanziellen oder persönlichen Fragen – muss über Menschenkenntnis und Führungskompetenz verfügen, sagt Dr. Robin Fritz von der Kanzlei FPS in Frankfurt.

Kaum ein Frankfurter Hochhaus ist ohne das Engagement von FPS entstanden. Die Kanzlei des Immobilien-Anwaltes Dr. Robin Fritz FPS Partnerschaft von Rechtsanwälten gehört mit Niederlassungen in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und Berlin zu den größten Deutschlands. Fritz lehrt zudem an der Goethe Universität Frankfurt, wo er spezialisiert ist auf Themen wie „Die Anwaltskanzlei als Unternehmen – strategische, organisatorische, finanzielle und menschliche Herausforderungen”. Im Gespräch mit Michael Reeg, dem CEO von Hoesch und Partner, lautet eine der Kernbotschaften des Erfolgsanwalts: Wer Menschen berät – juristisch, finanziell oder persönlich – muss über Empathie und Sozialkompetenz verfügen. Schließlich wollen die Leute keine goldgeränderten Gutachten, sondern wissen, was sie tun sollen.

Mittlerweile gibt es große, internationale US-Wirtschaftskanzleien, die Berufsanfängern direkt nach der Uni Einstiegsgehälter von 160.000 oder 170.000 Euro bezahlen. „Es ist jedoch eine Fehlvorstellung, dass alle Juristen solche Summen verdienen“, sagt Dr. Fritz und rechnet vor: Von den rund 170.000 Anwälten in Deutschland arbeiten vielleicht 10.000 in Top-Wirtschaftskanzleien für ein Klientel aus internationalen Konzernen. 160.000 Juristen im Land jedoch dienen in kleineren Kanzleien und haben ein Durchschnittseinkommen von rund 100.000 Euro. Die These „Jura studieren, Geld drucken, reich werden“ stimme so nicht, lacht Fritz.

Dennoch gelte: „Wer gut ausgebildet und hoch spezialisiert ist, eine Vorstellung davon hat, was er will und außerdem viel und hart arbeitet, kann durchaus viel Geld verdienen.“ Doch Vorsicht! Die Kanzleien, die bereit sind, solche Gehälter zu finanzieren, erwarten im Gegenzug harte Arbeit. „Solche Jobs bedeuten viel Verantwortung und natürlich auch extremen Druck“, erläutert Fritz.

Wer als Rechtsanwalt erfolgreich sein will, muss gute Noten vorweisen können und eine sinnvolle Spezialisierung. „Ein `ausreichend´ in den Staatsexamina reicht sicher nicht für den Einstieg in eine der Topkanzleien. Wer keine Spezialisierung hat und schlechte Noten, kann durchaus auch als Taxifahrer enden“, warnt Fritz. Die Digitalisierung – im Feld des Rechts oft zusammengefasst unter dem Begriff Legaltech – könne zwar niemals die Rolle eines Anwalts übernehmen; doch in allen standardisierten Prozessen mit Skalierungseffekten und Massenverfahren spiele die Automatisierung eine wachsende Rolle. „In diesen Bereichen werden künftig nicht mehr hochbezahlte Anwälte auf Stundenbasis eingesetzt, sondern Maschinen“, sagt Fritz. Rechtsberatung werde aber deswegen nicht obsolet. „Im Strafrecht beispielsweise wird der Mensch gar nicht zu ersetzen sein. Doch das ist ein enges Marktsegment.“

Die Vorstellung „ich studiere jetzt mal Jura und spezialisiere mich dann auf Mietrecht oder Arbeitsrecht und mache das dann mein Leben lang“ sei allerdings überholt. „Wenn wir von anspruchsvollen Tätigkeiten wie der des Rechtsanwalts reden, würde ich heute jedem jungen Menschen empfehlen, eine zusätzliche Ausbildung zu machen – es gibt schließlich ganz neue Beratungsbereiche für Anwälte“, führt Fritz aus. Cybersecurity beispielsweise sei in aller Munde und technisches Know-how und IT-Verständnis bedeuten auch in der Jurisprudenz großen Mehrwert. „Wer solche zusätzlichen Qualifikationen hat, kann sich die Jobs derzeit aussuchen“, sagt der Fachmann. Ähnliches gelte für das Wirtschaftsverständnis. „Als ich seinerzeit angefangen habe, gab es Leute, die schon eine Banklehre absolviert hatten und dann Jura studiert haben. Wer den Unterschied zwischen einer Bilanz und einer Gewinn- und Verlustrechnung kennt, hatte damals schon die Nase vorn und das gilt heute noch.“

Unbedingt von Nöten für einen guten Anwalt sind jedoch Empathie und Sozialkompetenz – wie in allen anderen beratenden Berufen auch. „Wer nicht nur im stillen Kämmerlein Datensätze analysiert oder Gutachten schreibt, braucht eine gewisse Geschmeidigkeit im Umgang mit Menschen“, sagt Fritz. „Ein guter Rechtsanwalt braucht zudem die Fähigkeit, Menschen zu führen. In unserem Geschäft geht es um Geld, da wollen die Menschen keine goldgeränderten Gutachten vorgelegt bekommen, sondern sie wollen wissen, was sie tun sollen.“

Das bedeute jedoch keineswegs, so extravagant aufzutreten wie die Anwälte in den bekannten US-Serien im Fernsehen. „Im Gegenteil, ein Anwalt, der in Deutschland als Showman antritt, tut seinen Mandanten keinen Gefallen, die große Geste kann bei uns schnell nach hinten losgehen“, sagt Fritz. Vor einem deutschen Gericht überzeugen gute Argumente hochqualifizierter Leute, Showeffekte wären da eher kontraproduktiv. Wer gut und präzise präsentieren kann, habe natürlich Vorteile, sagt der Jurist, aber vor deutschen Richtern brauche man keine Entertainer-Qualitäten.

Wohl aber die Fähigkeit, mit Wandel umzugehen. Zum Beispiel mit der Liberalisierung des Rechtsmarktes. Früher durften hier nur Anwälte tätig werden, heute drängen Verlage, Versicherungskonzerne und Verbände in dieses Feld. Es gibt beispielsweise inzwischen ganz ordentliche Vertragsdokumente im Internet, die sich mit etwas Verstand auch nutzen lassen. „Diese Entwicklung trifft vor allem die kleineren Büros: Die IT-Revolution und die Digitalisierung werden viele kleinere Kanzleien hart treffen“, so Fritz.

Bei allem Druck, Fritz würde selber jederzeit wieder Rechtsanwalt werden. Vermutlich jedoch im Feld des Wirtschaftsstrafrechts. Das sei „enorm spannend“ und zudem gebe es da auch keine Verhandlungen über das Honorar. „Wenn die Staatsanwaltschaft einem Banker oder Unternehmer mit einer Razzia wegen Steuerhinterziehung droht, spielen die Anwaltskosten für den Beschuldigten kaum noch eine Rolle“, lacht der Jurist. „Wer seinen Job versteht und mit einer intelligenten Spezialisierung gut aufgestellt ist, hat als Anwalt nach wie vor einen tollen Job!“

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