30.11.2017

Einer für alle? Nicht jeder BU Tarif gilt auch für alle Berufsgruppen

Fachkommentar zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Rechtsanwälte und Notare

Wann immer Verträge abstrakte Themen absichern, ist im Fall der Fälle das Kleingedruckte entscheidend. Gerade, wenn es um Berufsunfähigkeitsversicherungen geht, können kleine Formulierungen darüber entscheiden, ob die finanzielle Absicherung im Falle des Arbeitskraftausfalls auch wirklich greift. Anwälte können Versicherungsbedingungen vielleicht am besten verstehen, gleichzeitig sind sie sich in eigener Sache der Wichtigkeit des „Kleingedruckten“ oft nicht so bewusst. Arno Schubach, Rechtsanwalt aus Frankfurt am Main, zeigt im Anwaltsblatt von November die kritischen Punkte auf, die für Anwälte bei der Absicherung ihrer Berufsunfähigkeit relevant sein können.

Doch der Reihe nach. In diesem Blogbeitrag erfahren Sie, welche Lösungen es speziell für diese Berufsgruppe gibt, um eine verlässliche Absicherung zu garantieren. Die Auswahl des richtigen Tarifs ist hier der entscheidende Faktor.

Stolperfallen in den Bedingungswerken

Wichtiger Bestandteil einer Versicherung sind die Vertragsbedingungen – auch Bedingungswerke genannt. In ihnen sind die Grundlagen der Versicherung festgehalten. Wir von Hoesch & Partner machen es uns zur Aufgabe, für unsere Kunden intensiv die Tragweite einzelner Klauseln zu hinterfragen und im Zweifelsfall auf den konkreten Einzelfall hin zu analysieren.

Mit meinem Kollegen Alexander Kukovic erstelle ich Szenarien, auf deren Basis wir unsere Kunden für alle Eventualitäten beraten, damit sie sich das lästige Studieren von Paragraphen sparen können.

Im Gespräch mit Juristen, habe ich mich schon oft in Gesprächen wiedergefunden, in denen Bedingungswerke bis auf die Grundmauern besprochen, diskutiert und hinterfragt wurden. Dem Juristen fällt es meistens leicht, ein Konvolut an Versicherungsunterlagen zu lesen und zu verstehen.

Warum das Bedingungswerk zur Berufsgruppe passen muss

Um sicher zu gehen, dass wir jeder Berufsgruppe die beste Absicherung bieten, suchen wir darüber hinaus den Austausch mit Fachanwälten für Versicherungsrecht. Immer wieder kommen interessante Rechtsprechungen ans Licht, welche dem Kunden das Leben nachhaltig leichter machen und uns als professionelle Berater eine Klarheit verschaffen.

Doch nach wie vor gilt, dass nicht alle Bedingungswerke nicht zu jedem Berufsstand passen.

Was es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Anwälte zu beachten gilt

Ohne Zweifel zählt die Berufsunfähigkeitsversicherung zu den wichtigsten Versicherungen für Anwälte. Gerade deshalb gibt es bei der Auswahl des passenden Tarifes, vieles zu beachten:

1) Wenn der Kollege einspringt: Umorganisationsklauseln und Regeln zur Verweisung in den Bedingungen

Im Falle der Berufsunfähigkeit besteht die Chance, dass Sie noch anderweitig tätig sein könnten. So könnte ein Anwalt, der an einem Erschöpfungssyndrom leidet, seine Tätigkeit stark reduzieren und einen zweiten Anwalt seiner Kanzlei beauftragen, seine Mandanten zu übernehmen. Somit wäre der Anwalt, laut Satzung des Versorgungswerks der Rechtsanwälte im Lande Hessen nicht berufsunfähig.

Um Leistung zu erhalten, muss der Anwalt wegen Krankheit, eines körperlichen Schadens oder wegen Schwäche seiner körperlichen oder geistigen Kräfte (…) mindestens auf Dauer von 6 Monaten (…) unfähig sein UND seine berufliche Tätigkeit als Rechtsanwalts oder als Rechtsanwalt und Notar einstellen! (Quelle: Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Hessen – Körperschaft des öffentlichen Rechts S a t z u n g – 2 0 1 8 – §16, Abs. 2 – Link zum Download der Satzung: https://www.vw-ra-hessen.de/Rechtsgrundlagen.html)

Dies kommt einer offiziellen Abgabe der Zulassung gleich.

Hier gilt also das „Alles oder Nichts Prinzip“ Sie als Anwalt müssen zu 100 Prozent berufsunfähig sein, um die BU-Rente zu erhalten.

Alles oder Nichts: Zerstört eingeschränktes Weiterarbeiten die Chance auf Absicherung?

Erste Entwarnung: In den Bedingungen eines privaten Berufsunfähigkeitsversicherers erhalten Sie eine BU-Rente, wenn Sie zu mindestens zu 50 Prozent berufsunfähig sind – mehr zu den Details lesen Sie gerne in meinen Blog vom 15. Dezember 2016.

Fachkommentar: Zu den Bedenken von Arno Schubach, Rechtsanwalt
Schubach nennt, im Bereich der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, zwei essentielle Probleme, die auch ich für äußerst bedenklich halte – 1. Problem: Verweisung und 2. Problem: Umorganisation bei Selbständigen.

Für beide Probleme gibt es Lösungen.

Lösung zu Problem 1: Manche Tarife schließen eine Verweisung aus

Bei einigen Tarifen wird explizit festgehalten, dass keine Verweisungsrechte existieren, die eine Anerkennung Ihrer BU verhindern könnten. Hier ein Beispiel:

§ 12 Können Sie bei BU-Eintritt auf einen anderen Beruf verwiesen werden? Nein, bei der Erstprüfung Ihrer BU spielt es keine Rolle, ob Sie auf Grund vorhandener Fähigkeiten und Kenntnisse oder auf Grund Ihrer Ausbildung und Erfahrung einen anderen Beruf ausüben könnten (abstrakte Verweisung) oder einen derartigen anderen Beruf bereits ausüben (konkrete Verweisung). (Quelle: Bedingungswerk HDI, Tarif EGO Top Stand 2017)

Lösung zu Problem 2: Verkammerte Berufe vor Umorganisation geschützt

Auch für dieses Problem liefert das Bedingungswerk der HDI eine konkrete Lösung: So finden wir im Speziellen einen gut definierten Passus, der Anwälten im Falle einer Umorganisation ihrer anwaltlichen Tätigkeit helfen kann:

„§1 Abs. 4 b Auf eine Prüfung der Umorganisation verzichten wir bei den nachfolgend aufgeführten verkammerten Berufen, sofern der Betrieb weniger als fünf Mitarbeiter beschäftigt:

– Rechts- und Patentanwälte,
– Notare,
– Wirtschaftsprüfer,
– vereidigte Buchprüfer,
– Steuerberater und Steuerbevollmächtigte“

(Quelle: Bedingungswerk HDI, Tarif EGO Top Stand 2017)

2) Die Höhe der Absicherung

Um die genaue Versorgungslücke berechnen zu können, empfehlen wir Anwälten oder auch Notaren ihre Ansprüche uns gegenüber offen zu legen.

Üblicherweise versichert ein typischer Kunde 70-80 Prozent seines Nettoeinkommens, damit im „Worst-Case“ weiterhin das volle Einkommen zur Verfügung steht. Und das inklusive des Bezugs der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente (http://www.finanztip.de/berufsunfaehigkeitsversicherung/erwerbsminderungsrente/) und etwaiger Beiträge zur Krankenversicherung, Rentenversicherung etc.

Die Mitgliedschaft im Versorgungswerk für Anwälte sieht eine Leistung bei Berufsunfähigkeit vor und ist der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente somit überlegen – sowohl im Bereich der Voraussetzungen zum Erhalt der Leistung als auch hinsichtlich der Höhe der Leistung.

3) Ein gewisses Plus: Tarifspezifische Sonderkonditionen für Anwälte

Durch eine nachgewiesene Mitgliedschaft im Anwaltsverein, erhalten Sie in vielen Bereichen Nachlässe oder andere Vorteile.

So gibt es Versicherer, die Ihnen eine vereinfachte Gesundheitsprüfung anbieten, einen Beitragsnachlass gewähren oder sich sogar freiwillig einem Kontrahierungszwang unterwerfen – der Versicherer garantiert den Kunden zu versichern, egal, in welcher Grundverfassung er sich befindet.

Fazit: Den einen (Tarif) finden, bei dem alles stimmt

Somit empfehle ich – insbesondere Juristen –mit einem Berater, alle individuell möglichen Szenarien zu besprechen, um gemeinsam den jeweils passenden Tarif zu finden.

Nach der Devise „Wo kein Kläger, da kein Richter“ tun wir alles, um gemeinsam mit Ihnen sicherzustellen, dass es soweit erst gar nicht kommt.

Hochachtungsvoll

Ihr Niels Sanders

 

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