25.09.2017

Digitalisierung? Ja gern!! Teil 1: Erklärungsversuch…

Prolog

„Digitalisierung“ hat das Potenzial zum nächsten und übernächsten „Unwort des Jahres“. Doch nicht das Wort, sondern der gängige sehr nebulöse Kontext ist das eigentliche Problem. Entweder wird die Digitalisierung als Worthülse ohne echten Inhalt oder zeitlichen Bezug (das werde ich wohl nicht mehr erleben) wahrgenommen. Oder es wird übertrieben technisch im Rahmen von Anforderungen an Infrastruktur diskutiert. Und die dritte und bei weitem gefährlichste Art ist eine Angstdebatte zu diesem Thema. Es kursieren Top-10-Listen mit Berufen und Branchen, welche innerhalb der nächsten 10 Jahre verschwinden werden. Der Versicherungsmakler belegt im Übrigen fast immer vordere Plätze.

Es geht im Kern aber weder um Prozesse und technische Anforderungen, noch gibt es einen Grund Angst zu haben. Mit etwas Interesse für die Materie fällt es denkbar leicht, der Digitalisierung freudestrahlend entgegenzublicken. Denn Hoesch & Partner zählt zu den Pionieren der Branche und beschäftigt sich seit Anfang des Jahrtausends intensiv mit diesem Thema. Mehr noch: Digitalisierung war schon immer und ist weiterhin Chefsache!

Im ersten Teil dieses Blogs soll es einführend um Begrifflichkeiten und Zusammenhänge gehen. Was das für die Versicherungsbranche und insbesondere mittelständische Makler wie Hoesch & Partner bedeutet, darauf möchte ich in Teil 2 meines Digitalisierungsblogs eingehen.

Das kürzlich wiederveröffentlichte und direkt viral durchgestartete stern TV-Video des frühen Christian Lindner (1997, 18 Jahre alt) offenbart den Gründergeist eines 18-Jährigen, der – in unsere Zeit übertragen – mehr als wünschenswert wäre. Birgt die Digitalisierung doch jede Menge „dorniger Chancen“ (Zitat: Christian Lindner) für Arbeitnehmer und Arbeitgeber! Sehr schade also, dass in der deutschen Öffentlichkeit primär über Probleme statt Chancen gesprochen wird.

Dabei stehen wir vor überwältigenden Veränderungen, die auch das Wirtschaftswunder der 1950 – 60er Jahre toppen werden. Es braucht nicht viel Fantasie um vorherzusagen, dass sich die Lebenswirklichkeit Vieler verändern wird, es aber für Jedermann ein Leichtes ist, an dieser Entwicklung teilzuhaben. Wenn man möchte.

Vielleicht braucht es aber auch Verständnis: Zur Mitte des vergangenen Jahrtausends hätte sich wahrscheinlich auch der kühnste Visionär unter den Top-Level Managern der Autoindustrie nicht an Prognosen gewagt, die die heutige Realität im Straßenverkehr beschreiben. Und noch 2010 orakelte Microsoft Boss Bill Gates „Aus dem iPad wird nichts, Netbooks gehören die Zukunft“.

Was ist eigentlich „DIE“ Digitalisierung?

Zunächst gilt es zu differenzieren: Die seit vielen Jahren, und spätestens mit Industrie 3.0 angekommene Automatisierungswelle hat mit der jetzt diskutierten Digitalisierung nur entfernt bzw. nichts zu tun, spielt aber in der Wahrnehmung eine große Rolle. Optimierung von Prozessen ist eine Notwendigkeit, um in Qualität, Performance und Preis/Leistung konkurrenzfähig zu sein. Insbesondere in einer globalisierten Welt. Diese Automatisierung ist es, mit der die meisten der derzeit kursierenden  Angstbilder verbunden werden. Denn der damit verbundene Schwund an Arbeitsplätzen, insbesondere mit geringen Ansprüchen an die Qualifikation der Arbeitnehmer, war ebenfalls lange ein mit Angst belegtes Thema. Es lohnt sich, die Revolutionshistorie der Industrie zu beleuchten, um die Digitalisierung besser einordnen zu können:

  1. Industrielle Revolution = Mechanisierung (Wasserkraft/Dampfkraft)
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  2. Industrielle Revolution= Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern
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  3. Industrielle Revolution = Digitalisierung von Baugruppen unter Einsatz von Elektronik und IT
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  4. Industrielle Revolution = Vernetzung , Informationstransparenz, Technische Assistenz, Dezentralisierung

 

Die „eigentliche Digitalisierung“ fand also bereits in den frühen Jahren des aktuellen Jahrtausends statt.

Digitalisierung ist ein Plattformthema

Plattform Definition (Informatik [Hardware & Software]) = eine einheitliche Grundlage auf der Anwendungen ausgeführt und entwickelt werden können. (Quelle: Wikipedia)

Betrachtet man sich die Identifikationsmerkmale der 4. Industriellen Revolution, wird schnell klar, dass es im Prinzip um Plattformen und deren Vorteile geht! Und das wirklich wunderbare daran: Selten wurde Weiterentwicklung so kundenorientiert vorangetrieben. Selten wurden Nischenprodukte, Nischendienstleistungen und deren Vielfalt so sichtbar! Entscheidend für den Erfolg einer Lösung ist nicht mehr nur deren Verbreitung und Marktmacht – die Usability steht im Fokus.

Überträgt man dies zum Beispiel auf Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMUs), dürfen wir uns über gewaltige Potentiale freuen. Denn Plattformen im herkömmlichen Sinne, zum Beispiel Vergleichsportale (Versicherungsbranche), erhöhen die Sichtbarkeit von Lösungen und Services, die sonst eher ein Nischendasein fristen, signifikant.

Standards und Co: Voraussetzung für die Digitalisierung

Zwischen der 3. und 4. Industriellen Revolution war ein weiterer Baustein erforderlich, um DIE Digitalisierung zu ermöglichen: DIE Standardisierung. Während bis Ende des letzten und Anfang des neuen Jahrtausends (teilweise bis heute) Heerscharen von Projektteams DIE maßgeschneiderte Systemlösung suchten und umsetzten (und meistens scheiterten), wurde klar, dass proprietäre Systeme (Eigenentwicklungen) immer die gleichen Fragen aufwerfen:

  1. Kosteneffizienz hinsichtlich Pflege, Wartung und Vorhalten von Inhouse-Know-How,
  2. Aktualität der Lösung im Marktvergleich,
  3. Kompatibilität und Schnittstellen.

Kaum ein Top-Softwarehaus bietet Box-Produkte heute noch an. Ganz selbstverständlich werden persönliche Daten der Wolke anvertraut und Cloudbased Services genutzt. Diese Entwicklung, die mit SaaS (Software as a Service) begann, scheint heute abgeschlossen. Doch immer noch kämpfen insbesondere Kundendaten getriebene Branchen mit der Komplexität ihrer unter hohem finanziellem Einsatz entstandenen proprietären Systemlösungen.

Offene Plattformen: Schlüssel zur Digitalisierung

Der letzte und wichtigste Baustein sind offene Standards. Ohne ein florierendes Ökosystem an Dritt-Entwicklern und der Möglichkeit mit anderen Netzwerken, Datenbanken oder eben Plattformen zusammenzuarbeiten, ist Digitalisierung nicht denkbar. Erst dann werden als Spitze der Evolution Anwendungen entwickelt, die durch Kooperationen entstehen, Informationen bündeln und für den Kunden transparent und bedienbar verarbeiten. Und sich in der Folge am Markt und in der breiten Masse etablieren können. Und hier sind wiederum Plattformen ein Zugang, denn der Anwender/Kunde wird immer den einfachsten Weg suchen, um eine Lösung zu finden. Und Plattformen in Form von eben z.B. Vergleichssuchmaschinen oder –rechnern stellen einen leicht bedienbaren zentralen Zugang dar.

Ausblick auf Teil 2 des Digitalsierungsblogs

FinTechs (Finanztechnologie) sind eine der Wachstumstechnologien im Versicherungsumfeld und können in den vergangenen 2 Jahren einiges an Risikokapital für sich verbuchen. Die Presse orakelt bereits das Aussterben des Versicherungsmaklers. Wer die aktuelle Entwicklung verschläft, riskiert viel. Und dass Größe allein nicht immunisiert, zeigt die Insolvenz des Spielzeitriesen Toys „R“ Us, welcher nach eigenen Angaben die Digitalisierung verschlafen hat. Dies gilt natürlich auch für Beratungsdienstleistungen, die zum Teil aus Research-Prozessen bestehen, bei denen im Auftrag des Kunden passende Versicherungs- und Vorsorgeprodukte verglichen werden. Prozesse mit Automatisierungspotential also, die nach dem Einsatz einer FinTech-App nahezu schreien. Warum der altehrwürdige Beruf des Versicherungsmaklers dennoch seine Berechtigung hat und warum er von der Digitalisierung sogar profitiert, möchte ich Ihnen im zweiten Teil meines Digitalisierungsblogs darlegen.

Ich bedanke mich für Ihr Interesse an diesem Beitrag. Teilen Sie mir Ihre Meinung zu diesem spannenden Thema mit und kommentieren Sie. Gern tausche ich mich dazu aus, denn DIE Digitalisierung ist ein „Mitmachprozess“ der zu Gestalten einlädt.

Und in der Zwischenzeit: Wir sind für Sie da!