16.03.2017

Bauspar-Urteil des BGH: Der getrübte Blick in den Rückspiegel

Bausparkassen dürfen ältere Bausparverträge mit hohen Zinszusagen kündigen, stellte der Bundesgerichtshof im Februar 2017 fest. Die Verbraucherzentralen bedauern das Urteil und sprechen  von „einem schlechten Signal“. Insbesondere Reichweitenmedien reagieren überwiegend verschnupft und deren Kommentar-Zonen füllen sich mit emotionalen Beiträgen besorgter Sparer. Und doch werden die Stimmen immer lauter, die auf Chancen hinweisen und auf seit langem etablierte Anlage-Alternativen aufmerksam machen.

Warum der empörte Blick in den Rückspiegel kontraproduktiv ist und man die Folgen des Urteils auch durchaus positiv, nämlich als Weckruf aus dem Dornröschenschlaf verstehen kann, soll Thema dieser Kolumne sein.

Innovation? Fehlanzeige!

Beim Anlegen von Geld machten die Deutschen bislang nicht in Sachen Kreativität von sich Reden. Bereits 2012 habe ich in einem Artikel für  „ ZEIT ONLINE“ (Link: http://www.zeit.de/wirtschaft/geldanlage/2012-09/private-altersvorsorge-inflation-zinsen-rendite/komplettansicht) auf die Risiken hingewiesen,  die Sparer eingehen, wenn Sie zu konservativ vorsorgen.

Dabei gibt es, gerade mit Blick auf die anhaltende Niedrigzinsphase, eine breite Palette interessanter Anlageformen und durchaus die Chance,  inflationsbereinigt Gewinne zu erwirtschaften. Das gilt für große und kleine Einlagen gleichermaßen. Dass der Bausparvertrag sich einmal, konzipiert für die Immobilienfinanzierung, zum attraktiven Anlageprodukt mausert, kann man getrost ökologischen Langzeiteinflüssen zuschreiben. Dabei zeigt der Blick über den mit Sparbüchern und Bausparkassen dekorierten Tellerrand deutlich: Durch das BGH-Urteil betroffene Bausparer, die länger als 10 Jahre angelegt haben, könnten sich heute über 6% und mehr Rendite freuen, wenn das freie Kapital zum Beispiel in Aktienfonds angelegt worden wäre.

Äpfel mit Birnen verglichen?

Ja, der Vergleich hinkt. Betrachtet man aber den Bausparvertrag als Anlageform, muss der fleißige Sparer sich schon fragen lassen ob die konservative Herangehensweise die richtige war. Und ob es nicht an der Zeit ist, die Initiative zu ergreifen und mündig mit dem hart erarbeiteten Geld umzugehen.

Weckruf Gerichtsurteil

Die anhaltende Niedrigzinsphase zwingt den Anleger geradezu zum Handeln und auch dazu, kalkulierbare Risiken einzugehen, die sich bislang verboten haben. Aber allein das Wissen um den Unterschied zwischen einer sachwertorientierten- und festverzinslichen Anlage offenbart große Potentiale. Und mit dem richtigen Partner lassen sich diverse Klippen umschiffen und Risiken auf ein Minimum reduzieren. Nur eins sollte man unbedingt vermeiden: Nichts tun! Denn Nullzinsen und die sukzessive wieder einsetzende Inflation  greifen gerade gering verzinste Anlagen unerbittlich an und sorgen, auch bei kleineren Einlagen, kontinuierlich für Verlust.

Ihr Michael Reeg

 

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