06.01.2017

Pflegestärkungsgesetz II 2017: Trügerische Sicherheit?

Liebe Leser meiner Kolumne,

am 1. Januar war es nun so weit: die zweite Stufe des Pflegestärkungsgesetz (PSG II) ist in Kraft getreten. Stärkung? Klingt zu nächst einmal positiv, denn Stärke suggeriert „mehr“, „besser“, „sicher“. Richtig, MEHR habe ich auch schon gespürt: bei der Abbuchung meines Pflegeversicherungsbeitrages, denn der ist um ca. 7% teurer geworden. In der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kostet die Pflegeversicherung übrigens jetzt auch 8,5% mehr, für Höchstbeitragszahler ohne Kinder knapp 10,5%. Höchstbeitrag: 121,80 EURO!

Aber der Beitrag kann doch nicht alles sein, was das PSG II ausmacht. Da war doch die Rede von „besserer Versorgung“ und Pflegegraden statt Pflegestufen. (Eine weiterführende FAQ dazu finden Sie auch unter folgenden Link: http://www.ideal-versicherung.de/index.php/kunden/faq-pflegereform)

Auch das ist richtig, nur sollte man bei „besser“ besser mal genau hinschauen: die maximale Leistung der Pflegepflichtversicherung war bis 2016 in Pflegestufe III 1.612 EUR, in Härtefällen 1.995 EUR. Zusätzlich zu den drei Pflegestufen gab es bisher die sog. Pflegestufe 0 sowie die Härtefallregelung. Macht unterm Strich faktisch fünf Stufen. Die heißen jetzt Pflegegrade. OK, die Zugangskriterien zu den Pflegegraden sind verändert worden. War es bis 2016 der Zeitaufwand, der für die Pflege betrieben werden musste und wonach die Einstufung erfolgte, sind es jetzt die (Grund-)Fähigkeiten der betroffenen Personen, die mehr oder weniger ausgeprägt noch vorhanden sind und deren Fehlen zu einem Pflegegrad führen.

Die Höchstleitung im Pflegegrad 5 ist auf 2.005 EUR festgelegt, also tatsächlich 10 EUR mehr als bisher. Ist DAS die Stärke, die der Begriff Pflegestärkungsgesetz suggeriert?

Einmal abgesehen von der Frage des vereinfachten Begutachtungsverfahrens und der veränderten Einstufungen steht unzweifelhaft fest, dass der Wortteil „Stärke“ im Gesetz offensichtlich nichts mit besseren (monetären) Leistungen zu tun hat.

Was schließen wir daraus? Schließlich kostet die Unterbringung in einem Pflegeheim im Monat je nach Standort so viel, dass beim Pflegebedürftigen bzw. dessen Angehörigen nach Abzug der Leistungen aus der Pflegeversicherung noch ein Eigenanteil von mindestens 2.000 EUR bis deutlich über 3.000 EUR verbleibt. Und wenn die Rente oder das Ersparte dazu nicht reichen, drohen Verwertung von Eigenheim und Erspartem, nötigenfalls Zuzahlungen durch die eigenen Kinder.

Unterm Strich verändert sich durch das PSG II in der Pflegewelt so einiges. Was aber definitiv gleich bleibt, ist das finanzielle Risiko für die Betroffenen bzw. deren Angehörigen.

Wer also nicht nur an sich selbst denkt, sondern auch an seine nächsten Familienangehörigen, der sollte auch einmal an eine Beratung im Hinblick auf eine Zusatzabsicherung denken. Die senkt zwar nicht das Risiko Pflegefall zu werden, schützt aber u.U.  Erspartes, Erbe und in vielen Fällen ganz besonders den Familienfrieden.

Übrigens: Pflege ist entgegen der landläufigen Meinung nicht nur ein Thema der „Alten“: von den etwa 2,6 Mio. Pflegebedürftigen (2013) in Deutschland (Quelle: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001139004.pdf?__blob=publicationFile) waren fast 74.000 unter 15-jährige Betroffen. Das sind zwar unter 3% Anteil an der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen, aber inklusive der Eltern gut und gerne 200.000 betroffene Personen und familiäre Ausnahmezustände.

Mein Experten-Tipp: Prüfen Sie Ihren bestehenden Versicherungsschutz und schließen Sie gegebenenfalls für sich und Ihre Familie eine Zusatzversicherung ab. Da es hier einige Varianten gibt, empfehle ich zudem eine Beratung durch einen Makler.

Alles Gute für 2017 und beste Gesundheit wünscht Ihnen Ihr

Helmut Zeiß

 

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