15.12.2016

…existenzbedrohend und polarisierend –</br>die Berufsunfähigkeitsversicherung

Neulich aus dem ICE nach Hamburg…

…vor sieben Jahren begann ich mich intensiv mit dem Aufreger Berufsunfähigkeitsversicherung zu beschäftigen. Schnell begriff ich, dass gerade hier Halbwissen sehr gefährlich sein kann, da ich immer wieder Artikel und Berichte zu aktuellen Vorfällen las, wo Kunden Probleme mit solchen Policen hatten.

Gerade aktuell sorgt ein TV-Bericht im ZDF (WISO) für Irritationen, der die Komplexität dieses Themas sogar noch verdeutlicht, da selbst Journalisten eine Recherche hierzu – scheinbar – sehr schwer fällt. Auf Grund des heftigen Widerstands aus der Branche wurde der Beitrag mittlerweile aus der Mediathek entfernt.

Vorab sei erwähnt, dass dieses Thema, gerade auf Grund seiner Intensität zwar mein absolutes Lieblingsthema ist, aber nach meiner Meinung auch das kundenunfreundlichste.

Als der Gesetzgeber das am 01.01.2001 in Kraft getretene „Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit“ beschloss, verabschiedete er sich von einem wichtigen Absicherungsbaustein für Erwerbstätige. Von nun an existierte für Sozialversicherte mit einem Geburtsdatum nach 1961 kein Versicherungsschutz mehr. Vorgaben für private Versicherungsunternehmen, wie diese ihre Bedingungen zu formulieren haben um diese Aufgabe zu übernehmen, sind bis heute maximal rudimentär vorhanden. Dabei blieb die private Berufsunfähigkeitsversicherung doch die einzige Lösung, um die entstandene Absicherungslücke zu schließen. Mittlerweile ist es aber sogar bis zu den Verbraucherschützern durchgedrungen, dass diese Absicherung essentiell wichtig ist.

Dennoch: wie kann der interessierte und verantwortungsvolle Mensch richtig vorgehen, um seine Arbeitskraft abzusichern, ohne dabei in der Angst leben zu müssen, sich im Leistungsfall mit dem Versicherer vor Gericht wiederzusehen, oder gar die falsche Police abgeschlossen zu haben?

Tja, auf diese Frage gibt es leider keine narrensichere Antwort.

Nachfolgend sechs Tipps für Sie als Interessent:

(1) Ein unabhängiger Berater oder Makler ist hier unausweichlich für Sie. Lesen Sie dazu immer das Impressum auf seiner Website und achten Sie darin auf Gewerbezulassung und Betriebsform. Gegebenenfalls lassen Sie es sich genau erklären.

(2) Wie groß ist das Portfolio an Versicherern des Beraters/Maklers, aus dem er schöpfen kann? Hier geht es nicht darum, 120 Angebote zu erhalten, sondern um sicherzustellen, dass sich der Berater den Unterschieden der Tarife bewusst ist, er den Markt kennt und gezielt Empfehlungen aussprechen kann, die auf den Kunden zugeschnitten sind. Unterschiedliche Berufe,  Ausbildungen, Gesundheitszustände und das Eintrittsalter können zudem zu komplett anderen Ergebnissen führen.

(3) ABER stellen Sie sich darauf ein, dass es hierbei nicht nur um den günstigsten Beitrag geht, sondern insbesondere um klare Definitionen und Bedingungen im Kleingedruckten. Gehen Sie hier keine Kompromisse ein. Ihre Situation (Alter, Beruf, persönliche Situation und Gesundheitszustand) ist hier ausschlaggebend. Zum Beispiel nutzt Ihnen eine sogenannte Nachversicherungsoption ohne erneute Gesundheitsprüfung nichts, wenn Sie schon 2.500€ BU-Rente versichern wollen, oder viele Lebensereignisse wie zum Beispiel Heirat, Geburt oder Erwerb einer Immobilie schon absolviert haben oder gar Ihre Gesellschaft so etwas nur bis zum 45. Lebensjahr anbietet, Sie jedoch schon 46 sind.

(4) Nach meiner Ansicht einer der wertvollsten Tipps: Lassen Sie eine unverbindliche Risikovoranfrage bei verschiedenen Versicherern stellen, falls Sie Vorerkrankungen haben, um eine Versicherbarkeit sicherzustellen. Dabei sind Erkrankungen UND ärztliche Behandlungen der letzten fünf Jahre zu erwähnen, stationäre Aufenthalte (teilweise) sogar der letzten zehn Jahre. ABER: Lassen Sie sich trotzdem vorher intensiv zu den Tarifen beraten, damit auch die passenden Versicherer angefragt werden.

(5) Auch wenn es eine gewisse Vorleistung vom Berater und Ihnen abverlangt, vertrauen Sie nicht  darauf, dass Ihr Berater von vornherein weiß welche Tarife für Sie zu empfehlen sind. Somit können Sie auch erkennen, ob der Berater damit leben kann, wenn ein Vertrag vielleicht nicht zu Stande kommt und er trotz des Aufwands vielleicht keine Provisionen verdient, da die Versicherbarkeit ausgeschlossen und nur mit Einschränkungen für Sie möglich ist.

(6) Letzter Tipp: Füllen Sie die Gesundheitsfragen in einem privaten Rahmen, ohne Druck und in Ruhe aus!

Und zu guter Letzt: Zwei Werte, die ich im Verkauf gelernt habe.

(1) Ein guter Verkäufer weiß, wann er auf ein Geschäft verzichten sollte.

(2) Vertrauen Sie Ihrem Berater, aber niemals blind. Und – genehmigen Sie sich den Luxus alles zu hinterfragen. Arbeiten Sie auf Augenhöhe zusammen und bewahren Sie sich den Blick für das Wesentliche. Gehen Sie den professionellen Weg, bei dem das Rationale weit vor dem Emotionalen steht (Sie vertrauen doch auch keinem Architekten der Ihr Haus baut ohne die Bauzeichnung gesichtet zu haben, oder?).

Es gibt KEINE Alternative zu diesem Produkt (wie an anderer Stelle angeführt, #WISO), die Ihre Arbeitskraft in Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf versichert. Es bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als mit Ihrem Berater oder Makler eine intensive Zusammenarbeit, mit dem Ziel eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, aufzubauen.

Diese Tipps gelten für jeden arbeitenden Menschen in Deutschland.
Lassen Sie sich nicht entmutigen und bleiben Sie neugierig.

Im Zweifelsfall wenden Sie sich einfach an meine Kollegen und mich.

In diesem Sinne, mit einer gesunden Portion Realismus, verbleibe ich gegenwärtig hochachtungsvoll

Ihr Niels Sanders

 

1 Kommentar

Leider wird sich immer noch zu sehr die Frage gestellt “ Kann ich überhaupt eine Leistung aus so einer Versicherung bekommen?“ – daher ist guter Rat nicht ganz einfach zu finden, aber er ist definitiv nicht teuer.
Danke für die Ausführungen – das finde ich hilfreich.