09.11.2018

Provisionsdeckel? Nein, Danke!

Als sich der Finanzausschuss des Deutschen Bundestags im Sommer – kurz vor dem Sommerloch – mit der Änderung am Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) befasst hat, machten Versicherer, Versicherte und Verbände mobil: „Nein Danke!“ Denn kommt der Provisionsdeckel, schwindet die Beratung und Honorarvergütung wird das bestimmende Thema. Für viele Kundinnen und Kunden entsteht so ein Alptraum, denn insbesondere in den unteren und mittleren Einkommensschichten – also gerade da, wo eine vernünftige Altersvorsorge besonders nötig wäre – können sich dann viele Bürgerinnen und Bürger die Beratungshonorare nicht leisten.

Großbritanniens verfehlte Politik

Was das bedeuten kann, zeigt das Beispiel Großbritannien, wo Millionen von Bürgern der unteren und mittleren Schichten seit 2013 von einer guten Finanzberatung abgeschnitten sind. Wieso? Der britische Gesetzgeber durchmischte das System und Provisionen in der Altersvorsorge wurden abgeschafft! Der Artikel „Schädlicher Provisionsdeckel in der Lebensversicherung“ von Johannes Sczepan und Andrew J. Hartsoe (FAZ, 17. Oktober, S. 25 – Finanzen) verdeutlicht, dass ein Provisionsverbot das Gegenteil des Gewünschten bewirkt: Die Durchschnittsbriten können sich die Beratungshonorare nicht leisten, die Lücken in der Altersvorsorge verschärfen das soziale Ungleichgewicht; profitieren kann hier niemand.

Während Großbritannien bereits zurückrudert, streiten sich in Deutschland so genannte Verbraucherschützer und der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW um die massiven Eingriffe der Politik. Wer hier das letzte Wort behält, ist nicht abzusehen – wenn das System nicht bleibt wie es ist, wird es nur einen Verlierer geben: die Verbraucher.

Der Konflikt mit dem Gesetzgeber

Es drängt sich die Frage auf, wieso der Gesetzgeber in die Vergütung jener Vermittler eingreift, die zugleich das staatliche und gesellschaftspolitische Ziel erfüllen helfen, die Beratung einer flächendeckenden Altersvorsorge sicherzustellen? Die Politik verändert ein System, das sich bewährt hat, denn festangestellte, unabhängige Berater sind in Wahrheit gelebter Verbraucherschutz. Sie arbeiten ohne Druck und können sich intensiv mit den Anliegen der Kunden auseinandersetzen.

Verbraucher beschweren sich heute schon, dass die Versicherungsprodukte zu unübersichtlich und nicht transparent genug sind. Doch wer entschlüsselt kryptisches Fachchinesisch, wenn nicht ein unabhängiger Makler? Ziel ist es, Kundinnen und Kunden wie auch Leserinnen und Leser durch tiefgreifende Informationen so zu beraten, dass sie objektiv richtige und auch langfristig gute Entscheidungen treffen. Bemessen an den Leistungen, die ein Makler für seine Kunden über Jahre aufbringt, pendelt sich der Provisionsbetrag im Stundenlohnbereich von geschätzten Handwerkern ein.

Würde durch ein Provisionsverbot oder -deckel die flächendeckende Beratung wegfallen, würden die Versorgungslücken der Verbraucher im Alter nicht geschlossen werden, denn wer einen langfristigen Finanzsparplan aufstellen will, braucht einen unabhängigen Berater. Makler sind von Gesetz aus verpflichtet, nur nach dem Wohl ihrer Kunden und deren Interessen zu handeln. Das britische Beispiel zeigt: Wer gut beraten sein will, darf nicht am falschen Ende sparen. Am Ende trägt sonst der Verbraucher den Schaden.

Mein Plädoyer für die Verbraucher

Der Vorstand einer großen europäischen Versicherung verdeutlicht mit seiner Aussage „Provisionen sind sozial, Honorare unsozial!“ die momentane Lage: Seit dem Niedrigzinsumfeld und der Regulierung sind die Verwaltungs- und die Abschlusskosten signifikant gestiegen. Vorsorge oder Absicherung verkaufen sich nicht von alleine. Hier braucht es aktive Beratung und einen Sparringpartner, der den Wunsch der Verbraucher zum Abschluss bringt. Wenn das nicht adäquat vergütet wird, wachsen die Renten- und Versorgungslücken weiter an. Ein Honorar für diese Beratung werden sich (siehe Großbritannien) nur die Besserverdiener leisten können.

Es brodelt – auch innerhalb der Branche! So lässt sich die aktuelle Stimmungslage zum Thema Provisionsdeckel kurz auf den Punkt bringen. Verbraucher müssen weiter im Fokus der Beratung stehen, nur dann steigt die Anerkennung von Maklern und Versorgungslücken werden geschlossen. Daher gilt: Provisionsdeckel? Nein Danke!

Ihr Michael Reeg

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.