20.12.2017

Mal wieder die „Bürgerversicherung“

Mit großem Interesse las ich kürzlich einen interessanten Artikel zum aktuell (wieder einmal) aufgewärmten Thema „Bürgerversicherung“. Als Spezialist mit über 20jähriger Erfahrung bilde ich mir natürlich eine eigene Meinung zu diesem Thema, welche ich in meiner Kolumne gern zum Besten geben möchte. Mein Dank gilt dem Verfasser des Artikels, Wolfgang Reitzle, welcher im Handelsblatt (6. Dezember 2017) eindrucksvoll zu diesem Thema ausführt.

Politischer Lückenfüller

Die von diversen politischen Kräften geforderte Bürgerversicherung suggeriert Gerechtigkeit und Gleichbehandlung. Tatsächlich aber stülpt sie das System von 90% gesetzlich Versicherten über das der verbleibenden 10% privat Versicherten. Jetzt könnte man ketzerisch fragen, wieso etwas, das bei  90% der Bevölkerung nicht wirklich funktioniert, einen derartigen Rollout verdient hat? Und das, obwohl der  demografische Wandel seine Spitze noch nicht einmal erreicht hat!

Es muss Menschen geben die Verantwortung übernehmen. Und zwar für sich und für andere. Diese Verantwortung übernehmen Führungskräfte in der Wirtschaft genauso wie Selbstständige oder Inhaber. Die oftmals nicht angemessene Bezahlung von Arbeitnehmern (ich selbst bin einer) soll an dieser Stelle nicht Gegenstand meiner Ausführungen sein.

Das Thema Bürgerversicherung keimt „merkwürdigerweise“ immer auf, wenn politisch Verantwortliche auf der Suche nach Mehrheitsbringern in Wahljahren sind oder wenn privat Versicherte ihre Beitragsanpassungen bekommen haben. Von gesetzlich Versicherten spricht ja keiner: Diese werden über Erhöhungen nämlich gar nicht erst informiert. Aber sie bekommen sie. Entweder in Form von höheren Zusatzbeiträgen, höherer Beitragsbemessungsgrenze, bei Gehaltserhöhungen oder in Form von Leistungskürzung und/oder -verweigerung. Fragen Sie mal einen gesetzlich versicherten Familienvater, wie hoch seine Selbstkosten sind, wenn eines seiner Kinder eine Zahnfehlstellung hat, die von der Kasse als „nicht behandlungsbedürftig“ eingestuft wird. Stellt sich dann im Erwachsenenalter heraus, dass man da dringend etwas tun muss, ist die Ursache zwar schnell klar, die unkomplizierte und oftmals günstigere Gelegenheit aber lange verstrichen. Und natürlich ist die Gesetzliche Krankenversicherung längst enthaftet.

Die Frage nach der Eigenverantwortlichkeit

Wenn alle denselben staatlich verordneten Schutz haben – und hier sei einmal die Frage erlaubt, wo denn dann der Gedanke der Eigenverantwortlichkeit bleibt – werden diejenigen, die es sich „leisten“ können, die Lücken suchen und finden, um sich einen besseren Schutz zu kaufen. Ist diese Art „Vorteilsnahme“ etwas anderes als sich mithilfe einer PKV eigenverantwortlich zu versorgen?

Mehr als  233 Milliarden EUR Alterungsrückstellungen haben Unternehmen der privaten Versicherungsbranche für Ihre Kunden und die Zukunft aufgebaut. Eine stattliche Summe und Eigentum der Versicherten, welches treuhänderisch verwaltet wird. Das Bild der staatlichen Enteignung von 8 Millionen Bürgern drängt sich auf und die Ernsthaftigkeit des Konzeptes darf mindestens in Frage gestellt werden.

Natürlich ist eine Reform des deutschen Gesundheitssystems notwendig, um es zukunftssicher zu machen und finanzierbar zu halten. Beitragserhebung in der GKV von ALLEN Einkünften, Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Versicherungspflichtgrenze oder allgemeine Reformen im Gesundheitswesen hinsichtlich Kosten/Nutzen – es gibt mehr als eine Möglichkeit. Die Entwicklung in der Altersstruktur unseres Landes lässt perspektivisch nur eine Prognose zu: die Beiträge der Versicherten werden steigen und/oder das Leistungsniveau wird sinken.

Der Leistungsumfang der Versicherung wird auch für den, der eigenverantwortlich aufbessern möchte, immer von seinen finanziellen Möglichkeiten abhängen. Und da ist sie dann wieder: die Zwei-Klassen-Medizin in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft; mindestens.

Zahlungswillige und –fähige können übrigens auch heute schon zum Privatpatienten werden. Die passenden Konzepte bringe ich Ihnen gern näher.

In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Adventszeit und bleiben Sie gesund!

Ihr Helmut Zeiß

 

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