27.09.2017

Rat vom Experten: Online versichern – ja, aaaaber! (Teil 2)

Den ersten Teil meines Beitrags habe ich mit dem Fazit beendet, dass Online-Prozesse dem Kunden viel Zeit sparen können und mit wenigen Klicks einen guten Überblick verschaffen können. Sobald es aber um existenzsichernde Biometrie-Produkte geht, bleibt der Gang zum Fachmann unverzichtbar. Zu groß ist beispielsweise das Risiko, im BU-Fall ohne Absicherung dazustehen. In diesem zweiten Teil möchte ich meine Ausführungen am Beispiel der Berufsunfähigkeitsversicherung untermauern.

Rein digitalisierter Abschlussprozess?

Warum dies – zumindest noch – schwer vorstellbar ist, sollen die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen:

Der Kunde möchte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen:

  • Versicherer A lehnt ab.
  • Versicherer B würde mit einem Risikozuschlag annehmen.
  • Erst Versicherer F würde zu normalen Konditionen annehmen.

Wenn Sie Hobbys ausüben, spielt eventuell auch die folgende Konsequenz eine Rolle:

  • Einige Versicherer veranschlagen für das Hobby Karate bis zu 150% Risikozuschlag.
  • Erst die z.B. Sechste Anfrage führt unter Umständen zu einer Normalannahme.

Interessen wohin man schaut

Leider häufen sich auch die Fälle, wo Ärzte eine sogenannte Phantomdiagnose gestellt haben, um überhaupt oder höher abrechnen zu können. Denn eines muss uns klar sein:  Die Götter in Weiß sind letztendlich auch nur Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht. Einen solchen Fall mussten wir kürzlich erleben:

Während des üblichen professionellen Beratungsprozesses eines BU-Interessenten in unserem Hause fiel bei der Sichtung seiner Behandlungshistorie auf, dass sein Arzt unserem Kunden unbekannte Diagnosen abgerechnet hat. Und das an Tagen, an denen unser Kunde gar nicht in Behandlung war. Darüber hinaus wurden auch noch psychische Leiden diagnostiziert. Für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ein fast sicheres KO-Kriterium.

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH)  gibt an Schäden von 1,8 Mio. Euro für das vergangene Jahr an. Verursacht durch gefälschte Abrechnungen und andere Betrügereien in ihrem Haus.

Einfache Lösung – große Wirkung

Der erste Schritt sollte also unbedingt die bereits mehrfach erwähnte Risikovoranfrage sein. Die  Gesundheitshistorie des Kunden wird minutiös aufgearbeitet und den Versicherern zur Vorprüfung zur Verfügung gestellt. Die Versicherer teilen dann mit, ob und wie sie das Risiko versichern würden. Der Research ist fester Bestandteil unserer Dienstleistung und verschafft dem Kunden ebenfalls Transparenz – gepaart mit Know-How, Beratung und einem sicheren Gefühl.

Es ist heutzutage auch nicht mehr so einfach aktuell geltende Berufsbezeichnungen eindeutig in eine Berufsgruppe einzustufen. Zu oft erlebe ich, dass einfach nur der Studienabschluss, wie z.B. Diplom-Betriebswirt angegeben wird. Dieser „Beruf“ wird von den meisten Versicherern in die günstigste Berufsgruppe eingestuft. Ein Schelm,  wer Böses dabei denkt. Allerdings ist dies keine Berufsbezeichnung, sondern ein akademischer Abschluss.

Legen Sie der in Teil eins des Blogs thematisierten Risikovoranfrage am besten direkt eine Tätigkeitsbeschreibung bei. Der Versicherer stuft Sie dann in eine Berufsgruppe ein und Sie sind auf der sicheren Seite.

Dies ist ein Tipp Ihres neutralen Versicherungsmaklers, eines Fachmanns. Es ist derzeit nur schwer vorstellbar, dass ein automatisierter Vergleichs- bzw. Onlineprozess Ihnen diese Tipps gibt und gleichzeitig Vorschläge zu Ihren Gunsten unterbreitet, bzw. Ihre Bedürfnisse berücksichtigt. Dazu ist eben jene neutrale, Kunden- und serviceorientierte Grundhaltung und Berufsethik notwendig. Würden Sie diese Ethik innerhalb eines automatisierten Prozesses erwarten, ohne dass Sie dem Geschäftspartner in die Augen schauen können?

Hierüber kann ein Onlineabschluss Sie nicht aufklären

Eine Risikovoranfrage hat zwei entscheidende Vorteile:

  1. Dadurch, dass eine ANFRAGE und kein ANTRAG gestellt wird, entspricht diese nicht nach juristischer Definition einer Willenserklärung zur Anbahnung eines Rechtsgeschäfts. Sie gehen also noch keine Rechte und Pflichten ein. So sind auch noch keine Unterschriften zu leisten, um eine Datenschutzerklärung oder Schweigepflichtentbindung o.Ä. abzugeben.
  2. Die Versicherer dürfen Ihre Daten nur im Rahmen der Risikovorprüfung verwenden und nicht an Dritte, wie z.B. die in diesem Zusammenhang oft thematisierte Wagnisdatei (HIS), weiterleiten.

Denn jede Form der Verwendung personenbezogener Daten – und zwar vom Erheben, Speichern, Verändern, Abfragen bis hin zum Übermitteln oder Löschen – gilt als Eingriff in die Grundfreiheiten und in die Privatsphäre der betroffenen Person und bedarf deshalb einer Legitimation (Rechtsvorschrift oder Einwilligung). Näheres regelt § 4 BDSG.

Gesundheitsdaten gehören zu den sogenannten besonderen Arten personenbezogener Daten – auch „sensible“ personenbezogene Daten genannt  (§3 Abs. 9 BDSG). Solche Daten unterliegen daher einem besonders hohen Datenschutzniveau.

Exkurs: Das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) ist eine gemeinsame Datenbank der Versicherer. Primäres Ziel ist es, Versicherungsbetrug- und missbrauch leichter aufzudecken.

Die Einträge erfolgen in sieben Kategorien:

  • Haftpflicht
  • Kfz
  • Unfall
  • Rechtsschutz
  • Sach
  • Transport
  • Leben

Es werden nur Eintragungen in Verdachtsfällen oder präventiv vorgenommen und nach einem Punktesystem bewertet. Wenn jemand beispielsweise seine Privathaftpflichtversicherung mehrmals im Jahr in Anspruch nimmt oder Zeuge eines mutmaßlich fingierten Verkehrsunfalls ist, werden Punkte verteilt.

Überschreitet der Punktwert den für jede Versicherungssparte individuellen Schwellenwert, so wird ein kodierter Eintrag vorgenommen. Somit kann von dem Eintrag nicht auf eine konkrete Person zurückgeschlossen werden. Dieser umfasst die folgenden Sachverhalte:

  • Atypische Schadenhäufigkeiten
  • Besondere Schadenfolgen
  • Erschwerte Risiken
  • Auffälligkeiten im Schaden-/Leistungsfall
  • Abgeschlossene Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen

Die Speicherfrist beträgt 5 Jahre, sofern in der Zwischenzeit kein neuer Eintrag erfolgt ist. Jeder kann einmal jährlich eine Selbstauskunft bei der informa HIS GmbH anfordern. (http://www.informa-his.de/selbstauskunft/selbstauskunft)

Zurück zur Risikovoranfrage und den weiteren Schritten:

Nachdem Ihr Versicherungsmakler die Ergebnisse der Versicherer gesammelt und aufbereitet hat, können Sie beide gemeinsam in aller Ruhe entscheiden, bei welchen Versicherern es Sinn macht, in die Tarifanalyse Schritt2 einzusteigen.

Nachdem Sie sozusagen die Spreu vom Weizen getrennt haben, beginnt der nächste Schritt – die Feinjustierung Schritt3 des ausgewählten Tarifs. Erst zum Schluss, wenn nach Ihren Vorgaben ausgestaltet wurde, erhalten Sie ein dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) konformes Vertragsangebot Schritt4.

Sollten Sie mit dem Angebot zufrieden sein, stellt Ihnen Ihr Versicherungsmakler das Antragsformular Schritt5 zur Verfügung. Haben Sie die Risikovoranfrage zuvor nicht anonym durchgeführt, so erhalten Sie in der Regel recht schnell Ihren Versicherungsschein, da der Versicherer die Risikoprüfung nicht mehr komplett durchführen muss.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Ihre Angaben im Antragsformular nicht von denen innerhalb der Risikovoranfrage abweichen. Deshalb dürfen Sie das Votum einer Risikovoranfrage sozusagen auch nicht als in Stein gemeißelt betrachten. Die Versicherer behalten sich explizit vor von diesem abzuweichen und formulieren Ihnen dies auch schriftlich.

Alle fünf Schritte in der Zusammenfassung:

Einen langjährigen erfahrenen Versicherungsmakler, der übrigens per Definition Erfüllungsgehilfe des Versicherungsnehmers ist, aufsuchen. Keinen Ausschließlichkeitsvertreter, der ein kleines Büro im Dorf hat und erst recht keinen Mehrfachagenten, der für einen Finanzdienstleiters mit drei oder vier Buchstaben auf selbständiger Basis arbeitet.

  • Risikovoranfrage durchführen und auswerten lassen
  • Die Spreu vom Weizen trennen. BU ist nicht gleich BU!
  • Den Tarif auf Ihre Lebenssituation- und planung anpassen
  • Vollständiges Angebot (inkl. Versicherungsbedingungen etc.) geben und sich Zeit mit der Durchsicht lassen

Mein Fazit zu reinen Onlineabschlüssen

Die Digitalisierung ist eine große Chance, auch für die Versicherungsbranche. Hoesch & Partner gehört zu den Pionieren dieser Entwicklung. Insbesondere Carlos Reiss, Gründer und Inhaber dieses Unternehmens und Michael Reeg (CEO) verfolgen seit Jahren eine organische Strategie,  um die Möglichkeiten der Digitalisierung zum Wohle des Kunden einsetzen zu können. Ganz allgemein gilt aber: Natürlich sollte der Suchende berücksichtigen, dass auch Technologie von Menschen mit Interessen gestaltet wird.

Eine neutrale Instanz, die den Kunden fachlich richtig und mit Blick auf seine Bedürfnisse berät ist durch Algorithmen vorerst nicht zu ersetzen.

Habe ich Ihr Interesse geweckt? Wie sehen Sie die Entwicklungen rund um Digitalisierungen und FinTechs? Haben Sie vielleicht eigene Erfahrungen sammeln können? Dann sprechen Sie mich an. Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Und darüber hinaus steht Ihnen das gesamte Haus Hoesch & Partner mit Rat und Tat zur Seite.

Ihr Alexander Kukovic

 

2 Gedanken zu „Rat vom Experten: Online versichern – ja, aaaaber! (Teil 2)“

  1. Frau Müller sagt:

    Leider kann ich diesen Teil Ihres Artikels leider nicht bestätigten:

    „Während des üblichen professionellen Beratungsprozesses eines BU-Interessenten in unserem Hause fiel bei der Sichtung seiner Behandlungshistorie auf, dass sein Arzt unserem Kunden unbekannte Diagnosen abgerechnet hat.“

    Ich habe über Hösch und Partner eine BU abgeschlossen mit dem Hinweis des Beraters die Krankheitsfrage nach bestem Wissen und Gewissen auszufüllen! Keinerlei Hinweise auf irgendeine Behandlungshistorie.
    Mittlerweile frage ich mich, ob es überhaupt sinnvoll ist die BU zu behalten wenn am Ende eh nicht gezahlt wird weil die Ärzte wer weiß was abgerechnet haben.

  2. Liebe Frau Müller,

    vielen Dank für Ihre Reaktion auf meinen Beitrag.

    Als unsere Kundin haben Sie einen Anspruch auf bestmögliche Beratung. Es ist jedoch – ohne persönliche Rücksprache – seriös nicht möglich Ihren Fall hinreichend nachzuvollziehen.

    Ich bitte Sie deshalb Ihren Consultant zu kontaktieren und Ihre Bedenken mit ihm auszutauschen.

    Sollte sich herausstellen, dass antragsrelevante Inhalte fehlen, liefern wir diese Ihrem Versicherer nach und stellen gegebenenfalls eine neue Risikovoranfrage für Sie.

    Gern können Sie mich auch direkt kontaktieren per Telefon unter 0211 / 42 47 40 – 25 oder E-Mail an alexander.kukovic@hoesch-partner.de.

    Wir werden alles in Ihrem Sinne in die Wege leiten und die für Sie beste Lösung finden, um Ihren Vertrag sozusagen „wasserdicht“ zu gestalten.

    Aktuell sehe ich aber keinen Grund zur Besorgnis: Der Gesetzgeber steht grundsätzlich auf der Seite der Versicherungsnehmerin – also auf Ihrer Seite.

    In diesem Sinne freuen wir uns auf Ihren Kontakt!

    Beste Grüße
    Alexander Kukovic

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