19.01.2017

Das neue Jahr und seine Sparpotentiale

Liebe Leser meiner Kolumne,

über einen Newsletter bekam ich dieser Tage den Link http://www.sueddeutsche.de/geld/krankenkasse-pflege-strom-wo-sie-sparen-koennen-1.3317905 zugespielt. Und da ja niemand Tipps ignoriert, die beim Geld sparen helfen, habe ich mir die im Bericht zusammengefassten Tipps einmal angeschaut.

Neben den Kosten für Strom, Telefon und Fernsehen kann man also auch bei Versicherungen „sparen“. Das ist grundsätzlich nichts Neues und überaus erfreulich.

Ich beschränke mich hier bewusst auf Punkte, die mit der Kranken- und Pflegeversicherung zu tun haben. Folgende Gedanken kommen mir zu den zu den einzelnen Punkten:

Zu Punkt 1 des Artikels: Gesetzliche Krankenkasse wechseln:

Die Krankenkassen haben – entgegen der Ankündigungen aus dem Sommer 2016 – die Zusatzbeiträge flächendeckend NICHT erhöht. Folglich besteht hier überwiegend KEIN außerordentliches Kündigungsrecht. An der Stelle ist die medienübergreifende Berichterstattung nebst  Ratschlägen also nicht wirklich zielführend. Allen Kassenmitgliedern gilt daher der Tipp, den eigenen Beitragssatz nebst Zusatzbeitrag einmal zu checken und bei Bedarf die Kasse mithilfe einer ordentlichen Kündigung (zum Ende des übernächsten Monats) zu kündigen. Vom ordentlichen Kündigungsrecht kann nur Gebrauch machen, wer in seiner Kasse bereits mindestens 18 Monate versichert ist (s. §175 SGB V). Es sei denn, er kann und möchte in die Private Krankenversicherung (nachfolgend PKV genannt) wechseln (Voraussetzungen hierzu siehe unter https://www.hoesch-partner.de/private-krankenversicherung/). Dann gilt die Mindestmitgliedschaft i.d.R. nicht.

Zu Punkt 3 des Artikels: Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung

Diese Variante wird, aufgrund der zurückliegenden Beitragsanpassungen in der PKV, immer wieder in der Presse lanciert. Theoretisch und mit Tricks und Kniffen ist der Wechsel aus der PKV zurück in die Kasse sicher machbar (Sprechen Sie mich hierzu gern an).

Übrigens: Die Vorschrift des Sozialgesetzbuches (SGB, hier §5(1) i.V.m. §6 (1)1 SGB V) lässt diesen Wechsel formal nicht zu, sondern fordert diesen gesetzlich. Nur zur Klarstellung, dass es hier keine Freiwilligkeit gibt.

In dem Zusammenhang stelle ich die folgenden Fragen in den Raum:

  • Wer verzichtet gern freiwillig auf Einkommen?
  • Gibt es neben dem reinen Zahlbeitrag nicht auch noch andere Gründe, in der PKV zu sein oder zu bleiben (Leistungsniveau, medizinische Versorgung, Beitragsrückerstattung etc.)?
  • Haben sich die Verfasser des Artikels einmal mit der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) auseinandergesetzt? Insbesondere auf die Folgen, wenn der GKV-Versicherte (Gesetzlich Krankenversicherte) dort nicht Mitglied werden kann?

Rentner, die nicht in die KVdR können (weil Ihnen Vorversicherungszeiten fehlen (§5 (1) 12 SGB V)), werden dann in der GKV freiwillige Mitglieder. Und freiwillig GKV-versicherte Rentner zahlen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge von ALLEN Einkünften bis zur Beitragsbemessungsgrenze! Das können inkl. Pflegeversicherung mehr als 800 EUR monatlich sein!

Bei Selbstständigen funktioniert diese Regelung für „Zurück“ übrigens gar nicht! Es sei denn, sie schließen ihren Betrieb und nehmen eine Beschäftigung als Arbeitnehmer mit < 57.600 EUR Jahresgehalt auf. Nur: wer gibt gerne nach einem Leben als Selbstständiger seinen Status zu Gunsten einer Tätigkeit mit neuem „Chef“ auf und nimmt in Kauf, als Rentner u.U. horrende Beiträge in die GKV zu zahlen?

Zu Punkt 5 des Artikels: Mehr Geld für Pflegebedürftige:

Hierzu habe ich bereits in meinem letzten Blog berichtet (https://www.hoesch-partner.de/blog/2017/01/pflegestaerkungsgesetz-ii-2017-truegerische-sicherheit/). Die Gesetzesänderung der Pflegeversicherung bringt unterm Strich nur geringe monetäre Verbesserungen. Schließt sich die Frage an, inwieweit man hier Geld sparen kann. Im Bericht ist doch die Rede von gestiegenen Pflegeversicherungsbeiträgen. Und da diese Beiträge unumstößlich zu zahlen und speziell in der GKV absolut identisch hoch sind, sehe ich hier kein Sparpotenzial. Ganz im Gegenteil: Eigenvorsorge tut not, und die kostet zusätzlich!

Mein Experten-Tipp: keine eigenmächtigen Schnellschüsse, sondern erst fundierte Beratung durch den Fachmann!

In diesem Sinne: kommen Sie weiterhin gut und gesund durch den Winter und bleiben Sie mir gewogen.

Ihr

Helmut Zeiß

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