15.02.2016

Das Jahr der Fälligkeiten von Lebens- und Rentenversicherungen

Kategorie(n): Lebensversicherung, Rente

Warum soll gerade das Jahr 2016 mit dieser Bezeichnung bedacht werden? Sind nicht in jedem Jahr Verträge fällig und kommen zur Auszahlung?

Diese Frage sollte man sich durchaus stellen. Ich gebe die begründende Antwort, warum das Jahr 2016, in Bezug auf auslaufende Kapitalversicherung, besonders werden wird.

Es ist nun 12 Jahre her, dass sich der Gesetzgeber überlegt hat, die steuerliche Behandlung von Kapitalversicherung neu zu regeln.
Daher wurden zum 01.01.2005 die Besteuerungsregeln für dieses Anlagesegment signifikant zu Ungunsten der Sparer geändert. Waren bis zur Änderung die Erträge in kapitalbildenden Versicherungsprodukten gänzlich steuerfrei, wenn man mindestens 5 Jahre eingezahlt und der Vertrag eine Laufzeit von 12 Jahren erreicht hat.
Dies änderte sich dann mit Beginn des Jahres 2005.

Diese Tatsache hatte zur Folge, dass im Jahr 2004 ein „RUN“ auf die Kapitalbildungen Versicherungen losgetreten wurde – vielfach im Vertragsmodell eines „5/12er Vertrages“ d.h. man legte einen Anlagebetrag als Einmalsumme beim Versicherer an, der dann diese Anlagesumme in 5 gleichen Jahrestranchen (plus Verzinsung) in den eigentlichen Versicherungsvertrag einzahlte. Dann ruhte der Vertrag noch weiter 7 Jahren, um die notwendigen 12 Jahre zur steuerfreien Auszahlung zu erfüllen.
Soweit die Vorrede! Der aufmerksame Leser hat nun auch schon die Antwort gefunden, warum es nun im Jahr 2016 zu überproportional vielen Auszahlungen kommen wird – denn 2004 plus 12 Jahr = 2016!!

Nun könnte ja der pfiffige Anleger auf die Idee kommen, den bestehenden Vertrag einfach zu verlängern, da das Geld noch nicht benötigt wird. Hier aber ACHTUNG! Sollte der Versicherer diesen Wunsch überhaupt zulassen, dann würde es zu einer steuerschädlichen Änderung des Vertrages führen. Daher wäre das keine gute Idee.

Versicherungstechnisch wird das Jahr 2016 äußerst spannend. Foto: Adobe Stock, Jeanette Dietl

Versicherungstechnisch wird das Jahr 2016 äußerst spannend.
Foto: Adobe Stock, Jeanette Dietl

Fakt ist daher definitiv, dass es in diesem Jahr eine ganze Fülle freier Liquidität am Markt geben wird, über die eine neue Anlageentscheidung zu treffen ist.
Was soll man nun tun, bei einer „unterirdisch“ niedrigen Zinslandschaft und den derzeit sehr volatilen Kapitalmärkten (in der Tat mussten bereits einige unerfahrenere Aktienfondskäufer feststellen, dass der Weg an der Börse nicht nur nach oben geht!)?

Schaue ich mir die aktuelle Verbraucherpresse an, wird dieses Thema bereits im Januar in alle Anlagerichtungen diskutiert. Die Banken oder Vermögensverwalter halten eine Wiederanlage beim Versicherer in Form einer lebenslangen Rente für unprofitabel, weil hier wieder die typischen Renditeberechnungen angestellt werden, die bei Rentenversicherungen noch nie wirklich funktioniert haben. Die Anlageberater der Banken, aber auch Verbraucherschützer, berechnen gerne die Sinnhaftigkeit einer Rentenversicherung, indem Sie das Kapital beim Rentenbeginn durch die monatliche Rente teilen, um dann die max. möglichen Rentenzahlungen zu errechnen. Hier trennen sich dann schon die „Rentenversicherungsanalysten“, da einige Berechnungsmodelle nur den garantierten Wert der Rente berücksichtigen, andere wählen die Gesamtrente. Ob ich nun den einen oder den anderen Rentenwert nutze, um die „Rendite“ der Rente zu berechnen ist für mich vollkommen egal – denn die Entscheidung eine Rente zu wählen, kann nie auf einer Rendite basieren, die so oder so nur fiktiv ist, da eine Rentenversicherung die Zahlung mit einem lebenslangen Zahlungsversprechen verknüpfen muss. Es gibt natürlich eine Reihe von Sterbetafeln, die für Statistiken sinnvoll und bestimmt auch wertvoll sind. Wir sind als Menschheit auch schon sehr fortschrittlich und jeden Tag kommen neue Erkenntnisse hinzu. Was wir aber noch nicht perfektioniert haben ist das „statistische Sterben“ d.h. unser Leben endet tatsächlich mit den Vorgaben der Sterbetafel. Und genau hier ist das Problem der Menschen, die gerne Sicherheit haben möchten, eine finanzielle Versorgung zu beziehen, die ungefährdet von einem hohen Lebensalter weitergezahlt wird.

Daher ist aus meiner Sicht alle Diskussion über ein Für und Wider einer Anlageklasse erst dann sinnvoll, wenn klar ist, welche Bedürfnisstruktur beim Kunden gegeben ist.
Hierzu ist es im Normalfall wichtig, sich Zeit mit dem Kunden zu nehmen, um gemeinsam diese Struktur zu erarbeiten. Meine Erfahrung ist es, dass Kunden mich kontaktieren, um ein Angebot für eine Anlagesumme zu erhalten. Im Regelfall hat sich der Kunde aber noch keine Gedanken gemacht, was für seine individuelle Lebenssituation oder Lebensplanung wichtig und richtig wäre.

Ich empfehle daher nicht sofort eine bestimmte Asset Klasse, da es im Kundeninteresse wichtig ist zu klären, wie die persönliche finanzielle Situation aktuell ausschaut und welche Ziele mein Gegenüber in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten hat.
Daher sollte der interessierte Kunde lieber etwas mehr Zeit mitbringen und diese für eine bedarfsgerechte Analyse aufwenden. Hier bietet es sich an, lieber Geld für die Beratung zu zahlen, um ein objektiveres Ergebnis zu erhalten, als kostenlose Beratung in Anspruch zu nehmen, die dann in einem Produkt enden muss, damit der Berater auch für seinen Aufwand honoriert wird.

Meine Empfehlung ist daher, sich einen kompetenten Honorarberater zu suchen, da hier eine größere objektivitäts- statt produktgetriebene Beratung erwartet werden darf.
Zudem sind die Kosten transparent und die gewählten Produkte – soweit diese dann ohne zusätzliche Abschluss- und Vertriebskosten – angeboten werden, deutlich rentabler.

 

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