22.01.2016

Kategorie(n): Beratende Berufe

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Aktuell wird in den Medien vor allem eine Frage diskutiert: Sind private Nachrichten im Job erlaubt oder nicht? Was auf der einen Seite pointiert klingt, umfasst auf der anderen Seite allerdings ein viel größeres Feld. Es geht nicht nur um die Frage, ob private Nachrichten in Form von E-Mails, oder Facebook-Nachrichten erlaubt sind, sondern auch um das Surfen allgemein. Wie viel Privates darf sich in der täglichen Arbeit verstecken und was sind die Konsequenzen, wenn man „erwischt“ wird?

Das digitale Arbeitsleben erschwert die Trennung zwischen privat und Arbeit zunehmend. Das Internet ist ein multifunktionaler Kanal, der von verschiedenen Perspektiven aus betrachtet werden kann. So gut wie jeder Arbeitnehmer hat mittlerweile Zugang zum Internet, recherchiert auf verschiedenen Webseiten, arbeitet damit oder hat vielleicht sogar im Social Media zu tun. Hierbei entwickeln sich diese digitalen Trends zum Standard. Schon lange ist es keine Seltenheit mehr, ein geschäftliches Gespräch per skype zu führen, per Chat miteinander zu kommunizieren oder den Kunden per Instant-Messenger auf dem Laufenden zu halten. Solange es sich hierbei um geschäftliche Angelegenheiten handelt, haben die meisten Vorgesetzten keine Probleme damit. Vermischt sich aber das Private und das Geschäftliche zu sehr miteinander, kann es für Arbeitnehmer zu Problemen kommen. Diese Tatsache wird neuerdings verstärkt diskutiert, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte beschlossen hat, dass Vorgesetzte durchaus die E-Mail-Konten oder Chat-Protokolle ihrer Mitarbeiter prüfen können, um Verdachtsfälle nachzuweisen.

WARUM ES JETZT ZU DIESER DISKUSSION KOMMT:

Das Gericht musste die Sachlage aufgrund der Klage eines rumänischen Ingenieurs prüfen. Dieser habe anstatt nur mit Kunden auch mit Familienangehörigen gechattet, natürlich während der Arbeitszeiten. Dies sei dem Vorgesetzten aufgefallen und daraufhin wurde eine Kündigung ausgesprochen. Der Ingenieur klagte allerdings mit dem Argument, sein Vorgesetzter hätte die Chat-Protokolle nicht prüfen dürfen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gab allerdings dem Vorgesetzten recht. Eine Überprüfung der Protokolle und der Aufgaben der Angestellten sei, laut Aussage des Gerichts, zulässig.

WAS BEDEUTET DIES FÜR DEUTSCHLAND?

Dieses Urteil hat auch Auswirkungen auf Deutschland, jedoch wird hier bereits eine ähnliche Rechtssprechung gelebt. In Deutschland gelten folgende Richtlinien bereits länger: Chattet ein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit privat, schreibt er E-Mails oder surft er im Internet, ist dies strafbar. Das kann entweder zu Sanktionen führen oder sogar bis zu einer Kündigung reichen. Diese Tatsache wirft bei vielen Arbeitgebern viele Fragen auf: Darf der Arbeitgeber jetzt nach Belieben die E-Mailkonten checken? Experten beantworten diese Frage mit einem klaren Nein. Dies ist nur möglich, wenn die private Nutzung des Internets im Betrieb ausdrücklich verboten ist. In diesem Fall kann sich der Arbeitgeber die Protokolle als Arbeitsergebnis zeigen lassen. Übrigens: Hat der Arbeitgeber keine Aussage zur Internetnutzung getätigt, ist es in der Regel erst einmal verboten. Auch deutsche Arbeitnehmer sollten deswegen auf die private Nutzung des Internets am Arbeitsplatz verzichten.