14.12.2015

Pflegestärkungsgesetz II: Diese Änderungen treten 2017 in Kraft

Kategorie(n): Aktuelles

Das Thema Pflege ist wichtig und wird weitreichend diskutiert – wie wir finden auch zurecht. Die Schwachstellen des Pflegesystems liegen auf der Hand: Die bisher bestehenden Pflegestufen fassen nur einen Teil der wirklich Pflegebedürftigen auf. Gerade bei geistigen und psychischen Erkrankungen ist eine korrekte Einstufung der Bedürftigkeit äußerst schwierig. Mit dem Pflegestärkungsgesetz II treten 2017 Änderungen in Kraft, die weitreichend Verbesserung versprechen und bisher sowohl von Seiten der Pflegebedürftigen als auch der Pflegedienstleister positiv aufgegriffen werden. Ziel des Pflegestärkungsgesetzes II ist die Verbesserung der Gesamtsituation für Pflegebedürftige und ihrer Angehörigen sowie eine fairere Verteilung der Mittel. Das Pflegestärkungsgesetz tritt allerdings erst zu Beginn 2017 in Kraft.

Neues Einstufungssystem ermöglicht präzisere Einschätzung

Eine der interessantesten und wichtigsten Änderungen ist die Umstrukturierung der Einstufung in verschiedene Pflegestufen. Anstatt der bisher drei (beziehungsweise vier) Pflegestufen werden jetzt fünf Pflegegrade eingeführt, die eine bessere und faire Eingruppierung ermöglichen. Die Einordnung in die verschiedenen Pflegestufen wird anhand von sechs Modulen vorgenommen: Neben der Mobilität werden auch die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten, die Verhaltensweisen und psychischen Probleme sowie die Selbstversorgung und therapeutische Anforderungen berücksichtigt. Die Gewichtung der einzelnen Module ist unterschiedlich.

Die Pflegestufen werden durch fünf Pflegegrade ersetzt, denen ebenfalls andere Beitragshöhen zugeordnet werden. So soll sichergestellt werden, dass die notwendigen Finanzmittel sinnvoll eingesetzt und auch psychische oder geistige Erkrankungen berücksichtigt werden. Somit profitieren insbesondere Demenzpatienten von diesem System.

Bestandsschutz und einheitliche Eigenanteile

Eine weitere Veränderung umfasst den Bestandsschutz sowie die einheitlichen Eigenanteile. Wer bereits vor 2017 in eine Pflegestufe eingeordnet wurde, wird automatisch in den jeweiligen Pflegegrad einsortiert und das ohne einen Antrag stellen zu müssen oder sich neu begutachten zu  lassen. Außerdem besteht ein Bestandsschutz ohne Befristung, sodass keine Leistungskürzungen für Pflegebedürftige entstehen, die bereits in eine Pflegestufe eingeordnet sind. Auch die Eigenanteile sollen vereinheitlicht werden, sodass die Bewohner eines Pflegeheims nicht mehr Beiträge bezahlen müssen, die sich an der Pflegestufe orientieren, sondern unabhängig davon einheitliche. Sollte ein Pflegebedürftiger nach dieser Regelung mehr zahlen müssen, zahlt die Pflegekasse die Differenz.

Wer übernimmt bei Pflegebedürftigkeit den Eigenanteil?

In diesem Zusammenhang ist die Frage wichtig, wer den Eigenanteil übernimmt. Im ersten Schritt muss natürlich der Betroffene selbst für die Beiträge aufkommen. Ist dies nicht möglich, werden Angehörige wie Ehepartner, Lebenspartner, Lebensgefährten und Kinder hinzugezogen. Hierbei müssen Absprachen innerhalb der Familie getroffen werden, wer genau wie viel bezahlt. Sollten sich die Familien nicht einigen können, wird ein Antrag auf Gewährung von Sozialhilfe gestellt. Hierbei greift das Sozialamt allerdings in nächster Instanz wieder auf die Angehörigen zurück. An erster Stelle werden hier die Ehepartner und Lebenspartner sowie Lebensgefährten angesprochen, Kinder und Adoptivkinder sowie die Partner der Kinder an zweiter Stelle und die eigenen Eltern an dritter Stelle.

Das Pflegestärkengesetz II bringt eine Vielzahl an Änderungen mit sich, die das Pflegesystem in Deutschland umkrempeln – zugunsten der Pflegebedürftigen. Versicherer müssen jetzt die Zeit nutzen und ihre Verträge auf das neue System umstellen und umstrukturieren.

Foto: Adobe Stock, Alexandra Raths

 

Ein Gedanke zu „Pflegestärkungsgesetz II: Diese Änderungen treten 2017 in Kraft“

  1. Hosting sagt:

    Um das Erben so gerecht wie moglich zu machen, hat der Gesetzgeber das Erbrecht reformiert. Diese sind im Erbrechtsanderungsgesetz enthalten, das uberwiegend ab 2017 in Kraft tritt

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