26.11.2015

Das schlechte Image der Berufsunfähigkeitsversicherung

Gestern schaute ich mir den TV-Beitrag von „Report Mainz“ mit der Headline „Viele fallen durchs Raster – Armutsrisiko Berufsunfähigkeit“ an. Das Thema der Reportage war brisant und interessant zugleich: Es wurde ein Gärtner dargestellt, der aufgrund eines Rückenleidens eigentlich berufsunfähig ist. Die Versicherung zahlt allerdings nicht, was ihn jedoch zum Weiterarbeiten zwingt. Kein Einzelfall, wie die Reportage feststellt. Argumente von Verbraucherschützer unterstreichen die gesagten Argumente und die Wut der Versicherungsnehmer. Gleichzeitig besteht aber auch die deutliche Forderung an die Politik, die Berufsunfähigkeitsversicherung wieder zum Teil der gesetzlichen Absicherung zu machen. Das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung ist immer wieder ein gut, um negative Schlagzeilen publik zu machen, da es hierbei um mehr geht als um eine versehentlich beschädigte Vase. Es geht um ein existenzielles Risiko – den Verlust der Arbeitskraft.

Natürlich wissen wir alle, dass Berichterstattungen über Schicksalsschläge anderer, vor allem im Versicherungsbereich, für Furore und Aufmerksamkeit sorgen. Jetzt über jeden Artikel oder jede Reportage, sei es bei Frontal21 oder bei SternTV, einen Blog zu schreiben, würde ich als überzogen empfinden. Dennoch glaube ich, dass es an der Zeit ist, für etwas mehr Transparenz zu sorgen. Vor allem, da frühere Berichterstattungen deutlich investigativer waren und auch genauere Quellen genannt wurden. Diesmal musste ich doch sehr staunen, da über die beiden versicherten Protagonisten wenig zu erfahren war. Ich gebe zu, dass es sehr subjektiv ist, aber doch hätte ich gerne einige Informationen mehr gehabt, um mir als Profi im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung ein besseres Bild zu machen.

Fragen, welche die Reportage eigentlich hätte stellen müssen: Warum wurde dem Landschaftsgärtner denn die Leistung verweigert? Hatte er vielleicht Vorerkrankungen? Wurden Gesundheitsfragen vielleicht nicht wahrheitsgemäß beantwortet? Hat er einfach nur Pech gehabt? Oder hat der Versicherer einfach mal keine Lust gehabt eine Leistung zu erbringen die der Kunde über Jahre vermeintlich teuer bezahlt hat?

Niels Sanders ist Experte in Sachen Berufsunfähigkeitsversicherung und langjähriger Berater bei Hoesch & Partner.

Niels Sanders ist Experte in Sachen Berufsunfähigkeitsversicherung und langjähriger Berater bei Hoesch & Partner.

Ich glaube nicht daran, dass es sowas wie Willkür in Bezug auf dieses Thema gibt. Nach meiner Meinung ist das Hauptproblem oder auch die Herausforderung, die Komplexität des Produktes. Im o.g. TV-Beitrag wird erwähnt, dass der Gesetzgeber keine Regeln oder Maßgaben, im Bereich der Leistungsinhalte für die Versicherer festgelegt hat, nachdem die gesetzliche Rentenversicherung sich aus der Leistungspflicht bei Berufsunfähigkeit befreit hat. (Für Menschen die vor dem 01.01.1961 geboren wurden, gibt es eine Berufsunfähigkeitsversicherung die von der deutschen Rentenversicherung gezahlt wird.)

Eine Reform, die elementare Inhalte vorschreibt, hätte ich auch für sehr sinnvoll erachtet, da es derzeit immer noch Tarife am deutschen Markt gibt, die noch nicht einmal die Mindeststandards erfüllen. Gerade diese sehr leistungsschwachen Tarife einiger Versicherer sind natürlich sehr günstig und locken Kunden an, die glauben, es sich auf Grund Ihres risikoreichen Berufes, oder Ihres schlechteren Gesundheitszustandes nicht leisten zu können. Gerade an den Bedingungen zu sparen ist ein sehr typischer und eklatanter Fehler.

Natürlich möchte ein Versicherer gerne gesunde Kunden mit risikoarmen Berufen versichern. Dennoch habe ich persönlich auch schon Schreiner, LKW-Fahrer, Maler, Dachdecker und viele Krankenschwestern, sowie Menschen mit Allergien oder gewissen Vorerkrankungen versichert. Wenn man genau hinschaut und zudem eine unabhängige Beratung verlangt, kann auch eine Krankenschwester mit einer Allergie einen bezahlbaren und leistungsstarken Tarif bekommen. Da es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung sehr viele Falltüren gibt, wird das Produkt manchmal als intransparent bezeichnet. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass es das „Kleingedruckte“ z.B. auch bei einem Kaufvertrag einer Immobilie oder eines Autos gibt. Genauso wie bei den beiden Beispielen, geht es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung auch um eine existenzielle Sache, wobei ich das Auto nicht als solches betrachte (sehen einige Menschen sicherlich anders). Hier liest auch jeder das Kleingedruckte, oder lässt es von unabhängiger Seite prüfen.

99% meiner Kunden bestehen auf eine intensive und detaillierte Beratung. Somit kläre ich meine Kunden immer zuerst über die Nachteile eines jeweiligen Bedingungswerkes auf. Daraufhin kann jeder selbst und mündig entscheiden, welche Risiken er mit dem Abschluss eingeht. Zudem stellen wir durchschnittlich zu jedem zweiten Antrag eine Risikovorabanfrage bei mehreren Versicherern, um sicher zu stellen, dass der Kunde auch versicherbar ist und alle nötigen Informationen zum Gesundheitszustand detailliert beim Versicherer angibt.

Foto: Adobe Stock, Horticulture & majivecka

 

Ein Gedanke zu „Das schlechte Image der Berufsunfähigkeitsversicherung“

  1. Honoro sagt:

    Guter Artikel. Werde mir die Reportage einmal anschauen.

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