07.09.2015

Kategorie(n): Aktuelles, Allgemein

150907Blog-Meinungsfeiheit

Es gibt Themen, bei denen ist man als Autor, Interviewter oder einfach nur als Bürger, der seine Meinung äußert, Gefährdeter: Minderheiten, Gender, Asylpolitik. Was darf noch gesagt werden und was ist politisch unkorrekt? Und wer bestimmt das eigentlich? Das betrifft nicht speziell die Versicherungsbranche, obwohl  es in den einschlägigen Foren auch manchmal ziemlich wild zugeht. Das könnte man vielleicht nicht damit erklären, dass da sehr viele testosterongetriebene Alphatierchen unterwegs sind. Sei‘s drum – als Blogger bewegt mich das Thema und heute Abend werden wir bei Plasbergs „hart aber fair“ ein besonderes Ergebnis dieser Diskussionskultur erleben: Die Sendung vom 2. März wird wiederholt!

Warum? Weil das was und wie es gesagt wurde nicht allen gefallen hat. In dem Fall vor allem Lobbygruppen wie dem Deutsche Frauenrat. Der WDR hat im ersten Schreck auf Veranlassung des WDR-Fernsehdirektors Jörg Schönenborn die Sendung gleich aus der Mediathek gestrichen.  Das gab zu Recht einen Aufschrei, nach dem Motto „Zensur bei ARD“. Nun ist die Sendung wieder in der Mediathek verfügbar, wird nun aber nochmal gemacht – oder soll man sagen nachgespielt? Es ist müßig, darüber zu spekulieren,  ob und wie das funktionieren kann und wird. Wie werden die Diskutanten wohl gebrieft, welche Gedanken machen sie sich im Vorfeld, was trauen sie sich noch zu sagen. Wir werden es heute Abend ab 21.00 Uhr erleben.

An der Stelle möchte ich nochmal auf die Vorstellung des Buches „Zivilisierte Verachtung“ verweisen  und einen entscheidenden Satz von Carlo Strenger zitieren: „[…], dass mit dem Insistieren auf der politischen Korrektheit ein fundamentales Prinzip der Aufklärung über Bord geworfen wurde, nämlich dass nichts und niemand über Kritik erhaben sein darf. Die Ideologie der politischen Korrektheit stellt, […], eine groteske Verzerrung des aufklärerischen Toleranzprinzips dar“. Nun könnte man an dieser Stelle darauf verweisen, dass es auch aus so einem Grund sinnvoll sein kann, eine Rechtschutzversicherung zu haben. Aber das passt hier nicht hin, hier geht es um etwas Wichtigeres?

Wir leben seit 70 Jahren in einem freien und friedlichen Land. Das ist eine historisch sehr seltene Konstellation. Die Meinungsfreiheit ist ein extrem hohes Gut, aber sie ist gefährdet. Nicht weil Krieg herrscht oder eine Diktatur nur eine bestimmte Denkweise akzeptiert. Nein, aus viel subtileren Gründen: Wer will schon politisch unkorrekt sein, wer will schon einen Shitstorm ernten, wer will schon auf der vermeintlich falschen Seite stehen. Schon allein wenn man darüber anfängt nachzudenken, ob eine Äußerung aus diesen Gründen zu Stress führen könnte, fängt es an kritisch zu werden. Denn Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, darüber lohnt es sich immer wieder nachzudenken.

 

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