10.09.2015

Kategorie(n): Kunstversicherung

Am 24. September 2015 ist es soweit: Der als Hope-Spinell bekannte Edelstein wird bei Bonhams versteigert. Dieser Edelstein ist nicht einfach nur ein Hingucker, er bringt eine ganz eigene Geschichte mit sich, die ihn gleichsam wertvoll und interessant macht. Bisher war der Hope-Spinell Teil einer der größten Juwelensammlungen weltweit. Das letzte Mal stand der Juwel 1917 zum Verkauf und brachte damals eine beachtliche Summe ein. Jetzt – beinahe hundert Jahre später – rechnet Bonhams mit Geboten zwischen 150.000 und 200.000 Pfund. Ein Betrag, der für einen Edelstein dieser Größe, Reinheit und mit einer solchen Geschichte durchaus gerechtfertigt ist.

Zugegeben: Ein solcher Edelstein wird nicht jeden Tag versteigert. Umso verständlicher ist es, dass sowohl Sammler als auch Juwelenliebhaber und Investoren hellhörig sind und sich für den Stein interessieren. Die allgemeinen Fakten lassen bei jedem Kenner das Herz höher schlagen: Der Hope-Spinell weist insgesamt 50,13 Karat auf und ist octagonal geschliffen. Der Stein ist in eine silbern-goldene Brosche eingefasst. Aufgrund seiner Transparenz und Reinheit lässt sich der Edelstein eindeutig als Spinell identifizieren – aufgrund der Färbung werden rote Spinelle gerne mit Ruben verwechselt, diese sind allerdings unreiner und weniger transparent.

Doch sind es allein diese (natürlich unschlagbaren) Fakten, welche die Sammler anziehen und sie von dem Hope-Spinell überzeugen? Oder spielt auch die Geschichte ein Stück mit und bringt die Kaufinteressenten dazu, sich unbedingt in die Reihe der Besitzer angliedern zu wollen?

Das Beispiel zeigt: Einem Kunststück, oder in diesem Fall einem Juwel, das mit einer unverwechselbaren und spannenden Geschichte bestückt ist, wird Aufmerksamkeit geschenkt. Handelt es sich dabei weiterhin um eine Seltenheit, steigert sich die Aufmerksamkeit in unvorhersehbare Höhen und bringt die Interessenten auf Kurs. Die Geschichte des Hope-Spinells, der sich so lange in Besitz der Hope-Familie befand und dann Gegenstand eines Erbstreits wurde, ist ein Stück Vergangenheit. Dieses Stück Geschichte bringt das Gefühl von traditionellem Denken des 19. Jahrhunderts mit sich, von Besonderheit und von Einzigartigkeit – immerhin entstammt der Spinell der gleichen Region wie die britischen Kronjuwelen. Durch den Verkauf wird dieses Gefühl von Tradition auf den neuen Besitzer übertragen.

Damit verhält sich der Wunsch, ein geschichtsträchtiges Kunst- oder Schmuckstück zu besitzen, ähnlich wie die Sehnsucht von Literaturliebhabern, Erstausgaben zu besitzen oder ihre großen Vorbilder einmal persönlich kennenlernen zu dürfen. Was Johann Peter Eckermann uns mit seinen „Gesprächen mit Goethe“ vorlebt, der Wunsch, Teil eines größeren, historisch imposanten Systems zu werden und Einfluss auszuleben, ist Ende September bei Edelsteinliebhabern in England wieder beobachtbar.

Zu welchem Betrag der Hope-Spinell tatsächlich versteigert wird und wer der neue Besitzer sein wird, bleibt abzuwarten. Wir richten wie alle Edelsteinliebhaber am Tag der Versteigerung den Blick nach England und sind gespannt auf das Ergebnis.