31.08.2015

Urlaub zu kurz – Ruhestand zu lang

Kategorie(n): Allgemein, Rente

Wer seine Kollegen nach der Rückkehr aus dem Urlaub fragt, wie es war, bekommt oft die Antwort: „Zu kurz!“ Wenn das ein Zeichen für einen gelungenen Urlaub ist – fein, wenn es kein Bock auf den eigenen Job ist – blöd. Persönliche Anmerkung: Mein Urlaub hatte die richtige Länge, ich konnte gut abschalten und freue mich auf die Arbeit und die Kollegen. Morgen gibt es dann den Video-Wochenrückblick oder vielleicht gibt es auch einen kleinen Urlaubsrückblick.

Da der Ruhestand wie ein endloser Urlaub sein soll, scheint er für viele Menschen so attraktiv: Das könnte sich wie endloser Urlaub anfühlen. Aber dann müssen wir plötzlich lernen „…ohne Kollegen, Pflichten und Visitenkarten auszukommen.“ Wie die ZEIT in einer ihrer letzten Ausgaben schreibt. Titel „Der Fluch der frühen Rente“. Das habe ich im Urlaub mal in Ruhe gelesen. (Dementsprechend zerknittert ist die Zeitung).

Ruhestand hat tödliche Nebenwirkungen

Und die Voraussetzungen für die aktuelle Rentnergeneration sind besser denn je, sie haben mehr Geld, fühlen sich fitter und sind aktiver als alle Rentnergenerationen vor Ihnen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Obwohl es schwierig ist, der anderen Hälfte der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Denn kaum jemand traut sie sich auszusprechen bzw. zuzugeben, dass der lange ersehnte und ach so begehrenswerte Ruhestand gar nicht so toll ist. Der Journalist Wolfgang Prosinger sagt: „Wäre die Rente ein Medikament würde man Sie verbieten, wegen der Nebenwirkungen.“

Und die sind eindeutig nachgewiesen und zum Teil tödlich: In Österreich wurde Männern während einer Stahlkrise in bestimmten Regionen des Landes ein Ruhestand mit Anfang 50 ermöglicht. Da das Angebot nur in ausgewählten Regionen galt, konnten Vergleichsgruppen untersucht werden. Das Ergebnis ist krass: Mit jedem Jahr, dass ein Mann früher aufgehört hat, zu arbeiten, sank seine Wahrscheinlichkeit älter als 67 zu werden um 13%.

Ruhestand als Stressfaktor

Die Wissenschaft hat Ruhestand schon lange als Stressfaktor identifiziert. So gehört der Übergang in den Ruhestand zu den zehn größten Stressoren überhaupt. Da die Erwartungen hoch sind und sich kaum jemand Gedanken macht, wie er die „zusätzlichen 40 Stunden füllen will“, erleben vor allem Männer, dass sie langsam, aber unaufhaltsam in ein schwarzes Loch abgleiten. Vor allem dann, wenn sie durch ihren Beruf erfüllt und ausgelastet waren. Das kann schnell existenzielle Züge annehmen, denn viele Menschen definieren sich über ihre Visitenkarte. Daher kann es für Ruheständler sinnvoll und hilfreich sein, sich eine neue Aufgabe in Form von Hobby, Ehrenamt oder Enkelkindern zu suchen. Eine weitere demographische Herausforderung für die Menschen, die jetzt in Rente gehen: ca. ein Drittel hat keine Kinder. Dadurch fällt ein weiteres sinnstiftendes Element weg. Es bleibt also nicht nur die Aufgabe, den Ruhestand finanziell abzusichern, sondern auch die durch die längere Lebenserwartung gewonnen Jahre inhaltlich sinnvoll zu gestalten. Letzteres dürfte die noch größere Herausforderung sein.

 

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