25.08.2015

Kategorie(n): Kunstversicherung

Weltweit nutzen mittlerweile rund 300 Millionen Menschen Instagram, wovon über 4 Millionen aus Deutschland kommen. Doch obwohl Instagram eine Plattform zum Teilen von Fotos ist, sind nur sehr wenige der Nutzer aus dem Kunstbereich. Im Gegenteil, Künstler, Kuratoren und Kritiker sehen in der Seite eher einen Feind der Fotografie als Medium zum künstlerischen Ausdruck. Aber warum?

Zum einen ist da der wirtschaftliche Aspekt. Warum sollte jemand, der seinen Lebensunterhalt mit der Kunst der Fotografie verdient, seine Arbeiten kostenlos auf Instagram oder ähnlichen Plattformen ausstellen? Zudem sind im Netz zunehmend Reproduktionen verfügbar, welche zu einer zusätzlichen Entwertung des Originals führen und dessen Besonderheit und Einzigartigkeit in den Hintergrund stellen.

In Deutschland so scheint es, möchte der Großteil der Kunstwelt (noch) nichts mit diesem unprofessionellem Spaß- und Gratisangebot zu tun haben. Auch, weil Instagram und Co. im Vergleich zu herkömmlichen Ausstellungsformaten wesentlich schnelllebiger sind. Nicht alles sei dringlich, interessant und schon gar nicht zu jeder Zeit schrieb auch das neue Kunstmagazin „Blau“ der bekannten Zeitung „Welt“.

Doch es gibt durchaus Gegenstimmen. Der Miterfinder der New Color Photography in den USA, Stephen Shore, beispielsweise veröffentlicht regelmäßig Fotos mit allen möglichen Motiven auf Instagram. An dem Versuch, alle diese Werke zu verstehen, verzweifeln seine Follower jedoch mitunter. Doch muss man jedes gepostete Bild verstehen? Steckt denn immer etwas Tiefgründiges dahinter? Und ist jedes Bild unter dem der Name von einem Künstler steht zwangsläufig Kunst und muss es deshalb im hochpreisigen Segment gehandelt werden?

Auch in Deutschland gibt es aus den professionellen Kunstreihen durchaus Befürworter der Seite. Hans Obrist zum Beispiel, auch oft als einflussreichster Kurator gepriesen, sagt, Instagram sei inzwischen sein bedeutendstes Informationsmedium. Laut eigener Aussage nutze er die App mehrfach pro Stunde. Der Starkurator ist der deutschen Kunstbranche noch einen weiteren Schritt voraus. Künstlergespräche führt und Ausstellungen besucht er zunehmend über Periscope, eine App zum Video-Livestreaming.

Am Ende steht also die Frage, ob sich die deutsche Kunstwelt einen Gefallen tut, indem sie versucht Seiten wie Instagram auszuschließen. Oder ist es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis Künstler an diesem Medium nicht mehr vorbei kommen und sollten sie sich daher lieber früher als später dort positionieren?