20.07.2015

Kategorie(n): Aktuelles, Allgemein

der-spiegel-versichert-und-verratenDer Spiegel hat mal wieder das Thema Versicherungen auf den Titel gehoben. Das wird nicht nur Begeisterung in der Branche auslösen, denn der Tenor ist der übliche Spiegel-Negativ-Mix. Keine Überraschung, denn ein „positiv“ scheint es in der Welt der Spiegel-Redakteure nicht zu geben.

Auf den Artikel möchte ich eigentlich gar nicht näher eingehen (tue es aber später doch noch). Er ist journalistisch so dünn, der hat nicht viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Ein uninspiriertes Aneinanderreihen von Fällen, bei denen die Schadenabwicklung nicht funktioniert. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Diese Fälle gibt es und das ist absolut inakzeptabel, wenn es sich um systematische und gezielte Verschleppung handelt.

Aber man fragt sich trotzdem, was mit dem Spiegel los ist. In einer Woche in der Weltgeschichte live passiert – Stichwort Griechenland, Iran, Kuba – bringt das einst führende deutsche Nachrichtenmagazin, das diesen Anspruch immer noch hat und zusätzlich keine Angst vor der Wahrheit haben will – eine solche Allerweltsgeschichte. Ich glaube, Ihr habt Angst vor Auflagenverlust. Auflage ist auch eine Form von Wahrheit, vor der kann man bei entsprechend negativer Tendenz gerade als Printmagazin schon Mal Angst bekommen. Aber die Reaktion in Form einer solchen Titelgeschichte macht mir wiederum Angst.

Und damit wieder zurück zum Artikel und ein paar inhaltlich- journalistische Anmerkungen:

  • Die Fälle sind dramatisch und der Vorwurf der systematischen Verschleppung wird erhoben. Aber wo sind die Beweise? Wo sind die Kronzeugen, die eine eidesstattliche Versicherung abgeben, wo sind die Kopien von internen Dokumenten. Gibt es wirklich nicht mehr als die Behauptung, den Verdacht?
  • Wo sind die Stellungnahmen der Versicherer? Oder hat keiner was gesagt? Das sollte man dann schon erwähnen. Oder waren die Antworten plausibel und wurden deswegen besser ignoriert?
  • Ein paar Richter und ein paar Anwälte machen Seminare. Das gibt es in jeder Branche. Gut, es hat ein Geschmäckle wie der Schwabe sagt. Aber die launige Beschreibung innerhalb des Artikels ist einfach nur nett. Nicht mehr, nicht weniger. Keine harten Fakten, hat da jemand recherchiert – ich meine investigativ, über die paar Namen und Orte hinaus? es macht nicht den Eindruck.

Fazit: Als ich am Wochenende im Netz das Cover gesehen habe, habe ich mich auf eine intensive Auseinandersetzung gefreut. Und nun bin ich einfach enttäuscht, nicht mal mehr am SPIEGEL kann man sich reiben. Bin gespannt, ob von Allianz und R+V eine Reaktion kommt oder ob sie aufgrund der Schwäche des Gegners gleich darauf verzichten.

 

1 Kommentar

[…] Auch wenn es sicher immer mal wieder Fälle von Fehlverhalten bei den Versichern gibt, vermisst Oliver Mack vom Versicherungsmakler Hoesch & Partner doch Beweise dafür, dass es sich um systematische Verfehlungen handelt. Außerdem fragt er: „Wo sind die Stellungnahmen der Versicherer? Oder hat keiner was gesagt? Das sollte man dann schon erwähnen.“ Hoesch & Partner […]