03.07.2015

Kategorie(n): Aktuelles, Allgemein

Laut eines Berichts der Welt, kommen Experten der Allianz zu dem Schluss, dass der demographische Wandel beherrschbar sei. Eine eher ungewöhnliche Einschätzung, wenn es um die möglichen Auswirkungen der Demographie in Deutschland geht. Die meisten Fachleute zeichnen ein eher düsteres Bild. Also lohnt ein näherer Blick – sofern das bei einem noch unveröffentlichten Arbeitspapier möglich ist – wie diese Einschätzung zustande kommt.

Die Diagnose ist recht einfach: „ Mehr Frauen in Erwerbsarbeit und eine längere Lebensarbeitszeit könnten die erwartete Lücke von fünf bis sieben Millionen Arbeitskräften schließen und Wohlstandsverluste verhindern.“ Es könnte aufgrund der längeren Lebensarbeitszeit sogar zu zusätzlichem Wirtschaftswachstum kommen. Obwohl die rechtlichen Rahmenbedingungen eigentlich schon vorhanden sind, ist es trotzdem kein einfaches Unterfangen, da an bestimmten Stellen ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft notwendig ist und das kann ja bekanntlich lange dauern.

Während 78% der Männer im erwerbsfähigen Alter arbeiten, sind es bei Frauen nur 70%. Wenn diese Lücke geschlossen werden kann, dann entsteht zusätzliches Arbeitskräftepotenzial. Dazu müssen sich aber zwei Dinge ändern: Mehr Frauen müssen arbeiten wollen – und die Unternehmen müssen entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, was Teilzeit und flexible Arbeitszeiten anbetrifft. Auch das Thema Kinderbetreuung spielt hier eine entscheidende Rolle.

Genauso verhält es sich bei einer längeren Lebensarbeitszeit. Die Menschen müssen länger arbeiten wollen und die Unternehmen entsprechende Rahmenbedingungen bieten. Ob die Menschen das wollen, darf zumindest bezweifelt werden, wenn man zum Beispiel den Run auf die Rente mit 63, die auch und gerade unter diesen Gesichtspunkten eine politische Fehlplanung allererster Güte ist, in Betracht zieht. Auch hier können Teilzeitangebote und flexible Arbeitszeiten sicher helfen. Nach Einschätzung der Allianz-Experten könnte die Erwerbsquote der 65 – 69 Jährigen bis zum Jahr 2030 auf über 60% steigen – momentan liegt sie bei 11,2%.

Neben realistischen Prognosen ist es vor allem wichtig, dass das Thema demographischer Wandel auf der gesellschaftlichen und politischen Agenda bleibt bzw. dort eine größere Rolle spielt. Denn gerade bei einer positiven Prognose werden einige optimistische Annahmen getroffen, besonders was die Veränderungsbereitschaft der Menschen anbetrifft – das ist und bleibt eine große Herausforderung.