26.06.2015

150626_PKV-Niedrigzins[Ein Gastbeitrag von Sören Hildinger]

Sehr geehrte Damen und Herren,

„nutze die Talente, die Du hast. Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen“, hat der amerikanische Schriftsteller Henry van Dyke einmal gesagt. Schaut man sich die eine oder andere Wortmeldung in der aktuellen Presselandschaft einmal genau an, dann hat man allerdings den Eindruck, dass sich teilweise auch absolut talentfreie und völlig unbegabte Vögel dazu berufen fühlen, die Welt mit ihrem Gesang zu erfreuen.

So müssen wir dieser Tage lesen, dass „die aktuelle Zinssituation zu deutlichen Beitragssteigerungen in der PKV führen“ könne. Obwohl die Zinssituation natürlich grundsätzlich auch die PKV betrifft, bedürfen solche Aussagen aber doch einer gewissen Hintergrundinformation und Einordnung:

gastauthor-soeren-hildinger

Anpassung der Rechnungszinsen ist ein wichtiges Sicherheitsventil

Zunächst einmal ist für eine seriöse Gesamtbetrachtung wichtig, dass die Möglichkeit eines Krankenversicherers, den Rechnungszins den Gegebenheiten des Marktes anzupassen, ein überaus wichtiges Sicherheitsventil ist. Denn am Beispiel der Lebensversicherung kann man gut erkennen, was passiert, wenn dieses Sicherheitsventil fehlt: in der Vergangenheit zugesagte Rechnungszinsen (4,00 %!) müssen auch dann gezahlt werden, wenn die Versicherer am Markt deutlich weniger erwirtschaften. Auch wenn dieses – nicht zuletzt wegen der sehr langfristigen Kapitalanlage – bei keinem Lebensversicherer zu existenziellen Problemen führen wird, so leiden die Unternehmen doch massiv darunter. Zudem sind solche Situationen auch immer ein Einfallstor für (nicht immer erwünschte) Einflussnahmen der Politik, was sich aktuell am Thema der „Zinszusatzreserve“ zeigt.

In der Privaten Krankenversicherung hingegen sorgt die Möglichkeit, den Rechnungszins abzusenken dafür, dass die Unternehmen in solche Situationen gar nicht erst kommen. Natürlich ist der Preis für dieses Sicherheitsventil, dass die Versicherten im Falle einer Absenkung etwas mehr Beitrag bezahlen müssen. Wenn man sich allerdings die Diskussion über die Zukunft der Lebensversicherung angesichts der Niedrigzinsphase anschaut, dann ist dieser Preis das deutlich geringere Übel. Denn wenn die PKV (und wir im Vertrieb!) gerade in diesen Zeiten etwas nicht brauchen können, dann ist es eine öffentliche Debatte darüber, ob und wie lange die Krankenversicherer die Niedrigzinsphase noch durchhalten können und wann der Erste pleite ist. Solange ein Krankenversicherer den Rechnungszins anpassen kann (eben mit der Konsequenz einer Beitragserhöhung beim Kunden), kann und wird es diese Problematik und die öffentlich Diskussion darüber nicht geben. Auch diesen Aspekt sollte man beim Thema „Senkung der Rechnungszinsen“ immer berücksichtigen.

PKV hat Rechnungszinsen längst angepasst

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu wissen, dass die PKV die Rechnungszinsen schon längst an die Marktsituation angepasst hat. So wurden die Unisextarife bei fast allen Unternehmen von Anfang an nur noch mit 2,75 % (statt früher 3,5 %) gerechnet. Dieser Wert liegt sehr deutlich unter der laufenden Durchschnittsverzinsung, die die Krankenversicherer zur Zeit erzielen. Hier ist also noch eine Menge Luft drin, ein aktueller Anpassungsbedarf ist bei einem (solide wirtschaftenden) Versicherer nicht zu erwarten. Bei den Bisex-Tarifen ist das Verfahren etwas anders, da hier eine Absenkung der Rechnungszinsen nur dann erfolgen kann, wenn die Tarife ohnehin aufgrund der Kostenentwicklung angepasst werden müssen. Aber auch hier senken die Versicherer schon seit einiger Zeit (sobald möglich) die Rechnungszinsen sukzessive auf ein marktadäquates Niveau ab (SDK = 3,10 %). Dieses führt zwar zu kleineren Beitragssteigerungen, verhindert aber, dass sich ein großer Anpassungsbedarf anstaut, der sich eines Tages plötzlich in massiven Beitragssteigerungen entlädt. Wichtig ist also, dass wir gerade unseren Neukunden, die vielleicht durch den einen oder anderen Presseartikel etwas verunsichert sind, erklären können, dass speziell die Unisex-Tarife ohnehin schon „ab Werk“ mit sehr vorsichtigem Rechnungszins von 2,75 % (und nicht 3,50 %!) kalkuliert sind.

Gesetzliche Krankenversicherungen bilden überhaupt keine Alterungsrückstellungen

Fast schon Comedy-Charakter hat es allerdings, wenn ausgerechnet die GKV das Kapitaldeckungsverfahren (also Kalkulation mit zinsabhängiger Alterungsrückstellung) der PKV in Frage stellt. Das muss man sich mal vorstellen: ein System (GKV), das überhaupt keine Alterungsrückstellungen bildet, wirft einem anderen System (PKV), das mittlerweile über 200 Milliarden (!) Euro Rückstellungen angespart hat, Systemfehler vor. Da möge man doch erst mal vor eigenen Haustür kehren, denkt sich der erstaunte Beobachter. An Baustellen mangelt es dem gesetzlichen System schließlich nicht. Und wer dann noch mit seinem eigenen System auf die permanente Unterstützung anderer angewiesen ist, sollte seine Worte besonders gewissenhaft abwägen: So muss die GKV allein im Jahre 2015 mit fast 12 Milliarden Euro an Steuerzuschüssen unterstützt werden. Geld, das auch aus den Steuermitteln von PKV-Versicherten gezahlt wird – und damit genau jenen, die von der GKV gerne als Teil eines unsolidarischen Systems dargestellt werden. Die Frage, was mit der GKV passieren würde, wenn der Staat diese 12 Milliarden Euro streichen würde, wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter thematisieren. Trotzdem kann man sich ja im stillen Kämmerlein mal seine Gedanken darüber machen oder auch einfach mal mit seinen Kunden darüber sprechen.

Das Umlageverfahren ist ein klassischer Systemfehler

Beim Kehren vor der eigenen Haustür wäre dann auch ein Blick auf das Umlageverfahren der GKV angeraten. Das Umlageverfahren arbeitet ohne Rückstellungen und basiert quasi auf der Hoffnung, dass der zukünftigen Rentnergeneration eine ausreichende Zahl an Erwerbstätigen gegenübersteht. Wo die PKV-Versicherten im Rentenalter also über einen stattlichen Kapitalstock verfügen, müssen sich GKV-Versicherte darauf verlassen, dass ein plötzlicher Babyboom alle demographischen Probleme wegspült. Da ein solcher aber wohl auf längere Zeit nicht zu erwarten ist (die Geburtenrate sinkt bekanntlich seit Jahren), muss man sich in der GKV ernsthaft die Frage stellen, wer denn eigentlich in 30 Jahren die Gesundheitskosten der zukünftigen Rentnergeneration bezahlen soll. Auch über dieses Thema kann man sicherlich mit seinen Kunden sprechen, wenn es um die Frage „Gesetzlich oder Privat“ geht.

Beitragsberechnung in der GKV nach dem Einkommen ist keine solide Kalkulationsgrundlage

Auch die Beitragsberechnung in der GKV nach dem Einkommen („wer viel verdient, zahlt viel; wer wenig verdient, zahlt wenig“) mag sicherlich sozial sein, scheitert aber in der Praxis schon im Ansatz: Denn das persönliche Risiko (Alter, Gesundheitszustand) und damit in letzter Konsequenz auch die Leistungsinanspruchnahme hat überhaupt nichts mit dem Einkommen zu tun. Würde man dieser Logik konsequent folgen, dann könnte man in der GKV die Beiträge auch nach der Anzahl der Sonnenstunden im Sommer und der Schneehöhe im Winter festlegen. Eine solide Kalkulationsgrundlage ist das sicherlich nicht – und da darf man seinem GKV-affinen Kunden durchaus die Frage stellen, ob er einem solchen System seine Gesundheit für die nächsten Jahrzehnte anvertrauen möchte.

Fazit: Private Krankenversicherer können mit der Niedrigzinsphase systembedingt gut umgehen

Im Fazit ist für uns im Vertrieb wichtig, dass wir gegenüber unseren Kunden sprachfähig sind. Wir müssen ihnen helfen, gewisse Schlagzeilen einzuordnen und objektiv zu bewerten. Wir müssen ihnen aufzeigen, dass Pressemeldungen wie „Beitragshammer“ und „deutliche Sprünge“ nichts mit der Realität zu tun haben. Die PKV kann systembedingt auch mit einer lang anhaltenden Niedrigzinsphase gut umgehen, und zwar deutlich besser als ein Lebensversicherer. Wenn Sie diese Argumente von der nachhaltigen Finanzierung einer PKV im Alter überzeugen konnte und Sie mehr dazu erfahren möchten, helfen Ihnen die Consultants von Hoesch & Partner unter 069/71707540 gerne weiter.

P.S. Kennen Sie schon unseren neuen Vorsorgetarif, den BKV-Film und unsere weiteren Firmenprodukte? sdk.de/firmenkunden