05.06.2015

Kategorie(n): Bücher, Buchvorstellung

 

Am vergangenen Mittwoch bin ich in einem Buchladen über ein Buch mit dem Titel „Zivilisierte Verachtung“, Untertitel: „Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit“ gestoßen. Geschrieben hat es der Psychologe und Philosoph Carlo Strenger. Was hat das nun mit Versicherungen zu tun? Mal sehen, ob ich was finde, aber ich nehme mir mal die Freiheit, darüber zu schreiben und schere mich nicht so sehr um den Bezug. Wobei es nicht so schwer ist, denn auch und gerade das Fachgebiet Versicherungen wird stark politisiert und damit ist natürlich auch political correctness ein Thema.

Stegner vertritt die These, dass „die Freiheit nie sicher ist“. Der moderne Mensch des Westens ist jedoch kaum mehr in der Lage, „diese Freiheit, die ein elementarer Teil seiner Lebensform ist, argumentativ zu verteidigen“. Als Urache hierfür identifiziert er den „weit verbreiteten Glauben, die politische Korrektheit garantiere das harmonische Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen“. Das habe sich allerdings „als Illusion erwiesen“. Und es ist ja zwischenzeitlich auf allen Ebenen so: in großen politischen Zusammenhängen – wenn über die Multikultigesellschaft diskutiert wird – als auch in kleinen, praktischen Fragen – wie der Einführung von Unisex-Tarifen in der Versicherungswirtschaft – bestimmte Fragen können kaum mehr gestellt, bestimmte Thesen kaum noch gestellt werden.

Bleiben wir beim Beispiel Unisex-Tarife. Die haben wir nun ein paar Jahre, die Einführung war relativ geräuschlos. Wer wollte sich da schon trauen nach Sinn und Unsinn zu Fragen – unterschiedliche Lebenserwartungen der Geschlechter sind ja kein patriarchalisches Denk-Konstrukt, sondern schlicht statistische Realität. Aber niemand – auch ich nicht – möchte natürlich in die ewiggestrige, frauenfeindliche Macho-Ecke einsortiert werden. Aber kann man dann diese Frage noch stellen. Oder die Frage, was die Einführung der Unisex-Tarife jetzt tatsächlich gebracht hat. Vielleicht nur, dass die meisten Tarife insgesamt teurer geworden sind. Traut sich das jemand zu untersuchen? Allein diese Zeilen zeigen, dass zumindest in meiner Wahrnehmung diese Dinge anzusprechen, nicht ganz ungefährlich werden könnte (bewusster Konjunktiv).

Auch dafür, dass es so ist, wie es ist mit der Diskussionskultur unter den Rahmenbedingungen der political correctness, hat Carlo Strenger eine Erklärung: „[…], dass mit dem Insistieren auf der politischen Korrektheit ein fundamentales Prinzip der Aufklärung über Bord geworfen wurde, nämlich dass nichts und niemand über Kritik erhaben sein darf. Die Ideologie der politischen Korrektheit stellt, […], eine groteske Verzerrung des aufklärerischen Toleranzprinzips dar“.

Nun darf sich jeder der Aufgabe stellen, darüber nachzudenken, wie sehr ihn dieses Denken beeinflusst. Um diese Ideen zu vertiefen, kann ich nur die komplette Lektüre der knapp 100 Seiten, die in der edition suhrkamp erschienen sind, empfehlen. Selten habe ich zehn Euro so gut investiert.

 

2 Gedanken zu „Zivilisierte Verachtung als Alternative zur Political Correctness“

  1. Apfelwein sagt:

    Dankeschön – ist gekauft.

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