27.05.2015

[Ein Gastbeitrag von Sören Hildinger]

„Mehr Licht“, soll Johann Wolfgang von Goethe auf dem Sterbebett gerufen haben. „Mehr Licht“ möchte man gerne auch jenen Mitbürgern zurufen, die die Bürgerversicherung noch immer für wünschenswert und sinnvoll erachten. Denn obwohl die Idee der Bürgerversicherung spätestens seit der letzten Bundestagswahl gesellschaftspolitisch faktisch tot ist – nicht einmal die Gewerkschaften konnten sich mehr dafür erwärmen – gibt es gerade in den Parteizentralen der üblichen Verdächtigen noch den einen oder anderen, der darauf hofft, dass der Sozialismus zumindest in Form einer Bürgerversicherung endlich an die Tür der Bundesrepublik Deutschland klopfen möge.

Eine Bürgerversicherung würde dem gesamten Gesundheitssystem schaden – auch den GKV-Versicherten

„Möge dieser Kelch auch bei der nächsten Bundestagswahl 2017 an unserem Lande vorbeigehen“, mag man sich da so als verantwortungsvoller Bürger denken. Denn was viele Menschen nicht wissen ist, dass eine Bürgerversicherung in letzter Konsequenz eine deutliche Verschlechterung der medizinischen Versorgung für alle Bürger in Deutschland bedeuten würde. Betroffen wären also keineswegs nur die (vergleichsweise wenigen) PKV-Versicherten, sondern auch die große Mehrheit der GKV-Versicherten. Grund hierfür ist, dass die Ärzte bei den privat Versicherten in der Regel deutlich mehr abrechnen als bei einem vergleichbaren gesetzlich Versicherten. In vielen Fällen kommt so das Doppelte bis Dreifache an Rechnungsbetrag zusammen – und in der Summe aller privaten Behandlungen steht dann ein Mehrumsatz von fast 12 Milliarden Euro alleine im Jahre 2013. Anders herum gesagt – wären die behandelten Privatpatienten in der GKV (oder der Bürgerversicherung!) gewesen, dann würden dem Gesundheitssystem eben diese knapp 12 Milliarden Euro fehlen.

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Das Gesundheitswesen sind Krankenhäuser, Ärzte und Apotheken – und alle müssten ihre Standards senken

Nun ist der Begriff des „Gesundheitswesens“ sicherlich ein wenig abstrakt. Wer oder was ist eigentlich das Gesundheitswesen? Das Gesundheitswesen sind im Prinzip alle medizinischen Leistungserbringer, also vor allem Krankenhäuser, Ärzte, Zahnärzte, Apotheken und Physiotherapeuten. Das sind genau diejenigen, denen diese 12 Milliarden Euro dann fehlen würden. Knapp die Hälfte dieser 12 Milliarden wären es alleine bei den ambulanten Ärzten, ein weiteres Viertel bei den Zahnärzten. Die Folgen wären gravierend für uns alle: Viele Arztpraxen könnten nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, sie würden nur noch an einzelnen Tagen in der Woche arbeiten oder müssten ganz schließen. Vielleicht würden sich auch drei Arztpraxen zu einer zusammenschließen. Es würde nicht lange dauern, dann hätte man vielleicht auch in Großstädten wie Stuttgart, München, Berlin oder Hamburg eine Ärztedichte wie in der Uckermark oder dem Schwarzwald. Wer sich heute über lange Wartezeiten beim Arzt ärgert, der würde sich richtig wundern, wie die Welt in einer Bürgerversicherung aussehen würde. Auch der medizinische Fortschritt würde deutlich leiden – entgegen landläufiger Ansichten investieren die Ärzte ihren Gewinn nämlich nicht primär in den Porsche für die Ehefrau oder das schicke Appartement für den studierenden Sohn, sondern in die technische und personelle Ausstattung ihrer Praxis.

Qualität unseres Gesundheitswesens ist hervorragend…

Die Qualität in unserem Gesundheitswesen ist für uns alle völlig selbstverständlich – und mittlerweile vielleicht auch zu selbstverständlich. Niemand macht sich mehr Gedanken, weil seine Apotheke auch noch so ausgefallene oder seltene Medikamente innerhalb von vier Stunden besorgen kann. Niemand denkt mehr darüber nach, welch Luxus es (gerade im Vergleich mit anderen Ländern) ist, dass ein Notarzt – notfalls per Rettungshubschrauber – meistens binnen einer Viertelstunde beim Patienten ist. Und zwar nicht nur in der Großstadt, sondern auch auf dem Land. Niemandem fällt mehr auf, auf welch hohem medizinischen Niveau jeder Mensch in Deutschland (auch jeder GKV-Versicherte!) behandelt wird.

… dank der privaten Krankenversicherung

All diese Dinge sind aber nur deshalb vorhanden, weil dem Gesundheitswesen genug Geld zur Verfügung steht. Geld, das wenn es nur noch GKV-Versicherte gäbe (also in einer Bürgerversicherung), nicht mehr ausreichen würde, um den bisherigen Standard zu halten. Die Private Krankenversicherung (und damit alle, die dort versichert sind), tragen letztlich genau jene 12 Milliarden Euro zusätzlich in unser Gesundheitssystem, die seine Qualität und seinen Standard ausmachen. Die PKV ist nicht unsolidarisch, sondern ganz im Gegenteil: ohne sie gäbe es unser Gesundheitssystem mit seinen heutigen Standards definitiv nicht. Und über genau diese Dinge müssen wir mit unseren Kunden sprechen. Nicht erst im Wahljahr 2017, sondern schon heute. Wer die Hand an die Private Krankenversicherung legen möchte, dem müssen wir schon heute unsere Antwort zurufen: „Nein, niemals!“.

Wer einen Wechsel in die private Krankenversicherung prüfen möchte, kann das mit Hilfe einer Beratung bei Hoesch & Partner tun. Vereinbaren Sie einfach online oder telefonisch (069 – 71 70 7 – 540) einen entsprechenden Termin.

 

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