19.05.2015

Man kann ja von der Springer-Presse denken, was man will, aber eine Sache können sie: Schlagzeilen machen. So in der Mittwochsausgabe der Welt ist die Headline auf dem Titel »Vergreisung kostet Deutschland Billionen«, Billionen ist die Zahl mit 12 (in Worten: zwölf) Nullen.

Nach dem Alterungsbericht der EU wird kaum ein Land so stark von den Kosten der Alterung betroffen sein wie Deutschland. Die Mehrbelastung verteilt sich auf Rente, Gesundheit und Pflege. Der Beitragssatz zur Gesetzlichen Rentenversicherung wird bis 2060 auf 23,8% steigen. Im Jahr 2030 werden aus 520 Mrd. schon 650 Mrd. Euro jährliche Kosten werden, 2060 sind es dann über 1000 Mrd. Pro Jahr, macht also schlappe 500 Mrd. oder eine halbe Billion Mehrkosten pro Jahr.

Und was macht die Politik? Alle paar Jahre einen Demographiegipfel und natürlich gibt es eine Demographiestrategie – aber Papier ist geduldig. Man sieht es relativ gelassen, obwohl die genannten Zahlen auch für die geübten Milliardenjongleure in der Politik durchaus hoch sein sollten.

Was richtig bedenklich ist: Die EU geht in ihrem Bericht von optimistischen Annahmen aus. Steigende Geburtenraten, sinkende medizinische Inflation, keine weiteren Wahlgeschenke wie die Rente mit 63. Welche Zahlen rauskommen, wenn sich diese optimistischen Zahlen nicht bewahrheiten, das wagt wahrscheinlich niemand auszurechnen.

Es ist und bleibt das Dilemma mit der demographischen Entwicklung: Sie passiert schleichend und man muss in Zeiträumen denken, die Wahlperioden sowieso, aber auch Amtszeiten von Kanzlern deutlich übersteigen. Dazu kommt die aktuell robuste Verfassung der deutschen Wirtschaft, die sprudelnde Steuereinnahmen und hohe Sozialbeiträge zur Folge hat. Das alles ist wenig förderlich, dass die notwendigen Maßnahmen getroffen werden. Langsam und unvermeidlich wird die Zeit doch knapp.

 

Ein Gedanke zu „Demographie: »Vergreisung kostet Deutschland Billionen«“

  1. Lizenz zum Geld drucken sagt:

    Seit langem wissen die da oben was los ist, doch um das Problem in den Griff zu bekommen muss man harte Reformen erbringen. Das bedeutet wer als Politiker sowas vorschlagen würde,verliert doch sofort seine Wählerstimmen und seine Macht. Das will doch keiner von den Herrn Politikern. Somit schleicht der Demographiewandel leise immer weiter voran und wird die nächsten Generationen voll erwischen.

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