09.04.2015

Kategorie(n): Aktuelles, Allgemein

150409_01Schicksal_Sicherheit_Versicherungen

Ich habe bisher keine Silbe zum Absturz des Germanwings Airbus in den französischen Alpen geschrieben. In den ersten Tagen nach dem Absturz habe ich schlicht nichts geschrieben, weil der Respekt vor den Opfern und Ihren Angehörigen jegliche Instrumentalisierung für einen bestimmten Zweck verbieten. Dass das nicht immer gelingt und wie schäbig und beschämend die Ergebnisse sein können, lässt sich zum Beispiel anhand von Michelle Bachmann, die Präsident Obama wegen der Atomverhandlungen mit dem Iran mit dem Piloten der Germanwing-Maschine verglich, oder an einem EMMA-Artikel, der eine Frauenquote im Cockpit fordert, begutachten.

Trotzdem beschäftigt mich das Thema und nachdem ich am Gründonnerstag (02.04.2015) einen vorzüglichen Artikel von Tim Schleider in der Stuttgarter Zeitung dazu gelesen habe, traue ich mich heute, einige Zeilen in diesem Kontext zu verfassen. Und natürlich tue ich es im thematischen Kontext dieses Blogs und meines Lebens – beides bringt es mit sich, dass es dabei um Sicherheit und Versicherung geht.

Schleiders Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie die Gesellschaft mit dem Wunsch nach absoluter Sicherheit und mit der möglichen Unerfüllbarkeit desselben umgeht. Dabei weist er zurecht darauf hin, dass es vielleicht auch noch viel zu früh für diese Frage und erst recht für mögliche Antworten ist, da wir nach seiner Einschätzung noch am Anfang eines laufenden Verfahrens stehen. Dennoch ist es eine Frage, die die Menschen schon immer beschäftigt, deshalb kann man sich auch zu diesem Zeitpunkt daran wagen.

Tim Schleider stellt die These in den Raum, dass es nicht möglich war, dieses Unglück zu verhindern, weil es auf individuellem Verhalten beruht und einer Verkettung unglücklicher Umstände. Demzufolge lässt sich die Frage nach dem »warum« nicht beantworten. Seit der Aufklärung verfolgt der Mensch die Idee, dass er sein Leben individuell in seiner Hand hat und die Menschheit ihr Geschick im großen Ganzen ebenfalls selbst bestimmen kann. Diese Überzeugung wird durch solch ein Unglück, das erst einmal nur hingenommen werden kann, grundsätzlich in Frage gestellt. Deshalb ist die Schreck und die Empörung so groß. Und war es auch schon zu Beginn der Aufklärung als sich Voltaire bis aufs äußerste über das Erdbeben in Lissabon im Jahr 1755 empörte.

Der Reflex ist heute gleichermaßen einfach wie kompliziert. Einfach, weil natürlich gefordert wird, dass alles menschenmögliche getan wird, um die Sicherheit zu erhöhen. Kompliziert, weil mit einer fast schon naiven Selbstverständlichkeit Dinge gefordert werden – wie zum Beispiel die Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht -, die einen hohen Wert haben und trotz aller verständlichen Sicherheitsbestrebungen nicht einfach preisgegeben werden dürfen. Es bleibt das Fazit, dass es absolute Sicherheit nicht geben wird. Das gilt bei der Terrorabwehr genauso wie bei individuellen Entscheidungen eines einzelnen Menschen, der in einer verantwortlichen Position ist, in der ihm Menschenleben anvertraut sind.

Und so ist es auch bei Versicherungen. Das Ziel ist es, die allgemeine und individuelle Sicherheit zu erhöhen. Das geht auch durch Risikomanagement, aber eben auch nur bis zu einem gewissen Grad. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Risikolebensversicherung erhöhen die Sicherheit des Einzelnen oder seiner Familie. Aber auch die beste Absicherung kann Unfälle, Krankheiten oder gar den Tod nicht ausschalten. Die Absicherung kann nur helfen, die Folgen eines Unglücks besser zu bewältigen, verhindern oder vermeiden kann sie es im Fall der Fälle nicht. Das sind die natürlichen Grenzen des menschlichen Seins, die Bereiche, in der der Mensch sein Leben doch nicht bis zum letzten in der Hand hat.

Tim Schleider endet seinen Artikel mit einem bemerkenswerten Gedanken, den ich hier zitieren möchte: »Der Tod kann in mancher Weise Herrschaft ausüben über das Leben. Im Streben nach absoluter, alles beruhigender Sicherheit tut er es auf besonders subtile Weise. Es gibt Probleme, die können wir mit guten Ergebnissen lösen. Und es gibt andere.«

 

Ein Gedanke zu „Schicksal, Sicherheit und Versicherungen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.