24.04.2015

Kategorie(n): Aktuelles, Allgemein

Fields and meadows of Germany.

Ich liebe gute Spiele Nachrichten, kurz vor dem Wochenende sowieso. Aber heute gibt es am Freitag mal richtig „food for thought“. Zugegebenermaßen ist es im besten Falle Schwarzbrot, vielleicht sogar eher bittere Medizin, in jedem Fall kein prickelndes Brausepulver. Die „Welt“ veröffentlichte diese Woche einen Artikel mit der Überschrift „Schrumpft sich Deutschland arm und krank?“ Hier ein paar Fakten.

  • Aufgrund der seit Jahren sehr niedrigen Geburten-Rate leben in Deutschland so wenige Kinder wie in keinem anderen Land der Welt, wenn man die Anzahl der Kinder ins Verhältnis zur Gesamteinwohnerzahl setzt.
  • Das trifft die Sozialsysteme: Immer weniger Arbeitende müssen immer mehr Rentner finanzieren.
  • Das trifft die Unternehmen: Ihnen droht, dass der Nachwuchs auszuget.

Was also tun? Familienpolitik ist ein gerne genommenes Schlagwort. Aber dass wir uns schwer damit tun, zeigt die Diskussion über eim vier Euro höheres mehr Kindergeld. Wir brauchen hier eine ideologiefreie Diskussion, das ist aber schwer unter folgenden Vorzeichen:

  • Nach dem Krieg war Familienpolitik tabu, da hier eine starke ideologische Belastung und ein Missbrauch durch die Nazis vorlag.
  • Ab Ende der sechziger Jahre ging es gesellschaftlich mehr um Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung der Frau, da galt eine Familienpolitik, die auf mehr Kinder abzielt als reaktionär.
  • Heute geht es vor allem um Vereinbarkeit von Familie und Beruf und um die Erwerbsquote der Mütter. Die ist gestiegen, die Babypausen werden kürzer. Mehr Kinder gibt es trotzdem nicht.

Ob sich die Geburtenrate in Deutschland nochmal steigern lässt, ist unter Experten umstritten. Wir haben uns an ein Leben mit wenigen Kindern gewöhnt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird wieder als netter Wunsch von Politikern mit einer praktischen Unmöglichkeit in Frage gestellt und Großfamilien, die z.B. in Frankreich oder USA sehr angesehen sind, gelten hierzulande schnell als asozial.

Obwohl in Deutschland nicht wenig Geld für die Förderung von Kindern und Familien ausgegeben wird, verharrt die Geburtenrate sowohl historisch als auch im internationalen Vergleich auf niedrigstem Niveau. Und was nach Expertenmeinung vielleicht noch schlimmer ist: Nicht nur, dass die Gesellschaft altert, auch ihre Zusammensetzung wird immer problematischer. Das wird im Weltartikel auf den Punkt zusammen gefasst: „Der Chef des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Norbert Schneider, hält den Blick auf die Geburtenrate ohnehin für zu eng. Es komme nicht allein darauf an, ob die Gesellschaft wachse oder schrumpfe, sondern auch auf ihre Zusammensetzung. Deutschland könne es sich deshalb nicht länger leisten, dass ein erheblicher Teil der nachwachsenden Generation ohne Berufs- oder Ausbildungsabschluss dastehe, mahnt Schneider: „Darin besteht möglicherweise ein größeres Problem als in der Dynamik der Schrumpfung.‘“

Trotzdem ein schönes Wochenende.

 

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