25.02.2015

Kategorie(n): Beratende Berufe

Mobbing-Handlungen stellen eine Missachtung der Würde eines Mitarbeiters dar, dem von den Mobbing-Tätern signalisiert wird, dass er nicht respektiert wird. Mobbing-Aktionen werden als unethisch, aggressiv, destruktiv und feindselig empfunden. Im engeren Sinn zielt Mobbing auf das Hinausdrängen eines Betroffenen aus dem Betrieb, indem ein mit Erniedrigungen verbundener Psychoterror ausgeübt wird.

Mobbing: Andauernde seelische Verletzungen

Unter den Mobbing-Begriff fallen nicht bereits vereinzelte Handlungen oder Auseinandersetzungen in Stress-Situationen, sondern nur solche aggressiven Verhaltensmuster, die systematisch ausgeübt und ständig wiederholt werden: Mobbing am Arbeitsplatz liegt erst dann vor, wenn Mitarbeiter eines Unternehmens über einen größeren Zeitraum hinweg durch feindselige Handlungen regelmäßig schikaniert, gequält und seelisch verletzt werden.

Ungleiche Machtverhältnisse

Mobbing findet stets unter ungleichen Machtverhältnissen statt: Die unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten auf eine Situation ergeben sich entweder aus der Überlegenheit eines einzelnen Kollegen, der höheren Anzahl der angreifenden Personen oder durch einen Rangunterschied zwischen einem Vorgesetztem und einem unterstellten Mitarbeiter. Bei einem andauernden Mobbing-Geschehen fällt es dem Opfer daher immer schwerer, sich zu verteidigen.

MOBBING AM ARBEITSPLATZ ALS WEIT VERBREITETES PHÄNOMEN

Mobbing am Arbeitsplatz stellt ein weit verbreitetes Phönomen dar. Eine repräsentative Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (http://www.baua.de/cae/servlet/contentblob/682700/publicationFile/46973/Fb951.pdf) ergab, dass

  • 2,7 Prozent aller Erwerbstätigen am Arbeitsplatz über längere Zeiträume hinweg schikaniert, benachteiligt oder ausgegrenzt werden und
  • 11,3 Prozent in ihrem Berufsleben schon einmal von Mobbing betroffen waren.
  • In mehr als der Hälfte aller Mobbing-Fälle befinden sich Vorgesetzte auf der Täter-Seite.

Risikogruppen

Von Mobbing sind Mitarbeiter unabhängig von der Betriebsgröße betroffen. Allerdings unterliegen bestimmte Mitarbeitergruppen einem erhöhten Mobbing-Risiko:

  • Frauen werden 75 Prozent häufiger als Männer gemobbt.
  • Der Anteil der Opfer von Mobbing-Angriffen liegt bei über 54-Jährigen (2,9 Prozent) sowie bei unter 25-Jährigen (3,9 Prozent) erkennbar über dem für alle Mitarbeiter ermittelten Durchschnittswert von 2,7 Prozent.
  • Einem deutlich erhöhten Mobbing-Risiko unterliegen die Angehörigen sozialer Berufe sowie Vertriebsmitarbeiter. In welchen Problemfeldern macht sich Mobbing am Arbeitsplatz bemerkbar?

MOBBING BEZIEHT SICH VORRANGIG AUF BESTIMMTE HANDLUNGSBEREICHE UND THEMENGEBIETE:

Kommunikation

Mobbing in der Kommunikation zeigt sich durch Verweigerung von Kontakten und durch demonstratives Meiden des Mobbing-Opfers, das von den Aggressoren “wie Luft” behandelt wird. Die grundlegenden Regeln von Fairness und Anstand werden häufig verletzt.

Sozialer Status

Durch gezieltes Streuen von Gerüchten entsteht im sozialen Umfeld – unbemerkt vom Betroffenen – ein negatives Bild über das Mobbing-Opfer, das sich später kaum noch korrigieren lässt. Die Folge ist eine zunehmende Ausgrenzung und Isolierung des Opfers.

Fachkompetenz

Die Mobbing-Täter bemühen sich um eine Demontage des fachlichen Ansehens des Betroffenen. Akribisch werden mögliche Schwachstellen untersucht, um Fehler zu entdecken und das Mobbing-Opfer “anzuschwärzen”.

Arbeitsbedingungen

Um Druck auf die Arbeitszufriedenheit des Betroffenen auszuüben, erhält das Mobbing-Opfer möglichst unangenehme Aufgaben. Auch die Zuweisung wenig vorteilhafter Arbeitsorte und Arbeitszeiten trägt zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bei.

KLASSISCHE MOBBING-HANDLUNGEN

Zu den typischen Mobbing-Handlungen gehören insbesondere

  • Beschimpfungen, Beleidigungen und Anschreien,
  • soziale Isolation (einschließlich des Vorenthaltens von Informationen),
  • das Zuweisen sinnloser Tätigkeiten,
  • die fortlaufende Kritik an den Arbeitsergebnissen,
  • das Verbreiten falscher Behauptungen und
  • die Androhung und Ausübung physischer Gewalt.

WELCHE FOLGEN HAT EINE LANGANHALTENDE MOBBING-ATTACKE?

Bei fehlender sozialer und fachlicher Anerkennung und zugleich ununterbrochenen Schikanen und Anfeindungen wird das Arbeitsumfeld allmählich zu einer unerträglichen Belastung für das Mobbing-Opfer. Kaum einem Betroffenen ist ein Standhalten auf Dauer möglich, ohne Gesundheitsschäden zu erleiden.

  • Am Beginn eines Mobbing-Prozesses steht gewöhnlich ein ungelöster Konflikt. Auf erste Schuldzuweisungen reagiert der Betroffene mit Stressymptomen, bemüht sich aber um eine Anpassung seines Verhaltens und unterbreitet Versöhnungsangebote.
  • Vor dem Hintergrund des weiter schwelenden Grundkonfliktes beginnt der Aggressor mit der Ausübung von Psychoterror. Schikanen lösen beim Opfer Selbstzweifel und Angst aus.
  • Die Verunsicherung des Mobbing-Opfers führt zu einer Häufung von Fehlern, die die Grundlage für arbeitsrechtliche Sanktionen (z. B. Ermahnungen und Abmahnungen) bilden. Der Betroffene wechselt in die innere Kündigung. Möglicherweise entwickeln sich Erschöpfungszustände und ein Burn-out.
  • Das von seinem sozialen Umfeld isolierte Mobbing-Opfer wird zunehmend misstrauisch und verzweifelt. Häufig treten psychosomatische Erkrankungen auf. Anlässlich ärztlicher Untersuchungen, bei denen der Mobbing-Hintergrund nicht erkannt wird, werden Fehldiagnosen gestellt. Juristische Abwehrversuche, die das Opfer unternimmt, sind häufig nicht erfolgreich.
  • Das Mobbing endet oft mit der Kündigung durch das Opfer oder durch den Arbeitgeber. Depressionen oder ein posttraumatisches Stress-Syndrom enden mit einer längerfristigen Krankschreibung oder mit einer Frühverrentung. Nicht selten kommt es zum Suizid.

RECHTSGRUNDSÄTZE ZUM MOBBING AM ARBEITSPLATZ

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in zwei Urteilen einige Rechtsgrundsätze zu Mobbing-Handlungen entwickelt (Az. 8 AZR 347/07 vom 24.04.2008; Az. 8 AZR 593/06 vom 25.10.2007):

  • Arbeitgeber sind schadensersatzpflichtig für alle Schäden, die der von Mobbing betroffene Arbeitnehmer durch eine schuldhafte Verletzung seitens des Arbeitgebers erleidet.
  • Mobbing liegt vor, wenn die Gesamtschau einzelner Verhaltensweisen das Allgemeine Persönlichkeitsrecht, insbesondere die Gesundheit oder die Ehre des Betroffenen schwer verletzt werden.
  • Das BAG setzt die Definition für “Belästigung”, die in § 3 Absatz 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) enthalten ist, mit “Mobbing” gleich – auch dann, wenn die in § 1 AGG genannten Benachteiligungsgründe (u. a. Benachteiligung aufgrund von Rasse, Weltanschauung, Geschlecht oder Alter) nicht einschlägig sind. Alle Mobbingfälle können nach der BAG-Rechtsprechung daher entsprechend den Grundsätzen des AGG beurteilt werden.
  • Nach § 22 AGG muss der Arbeitnehmer lediglich das Vorliegen von Indizien beweisen, die eine Benachteiligung vermuten lassen. Daraufhin wechselt die Beweislast auf den Arbeitgeber, der nun das Nichtvorliegen einer Diskriminierung nachzuweisen hat.
  • Mobbing-Vorwürfe müssen genau dokumentiert werden – unter Angabe von Uhrzeit und Datum, mit einer Sachverhaltsschilderung und unter Benennung der Beteiligten.
  • Die Beurteilung eines Mobbing-Falls erfolgt immer unter Berücksichtigung der Besonderheiten des konkreten Einzelfalls.