09.01.2015

Die Versicherungsbranche schätzt den jährlichen Schaden durch Versicherungsbetrug auf ca. vier Milliarden Euro. Das sind immerhin laut eines Artikels der „Welt“ ca. 6% der gesamten Schadenzahlungen. Eine Menge Holz. Das Traurige: In vielen Fällen liegt der Betrugsverdacht nahe, aber er kann nicht bewiesen werden. Oder wie soll man es bewerten, wenn vor der Fußball-WM plötzlich unzählige Fernseher Schaden nehmen oder nach der Vorstellung eines neuen iPhones bei Vorgängermodellen die Häufigkeit von Totalschäden sprunghaft ansteigt.

Die Versicherungen kämpfen mit einem gemeinsamen Meldesystem gegen die Betrüger an, um Wiederholungstäter aufzuspüren oder zu erkennen, wenn ein Fernseher, der tatsächlich kaputt gegangen ist, mit der gleichen Gerätenummer bei zwei Versicherungen geltend gemacht werden soll.
Interessant ist natürlich auch die Frage, wer denn eigentlich mit welchen Motiven Versicherungsbetrug begeht. Hier eine kleine Tätertypologie:

Der Kriminelle: Natürlich gibt es gerade im Kfz-Bereich Menschen, die den Versicherungsbetrug sozusagen gewerbsmäßig betreiben. Da werden dann bewusst Unfälle mit alten Autos provoziert. Im Idealfall – aus Sicht des Kriminellen – zahlt dann die Versicherung des Gegners nach Gutachten und der Schaden wird nur notdürftig oder gar nicht repariert. Oder ein Totalschaden-Ferrari wird im Ausland angemeldet – die Papiere sind ja noch da – und kurze Zeit später als gestohlen gemeldet.

Der Gelegenheit-Macht-Betrüger: Da fällt einem das eigene iPhone runter. Blöd, weil das ist nicht versichert. Wäre geschickter, wenn dem Kumpel was draufgefallen wäre, dann hätte er einen Schaden verursacht und müsste ihn ersetzen. Wenn er eine private Haftpflichtversicherung hat, übernimmt diese den Schaden. Da kann man schon mal in Versuchung kommen, oder? Ich meine nein, denn das ist illegal und egal wie man es dreht oder wendet, das bleibt es auch.

Der Ich-Brauche-Geld-Betrüger: Wenn Menschen in finanziell aussichtslos scheinenden verzweifelten Situationen sind, kann es schon vorkommen, dass sie vollkommen irrationale Handlungen vornehmen. Die Alternative zum Banküberfall kann also auch der Versicherungsbetrug sein. Der krasseste Versuch: Geld aus der Unfallversicherung zu bekommen. Die Archive der Versicherer sind voll mit Fällen, in denen sich Menschen mit der Axt malträtiert haben oder sich unter ein Auto legten und den Wagenheber manipuliert haben. Das verursacht in vielen Fällen irreparable gesundheitliche Schäden – muss es auch, sonst gibt es kein Geld aus der Unfallversicherung – aber es kann aus Sicht des Betrügers noch schlimmer kommen: Wenn der Betrug auffliegt, gibt es nicht nur kein Geld, sondern eine Strafe obendrauf.

Wo viel Geld im Spiel ist – und das ist es bei Versicherungen – da wird kriminelle Energie angezogen. Dennoch ist es traurig, dass wir als Branche einen erheblichen Aufwand betreiben müssen, um solche Betrugsversucher abzuwehren.

 

2 Gedanken zu „Guter Vorsatz für 2015: Kein Versicherungsbetrug“

  1. Tobias Bierl sagt:

    Das nächste Iphone oder Samsung kommt bestimmt, dann werden sich leider auch die Schadenmeldungen häufen ;-).

    Idealerweise nimmt man eine Selbstbeteiligung in eine sehr leistungsstarke PHV mit auf, dann kommt man gar nicht auf solche Dummen Ideen, hat einen günstigen Beitrag und im Fall der Fälle die besten Bedingungen am Markt.

  2. BERUF-CONTI sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Leider wird die Zahl der Versicherungsbetrüger nicht weniger, jedoch ist es auch schwierig solche Fälle zu belegen.
    LG

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