10.11.2014

Kategorie(n): Allgemein

die-zeit-wir-opfer-des-gluecksSo lautet die Überschrift eines klugen Artikels von Hanno Rauterberg in der aktuellen „Zeit“. Ausgangspunkt ist die Diskussion um die Sterbehilfe. Aber der Autor rückt das Thema in einen größeren Zusammenhang des modernen Menschen und seiner Paradigmen. Der moderne Mensch ist nicht mehr bereit, Grenzen zu akzeptieren, es sei denn als Herausforderungen, die verschoben oder überwunden werden müssen. Deswegen ist der Tod ein Skandal, da er unvermeidlich ist. Wenn sich das schon nicht ändern lässt, will der moderne Mensch wenigstens selbst bestimmen, wann der Tod eintritt. Aber nicht nur das plagt den „Menschen der Digitalmoderne, deren wichtigstes Versprechen die Verfügbarkeit“ ist.

Rauterberg beschreibt drei Aspekte eines Epochengefühls:

Der moderne Mensch fühlt sich gekränkt: Weil es eben diese Grenzen gibt, weil er nicht alles beherrscht, weil es Glück nicht auf Knopfdruck gibt. Wie und was auch immer er versucht, das Leben in den Griff zu bekommen – mit Lebensplanungs-Seminaren, Erbgutanalysen und pränataler Diagnostik -, er schafft es nicht. Es gibt trotzdem noch Krankheiten, Unfälle und Scheidungen. Krass! Das Glück ist fragil und das Leben läuft nicht immer wie gewünscht.
Der moderne Mensch fühlt sich überfordert: Freiheit! Ein großer Begriff, eine große Sehnsucht, ein großes Ziel. Der Mensch möchte frei sein – und er ist es nicht. Er hat nicht selbst entschieden, dass er geboren wurde, er hat viele Optionen, will aber alle, er ist geprägt von seiner Geschichte und kann nicht aus seiner Haut. Und die Freiheit bringt viele neue Herausforderungen: Der Mensch muss fast alles (alleine) entscheiden. Krass! Das nervt, das strengt an und das überfordert.

Der moderne Mensch hat das Gefühl der Selbstauflösung: Auch wenn die Selbstverwirklichung die Maxime unserer Zeit ist, so flüstern manche Hirnforscher, dass es das wahre Selbst gar nicht gäbe und auch der freie Wille sei nicht mehr als eine Fata Morgana. Krass! Nun, was soll man glauben, was ist der Mensch? Das muss heute jeder selbst und für sich selbst entscheiden.

Was hat so ein Epochengefühl nun in einem Versicherungsblog zu suchen? Wir sind alle Menschen und daher mit diesen Fragen konfrontiert, wenn wir uns darauf einlassen. Und eine gewisse Verbindung gibt es doch. Zwar kann auch der moderne Mensch diese Epochengefühle nicht wegversichern. Aber gegen die Unbillen des Lebens wie Krankheit, Unfall oder Tod kann man sich versichern. Das beseitigt weder diese Tatsachen noch ändert es die Gefühle, aber mit manchem lässt sich dann leichter Leben, da wenigstens die finanziellen Aspekte dieser Lebensereignisse nicht noch zusätzlich zur Belastung werden.

 

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