27.11.2014

Kategorie(n): Aktuelles, Allgemein

In der aktuellen Ausgabe des Cicero beschäftigt sich Frank A. Meyer mit der Kultur der Fragen und unserer Sehnsucht nach endgültigen Antworten. Mögliche Antwortgeber sind Kommunismus, Neoliberalismus und der Google-Gott. Was hat das nun mit BigData zu tun? Nun der Google-Gott, wie ihn Meyer nennt, ist ein Synonym für BigData oder zumindest speist sich seine AntwortfGoogleähigkeit daraus. Meyer schreibt:

„Mittlerweile hat der ökonomische Fundamentalismus Konkurrenz erhalten. Durch den Glauben an eine endgültige Antwort der Technologie. Durch eine Religion aus dem neuen gelobten Land Silicon Valley. Durch das Heilsversprechen, schon bald werde der Computer alles Wissen der Welt vereinen und vernetzen und verarbeiten – auf dass bis ans Ende der Tage Gott auf Erden walte und herrsche. Google-Gott!“

Und so ein bisschen ist es auch mit der Selbstoptimierung und der Versicherungsthematik. Träumen wir nicht alle davon, dass wenn wir nur noch ein bisschen mehr wissen, ein bisschen mehr machen, ein bisschen mehr verknüpfen, dass das Leben dann besser, glücklicher, sicherer wird? Dass die Unwägbarkeiten verschwinden oder zumindest seltener werden?

Aber selbst die Antwortmaschine Google wird uns die wirklich wichtigen Fragen nicht beantworten und selbst BigData bei Versicherungen wird uns die absolute Sicherheit nicht geben können. Es gibt Fragen – und das ist Teil der Demokratie und unterscheidet sie von Kommunismus, Neoliberalismus und dem Google-Gott –, auf die wir keine schnellen Antworten finden, schon gar nicht in Sekundenbruchteilen wie bei Google. Oder wir haben nicht nur 1.274.830 Einträge, sondern so viele Antworten und trotzdem keine, die passt und befriedigt. Im wirklichen Leben ist es so, dass die Fragen bleiben auch wenn die Antworten ausbleiben. Aber wie viel Freiheit wollen wir aufgeben um die vermeintlichen Antworten – und sei es nur die günstigere Versicherungsprämie zu finden.

In „brandeins“ räsoniert der Philosoph Robert Pfaller über den Genuss und die gesundheitsreligiöse Propaganda. Er fragt ob wir noch zum Genuss fähig sind oder ob wir „servile Sachbearbeiter des Lebens“ sein wollen? Das ist zwar ziemlich Meta-Ebene, aber es gehört zusammen: Wie viel Genuss und wie wieviel Freiheit sind wir bereit aufzugeben für ein bisschen Rabatt. Natürlich kommt das Gespräch auch auf Helmut Schmidt, der höchstes Ansehen genießt, obwohl er sich politisch total unkorrekt verhält und sogar in den Talkshows im Fernsehen raucht.

Ich spitze das mal zu: Können wir uns vorstellen, dass Helmut Schmidt weniger raucht, um bei seiner Krankenversicherung zu sparen? Wohl kaum! Nun kann man einwenden, dass er sich mit seiner Kanzler-Pension in finanziell sehr entspannten Verhältnissen befindet und das auch nicht nötig hat. Mag sein, es ist aber trotzdem ein Bild, das man sich vor Augen halten kann, bevor man einen Überwachungstarif, der auf BigData basiert bei einem Versicherer zeichnet.

 

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