10.10.2014

Kategorie(n): Allgemein

wert-menschenlebenDiese Frage wird in letzter Zeit wieder öfter gestellt. Angesichts der brutalen Gewalt in Syrien und im Irak, angesichts von Ebola, aber auch – und hier meist hinter vorgehaltener Hand – angesichts von stark steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Wenn man die Frage aus philosophisch-antrophologischer Sicht diskutiert, gibt es oft einen Konsens, das ein Menschenleben unbezahlbar ist. Die Begründungen mögen sich unterscheiden: Von der Würde des Menschen, über die Gottesebenbildlichkeit bis hin zum Respekt vor dem Leben im Allgemeinen. In einer globalisierten und zunehmend ökonomisierten Welt sind aber alle so furchtbar pragmatisch geworden, so dass die Diskussion in eine ganz andere Richtung geht.

Auf sueddeutsche.de hat der Dokumentarfilmer Peter Scharf ein Interview gegeben. Er hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt und einen Film darüber gemacht. Er berichtet, dass sein Wert – je nach Berechnungsmethode – zwischen einer und zwei Millionen Euro beläuft. Dabei beläuft sich der reine Materialwert nur auf 1500 bis 1600 EUR, alleine 1100 EUR bringen die ca. 16 kg Kohlensoff. Als Bewertungskriterien fließen ein:

  • Alter
  • Wie viel Geld ich noch erwirtschaften kann
  • Gesundheitszustand
  • Bildungsgrad
  • Anzahl der Kinder

Am meisten Spaß an solchen Rechenaufgaben haben

  • Gesundheitsökonomen: Die rechnen zukünftige Kosten für die Behandlung eines Menschen hoch
  • Bildungsexperten: Die überlegen, was eine Ausbildung kostet und um wie viel der Wert steigt, wenn dieses Investment getätigt wird.
  • Umweltexperten: Die berechnen, wie sich Investitionen zur Verbesserung der Umwelt in verbesserter Gesundheit niederschlägt.
  • Versicherer: Die wollen Ihre Risiken quantifizieren und mögliche Entschädigungszahlungen hochrechnen.

Federführend sind hier – das war fast zu erwarten – die angelsächsischen Länder. Die Briten rechnen aus, was ein Restleben wert ist, z.B. 20.000 bis 3.0000 Euro pro Jahr, multipliziert mit der Lebenserwartung ergibt sich ein Wert. Sind die Kosten für eine OP höher, könnte sie verweigert werden. Aus Sicht von Scharf wird es irrsinnig, wenn dann noch qualitative Faktoren eine Rolle spielen und zum Beispiel Menschen mit Behinderung einen Zwangsabschlag hinnehmen müssen.

Ein amerikanischer Ökonom hat ein anderes Modell entwickelt, das Peter Scharf wie folgt beschreibt: „ Man bittet Leute, sich vorzustellen, dass sie einer von 10.000 Menschen in einem Fußballstadion wären. Bis zum Ende des Spiels werde einer sterben, jeden könne es treffen. Die Frage an sie ist dann: „Wie viel würden sie zahlen, um nicht dieser eine zu sein?“ Im ersten Moment sagen dann die meisten: „Alles“. Dann denken die Leute kurz nach und korrigieren sich: „Nicht alles“ – weil das Risiko ja gar nicht so groß ist – „aber beispielsweise 500 Euro“. Wenn diese Summe jeder der 10.000 nennen würde, läge der Wert eines Lebens rechnerisch bei fünf Millionen Euro.“

Auch in Deutschland stellt zum Beispiel das Bundesumweltamt solche Berechnungen an, aber reden wollten Sie nicht darüber und zwar aus Angst vor ethischen Tretminen wie Scharf meint. Das ist bedauerlich. Denn sicherlich sind dieses Themengebiet und die möglichen Konsequenzen heikel, aber es muss eine öffentliche Diskussion darüber her. Denn was nicht geht: Es wird nicht darüber geredet und im stillen Kämmerlein wird damit gearbeitet. Dazu noch mit drastischen Konsequenzen für den einzelnen wie z.B. sinkende Kreditwürdigkeit oder schlechtere Gesundheitsvorsorge.

 

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