30.10.2014

Kategorie(n): Allgemein

dkm-2014-verguetungImmer Ende Oktober trifft sich die Versicherungsbranche auf der DKM in Dortmund. Zumindest die Versicherer als Aussteller und die Makler als Besucher. Da werden neue Produkte vorgestellt, Ideen ausgetauscht und es wird diskutiert. Eines der Hauptthemen dieser Diskussionen war die zukünftige Vergütungsstruktur. Zwischen Abschluss- und Bestandsprovisionen sowie der Idee der Honorarberatung ging es oftmals emotional, manchmal dogmatisch, immer engagiert zur Sache.

Während der Trend im Moment dahingeht, dass die Bestandsprovisionen höher werden und die Abschlussprovisionen weniger, fristet die Honorarberatung noch ein Mauerblümchendasein. Ein Blick ins europäische Ausland lohnt Und zwar nach Großbritannien, wo seit dem 1.1.2013 ein Provisionsverbot für Lebens- und Rentenversicherungen besteht sowie in die Niederlande, wo dies seit Anfang 2012 der Fall ist. Das Spiele Nachrichten/195/21944/Blick-zum-Nachbarn-Die-Niederlande-und-das-Provisionsverbot.html“ target=“_blank“>Versicherungsjournal berichtet diese Woche über die Entwicklung in den Niederlanden: Die Ergebnisse der nun fast dreijährigen Entwicklung sind frappierend:

  • Von ursprünglich 12.000 Maklern sind noch 4.000 übrig.
  • Von den Beratern für betriebliche Altersversorgung sind 90% verschwunden: 600 von 6.000 sind noch da.
  • Das liegt nicht nur am Provisionsverbot, sondern auch an einer sehr strengen Prüfung, die alle drei Jahre abgelegt werden muss.
  • Makler versuchen ca. 125 EUR zzgl. MwSt. als Honorar pro Stunde zu berechnen.

Der eigentliche Knaller: Versicherer dürfen keine Provisionen mehr bezahlen, die Beiträge zu den Versicherungen sind aber gleich geblieben. Das heißt die Versicherer geben die Ersparnis nicht an Ihre Kunden weiter, sondern erhöhen Ihre Gewinne. Die Kunden zahlen neben den bekannten Prämien ein ordentliches Honorar zusätzlich.

Ein weiteres Problem viele Bürger, gerade diejenigen, die nicht so finanzaffin sind und Beratung benötigen, können sich diese nicht mehr leisten. Eine derartige Entwicklung zeichnet sich auch in Großbritannien ab. Die wohlhabenden Kunden bekommen eine sehr gute Beratung, die Mittelschicht und Geringverdiener wollen oder können die Honorare für die Beratung nicht bezahlen. Diese Entwicklung sollte sich die Politik bei weiteren Gesetzgebungsinitiativen Richtung Honorar genau anschauen. Wer nur dem Dogma folgt, dass Honorarberatung per se besser ist als Beratung, die über Provisionen vergütet wird, der kann weitreichende Kollateralschäden verursachen. Es gibt schlechte Makler, es gibt aber genauso auch schlechte Honorarberater.

 

Ein Gedanke zu „DKM 2014: Die Frage nach der Vergütung schwebt durch die Hallen“

  1. M.Siebert sagt:

    Ich bin ganz Ihrer Meinung! Das Beispiel Niederlande zeigt aus meiner Sicht die negativen Auswirkungen der Regulierung.

    Es kann doch nicht das Ziel der Politik und der „Verbraucherschützer“ sein, dass viele Kunden nur noch die Möglichkeit zum Vertragsabschluss ohne Beratung haben.

    Noch ein paar erschreckende Zahlen:
    Neugeschäftsvolumen Leben 2008 (Niederlande): 7,1 Mrd.€ (Gesamtbeitrag)
    Einführung der Deckelung zum Jahr 2009!
    Neugeschäftsvolumen Leben 2009 (Niederlande): 5,3 Mrd.€ (Gesamtbeitrag)
    Neugeschäftsvolumen Leben 2010 (Niederlande): 4,5 Mrd.€ (Gesamtbeitrag)
    Neugeschäftsvolumen Leben 2011 (Niederlande): 3,8 Mrd.€ (Gesamtbeitrag)
    Neugeschäftsvolumen Leben 2012 (Niederlande): 3,3 Mrd.€ (Gesamtbeitrag)

    Hoffentlich nimmt sich die Politik dieses negative Beispiel zu herzen.

    Es wäre allen zu wünschen…den Vermittlern…aber auch den Kunden!
    Denn die brauchen die Beratung.

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