24.10.2014

Kategorie(n): Aktuelles, Allgemein

handelsblatt-provisionen-polemikDas Handelsblatt hat ein neues Thema gefunden: „Auslaufmodell Provision“

Ein hochinteressanter Artikel, der vieles sagt über die Branche, darüber wie die Menschen wohl denken und natürlich auch über das Handelsblatt bzw. den dahinterstehenden Verlag. Auf jeden Fall hat das ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient.

Aber zuerst noch ein Wort zu Herrn Döpfner von Springer und zu journalistischen Grundsätzen: Die ganze Journalisten-Welt zerreißt sich das Maul über Matthias Döpfner, Vorsitzender des Springer-Verlages, der sich vom Aspen-Institut den neu geschaffenen „Shepard Stone Award for Outstanding Transatlantic Leadership“verleihen lässt, obwohl er bis vor Kurzem noch im Kuratorium eben dieses Instituts saß. Das hat ein Gschmäckle, wie man auf schwäbisch sagt. So sieht das laut „Cicero“ auch die Pressesprecherin des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) Eva Werner.

Und der DJV empfiehlt seinen Mitgliedern „„Die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Journalismus gebieten es, dass Journalisten keine aktive Rolle in Organisationen ausüben, über die sie berichten.“ Diese Empfehlung könnte auch für das Handelsblatt sinnvoll sein. Warum? Nun, es gibt jetzt also ein Unternehmen, an dem das Handelsblatt beteiligt ist. Das Unternehmen heißt moneymeets community GmbH und bietet Versicherungen zu halben Provisionen an. Und das Handelsblatt berichtet darüber. Ein Schelm, wer Böses denkt. Immerhin steht dabei, dass sie an dem Laden über die DvH Ventures beteiligt sind. Dennoch sind hier drei Anmerkungen dringend geboten:

  1. Unabhängigkeit und Transparenz: Klar ist die Medienbranche im Umbruch und benötigt neue Erlösquellen. Da bietet es sich an, ein bisschen was von dem alten Mediengeld in junge Start-Uups zu stecken. Aber muss es gerade Versicherungen sein? Von der Versicherungsberatung wird zu Recht und zum Wohle des Kunden gebetsmühlenartig – und das Handelsblatt übernimmt da gerne die Rolle des Vorbeters – Unabhängigkeit und Transparenz gefordert. Und wie steht es in diesem Zusammenhang mit der Unabhängigkeit der Medien? Werden – die Frage nach dem Dürfen will ich gar nicht stellen – die Redakteure des Handelsblatts wirklich unabhängig und genauso kritisch wie sonst über die Versicherungsbranche über das Unternehmen Moneymeets berichten? Ich weiß es nicht. Niemand kann es wissen. Wir werden es sehen und lesen. Aber ich finde es bedenklich, dass sich ein so renommiertes Verlagshaus freiwillig in einen solchen Interessenkonflikt begibt. Und ich finde auch, dass die sonst so strengen Maßstäbe hinsichtlich Transparenz und Unabhängigkeit für das eigene Handeln des Handelsblattes nicht ganz so streng ausgelegt werden. Schade!
  2. Bullshit verzapfen. Ich weiß nicht, ob die Herren Gründer von Moneymeets schon mal eine Schaden- oder Leistungsabteilung von Innen gesehen haben. Wenn ich diese Aussage aus dem Handelsblattartikel nehmen, habe ich starke Zweifel daran: „Vor allem bei Sachversicherungen, wo der Beratungsaufwand bei laufenden Policen gegen Null geht, seien „bessere Preise“ für den Kunden angemessen, argumentieren die Moneymeets-Gründer.“ Das ist an der Grenze zur Peinlichkeit und ein Ausweis der eigenen Inkompetenz. Warum? Ganz einfach:
    Nehmen wir mal eine Haftpflichtversicherung, die im Jahr 60 Euro kostet, darin sind 19% Versicherungssteuer enthalten, bleiben also gut 50 Euro, davon nehmen wir mal – wie im Artikel genannt – 25% Provision, macht also 12,50 Euro, davon bleiben dann die Hälfte pro Jahr – also 6,25 Euro – bei Moneymeets, der Rest geht ja an den Kunden. Wie viel Zeit kann eine anständig bezahlte Person dann pro Jahr für diesen Vertrag aufwenden. Klar kann ein Kunde dank der Online-Technologien viel selbst und alleine machen. Aber wehe wenn er eine Frage oder gar einen Haftpflichtschaden hat. Dann ist der Vertrag in jedem Fall ein Verlustgeschäft für Moneymeets – hoffentlich nicht für den Kunden, denn zuiel Hilfe für den Kunden wird das Geschäftsmodell wohl nicht vertragen. Schade, dass solche Aussagen einfach unkommentiert in einem eigentlich seriösen Medium verbreitet werden.
  3. Halbe Sachen: Wenn Provisionen doch „ach so scheiße“ sind (Entschuldigen sie bitte die Wortwahl), wie von Verbraucherschützern und anderen Experten immer gerne – auch und gerade im Handelsblatt – behauptet werden darf, warum wird dann so ein Geschäftsmodell finanziert. Warum werden immer noch 50% der Provisionen kassiert? Ist „halb so scheiße“ (nochmal ’tschuldigung) für Moneymeets und das Handelsblatt und dann auch für die Kunden gut genug? Wäre es nicht konsequent, alle Provisionen auszuschütten und gleich ein Honorar oder eine Gebühr vom Kunden zu verlangen. Die Gebühr muss ja gar nicht höher sein. Aber es ist natürlich einfacher, erst mal das Geld vom Versicherer zu bekommen – der bezahlt nämlich genau und pünktlich – und es dann an den Kunden zu verteilen, anstatt den Weg konsequent zu Ende zu gehen.
    Und wenn ich dann noch lese, dass Moneymeets folgendes Ziel hat: „Mittelfristig erhofft sich die Plattform aber einen Zuwachs an Kunden – Kunden, die dann bestenfalls auch die übrigen Leistungen des Anbieters nutzen, zum Beispiel die „transparente und günstige“ Verwaltung ihres Fondsdepots.“ Ist das Sachversicherungsthema und die Provisionsteilung mit dem Kunden vielleicht nur ein Lockangebot? Geht es nur darum, mit von vornherein verlustträchtigen Angeboten Kunden zu gewinnen, denen dann noch was anderes verkauft werden soll? Ein Schelm, wer böses denkt. Nochmal irgendwie schade.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: In der Versicherungsbranche gibt es Dinge, die schlecht laufen. Es gibt Prozesse, die aus Kundensicht optimiert werden müssen. Und es gibt auch und gerade durch neue Technologien viele Chancen, dass es besser, einfacher und günstiger für den Kunden geht. Darüber sollte sich jeder freuen und daran mitarbeiten, egal ob Verbraucherschützer, Medien, Versicherer oder Makler. Was nicht hilft ist Intransparenz und tendenziöse oder ideologisch geprägte Berichterstattung. Das schadet langfristig der Glaubwürdigkeit aller Beteiligten – und nichts braucht die Versicherungsbranche mehr als die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit.

 

1 Kommentar

Es ist immer wieder erstaunlich, wie das Handelsblatt gegen der Berufsstand der Versicherungsmakler und -Vermittler schießt, sich aber auf der anderen Seite die Tasche vollstopft mit Geldern aus der Branche. Mal abgesehen von Moneymeets sage ich nur Advertorials und eingebaute Versicherungsrechner. Wasser predigen und Wein trinken..