12.08.2014

Kategorie(n): Allgemein

Gestern begann bei RTL die 5. Staffel der Versicherungsdetektive.

Ich mag ja diese Doku-Soaps und Scripted-Reality-Sendungen nicht so sehr, denn oft werden hier Leute schlicht und ergreifend vor einem Millionenpublikum vorgeführt und man fragt sich, ob diese Menschen wirklich nicht merken, wie sehr sie sich zum Affen machen. Aber bei den Versicherungsdetektiven hält sich mein Mitleid in Grenzen, denn es geht um ein ernsthaftes Problem – vier Milliarden pro Jahr sind ein ordentliches Schadensümmchen – und die meisten Kunden, die gezeigt werden, haben versucht, sich zu Unrecht zu bereichern.

Es gibt viele Theorien und Begründungen, warum eigentlich unbescholtene Menschen zum Versicherungsbetrug neigen und dabei nicht mal ein schlechtes Gewissen haben. Zwei davon möchte ich aufgreifen: Eine ist die Idee, dass sich das vermeintlich geringe Vergehen – manche sprechen auch beschönigend vom Kavaliersdelikt – gegen eine anonyme Masse eines großen Konzerns richten und dass es ja keinem weh tut, wenn man den Geldverschwendern in den Glaspalästen mal ein paar Euro abnimmt. Richtig ist allerdings, dass es um das Geld der Versichertengemeinschaft geht, das von der Versicherung nur verwaltet wird. Aus diesem Grund beklaut, wer Versicherungsbetrug begeht, die anderen Versicherten, die ebenfalls bei dieser Versicherung versichert sind.

Eine zweite Begründung liegt in der grundsätzlich falschen Annahme, wofür Versicherungsbeiträge bezahlt werden. Sie werden nicht hauptsächlich für den Schadenersatz im Schadenfall gezahlt, sondern für die Übernahme des Risikos. Das ist abstrakt und dadurch etwas kompliziert. Aber glücklich schätzen darf sich nicht derjenige, der eine Schadenzahlung erhält, sondern derjenige, der keinen Schaden hat und deswegen die Versicherung gar nicht in Anspruch nehmen muss. Das Risiko hat die Versicherung ja in beiden Fällen getragen. Trotzdem kommen immer wieder Leute auf die Idee, dass sie ja jetzt zehn Jahre brav ihre Beiträge zur Haftpflicht- oder Hausratversicherung bezahlt haben, und „dass nun endlich mal was zurückfließen müsste…“ Wer so denkt, hat leider das Thema komplett verfehlt.

Deshalb bleibt zu hoffen, dass auch eine Sendung wie die Versicherungsdetektive dazu beiträgt, das Unrechtsbewusstsein in der Bevölkerung zu stärken. Denn weniger Versicherungsbetrug bedeutet auch geringere Versicherungsbeiträge.

 

Ein Gedanke zu „Versicherungsbetrug: Jährlicher Schaden von vier Milliarden Euro“

  1. Hallo Herr Mack,

    Versicherungsbetrug ist ein spannendes Thema. Die Sendung auf RTL ist mir persönlich auch zu plakativ, aber es dient mit Sicherheit der Sensibilisierung bzgl. des Themas.

    Auf unserem Schadenkongress in März 2014 hatte ich die Gelegenheit Prof. Müller-Peters, in einem sehr sympatischen Kurzinterview, zu seinem Vortrag „Betrugsprävention 2.0: Mit Psychologie die Schadenkosten senken“ sprechen zu dürfen. Das Video ergänzt sehr schön ihren Beitrag: https://www.youtube.com/watch?v=G91LhlWwWiM

    Beste Grüße und danke für den Input

    Bärbel Büttner

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