13.08.2014

Kategorie(n): Allgemein

Krasse Änderung im britischen Rentensystem. Ab nächstem Frühjahr können sich Menschen ab 55 ihr angespartes Kapital auszahlen lassen und müssen es nicht mehr in eine lebenslange Rente umwandeln. Laut WELT-Artikel schreibt das Gesetz seit fast 100 Jahren, – genau seit 1921 – vor, dass das Kapital in eine Jahresrente umgewandelt werden muss. Die Briten waren seither gezwungen, ihre private und betriebliche Vorsorge als Rente zu verbrauchen und natürlich stellen sich viele die Frage, ob diejenigen, die sich das Kapital auszahlen lassen, es in wenigen Jahren auf den Kopf hauen und dann als verarmte Rentner dem Staat auf der Tasche liegen.

Die britische Politik hofft auf eine andere Reaktion: Dass die Bevölkerung besser und mehr investiert. Im Zuge dieser Änderungen wird auch das Renteneintrittsalter erhöht. Zur Erinnerung: In Deutschland wurde das Renteneintrittsalter gerade gesenkt und die Bereitschaft der Menschen, für ihre private Altersvorsorge zu sparen, sinkt auch. Unterstützt wird diese Wahrnehmung durch eine Studie von Towers Watson, wonach bis 2023 rund 50 Mrd. Pfund in den Rentenmarkt fließen könnten. Das wäre dreimal mal so viel wie heute.

Verbraucherschützer sehen dagegen ganz andere Probleme: Sie fürchten, dass die Kunden gar nicht oder nur mit sehr hohen Abschlägen aus ihren bestehenden Verträgen herauskommen. Die Verbraucher sind in jedem Fall verunsichert. Ein Blick nach Australien, dem Land, an dem sich die Briten bei dieser Rentenreform orientieren, hilft auch nicht wirklich weiter. Down under wird diskutiert ob man wieder zu den Jahresrenten zurückkehrt. Grund dafür ist – suprise, surprise – die steigende Lebenserwartung. Auch die Aussies wissen nicht, wie alt sie werden und demzufolge auch nicht, wie lange ihr Geld reichen wird. Dass das Geld nicht zu Ende geht, bevor das Leben vorbei ist, lässt sich halt nur mit einer Rentenversicherung sicherstellen, denn genau dieses Langlebigkeitsrisiko trägt der Versicherer.

Ganz ehrlich: Manche Dinge sind absolut nicht nachzuvollziehen. Die sogenannten „annuities“ sind ein Baustein im Altersvorsorgekonzept der Briten. Langlebigkeit ist das zentrale Problem. Warum man dieses System, dass den Menschen und auch dem Staat wirklich hilft, außer Kraft setzt, verstehe wer will, ich jedenfalls verstehe es nicht.

 

 

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