05.08.2014

Kategorie(n): Buchvorstellung

Da saß ich gestern Abend auf der Terrasse und habe geschmökert. Es war endlich mal wieder so warm und so trocken, dass dies möglich war. Und es war so auch nach halb zehn noch so hell, dass ich lesen konnte, da mein Sohn im Outdoorladen eine Lampe abgegriffen hatte, die wir nun in unserem Pavillon installiert haben (Einige Nachbarn haben bestimmt gedacht, jetzt ist er komplett durchgeknallt). Jedenfalls lese ich gerade „Du sollst nicht funktionieren – Für eine neue Lebenskunst“ von Ariadne von Schirach.

Das Buch fiel mir ganz old school in die Hände als ich kürzlich in einem Lieblingsbuchladen gestöbert habe – sowas geht auch ohne „Kunden, die dieses Buch gelesen haben, interessieren sich auch für bla, bla, bla“… .

In dem Buch geht es um das Leben und es ist eine seltene Mischung: Mit großer Leichtigkeit geschrieben, entspannt zu lesen, aber dennoch mit unglaublichem Tiefgang, manchmal erwischt es einen so richtig. Und da ich mir ehrlich gesagt ein bisschen schwer tue, so richtig rüber zu bringen, was ich meine, zitiere ich mal zwei Abschnitte von Seite 120 und 121:

„Eine Haltung, oder was sich hinter dem im wahrsten Sinne eigenhändig zu befüllenden Wort „Mündigkeit“ versteckt, muss erworben werden. Es gibt sie nicht zu kaufen, man kann sie nicht herstellen und die Forderung, sich allen praktischen Seiten des Lebens tätig zuzuwenden, ist nur ein Teil davon. Mündigkeit beginnt, wenn man sich Gedanken darüber macht, woher die Welt im eigenen Kopf kommt. Warum glaube ich, was ich glaube? Woher kommen meine Ansichten, Meinungen und Überzeugungen? Warum halte ich dieses für gut und jenes für schädlich? …

Doch wenn man nicht nachdenkt, dann kann es passieren, dass man irgendwelchen fadenscheinigen Deals auf den Leim geht, dass man in die Knochenpresse der Unterhaltungsindustrie gerät, dass man etwas studiert, was einen nicht interessiert, um Sachen zu kaufen, die man nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, an denen einem nichts liegt. Dann kann es passieren, dass man das Leben eines anderen lebt, und irgendwann ist es zu spät, und dieses Bedauern ist so bitter, dann man nur davon flüstern kann, ganz leise. Denn trotz der ganzen Unwissenheit und ihrer Verteidigung ist alles kein Spiel. Oder besser: Es ist das ernsteste Spiel der Welt und der Einsatz ist das eigene Leben, und alles zählt und auf alles kommt es an und wer ignorant und bequem und feige ist, hat schon verloren. Das größte Risiko ist es, das Leben nicht zu wagen, abzuwarten, dass irgendwann irgendwas geschieht und währenddessen in vorauseilendem Gehorsam zu machen, was man eben so macht.“

Eine ideale Urlaubslektüre – finde ich!

 

1 Kommentar

Ein einmaliges Buch! Jede einzelne Geschichte regt an, über die Situation nachzudenken und eine persönliche Lösung zu finden.