24.06.2014

Kategorie(n): Allgemein

versicherungsmakler-titelseiteDas passiert nicht allzu oft, dass es die Versicherungsmakler auf die Titelseite der F.A.Z. schaffen, am gestrigen Montag war es mal wieder soweit. Aber die Freude ist getrübt, denn es geht um die Offenlegung der Provisionen – und damit nur um einen Teil des sogenannten Gesetzes zur Rettung der Lebensversicherung. Leider wird ein polarisierender Aspekt herausgegriffen, obwohl es viele Themen im Gesetz gibt – wie z.B. die Ansprüche der Kunden auf die Ausschüttung der Reserven -, die viel drastischere Auswirkungen für die Kunden haben werden. Aber der Reihe nach.

Was möchte die Politik mit diesem Aspekt des Gesetzes? Die Transparenz erhöhen und die Honorarberatung befördern. Hören wir uns mal die Argumente an, die gegen die Offenlegung der Provisionen vorgebracht werden. In seltener Einigkeit haben neun Verbände, darunter Player, die selten miteinander Seit an Seit kämpfen, wie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und die Gewerkschaft ver.di, In einer gemeinsamen
Erklärung Stellung genommen.

  • Die Provisionen sind nur ein Teil der Kosten, die gesamten Abschluss- und Verwaltungskosten, werden bereits seit Jahren in Euro und Cent ausgewiesen.
  • Die neue Regelung könnte so zu falschen Schlussfolgerungen der Kunden führen.
  • Die Makler könnten in die Lage kommen, dass sie nicht mehr das für den Kunden beste Produkt, sondern das mit einer niedrigeren Provision anbieten, um der Diskussion aus dem Weg zu gehen.
  • Mittelfristig könnten Arbeitsplätze gefährdet sein.
  • Kunden werden ggf. nicht mehr beraten oder verzichten aufgrund des aus ihrer Sicht überhöhten Vergütung ganz auf Beratung und den Abschluss von Versicherungs- und Vorsorgeprodukten, was auch nicht im Sinne des Gesetzgebers sein kann, da private Vorsorge sein muss.

Darüber hinaus seien mir noch zwei Anmerkungen erlaubt, die das ganze Unterfangen für mich fragwürdig erscheinen lassen:

  1. das Gesetz soll in einem wahnsinnig engen Zeitplan durch das Gesetzgebungsverfahren gepeitscht werden. Warum die Eile? Wenn das Thema Reserven so schnell geregelt werden muss, weil es den Lebensversicherern so schlecht geht – was ich nicht sehe – dann könnte das separat verabschiedet werden. Wer den betroffenen Verbänden nur eineinhalb Tage Zeit für eine Stellungnahme gibt, spielt nach seltsamen regeln. Das erweckt Misstrauen.
  2. Honorarberatung wird am Markt angeboten und kann von Kunden gekauft werden. Seltsamerweise setzt sie sich aber nicht durch und das obwohl sie laut politischer Meinung und Einschätzung der Verbraucherverbände so viel besser ist. Wie kann das sein? Sind die mündigen Verbraucher so blöd, dass sie zu Abertausenden die falsche Entscheidung treffen. Ich kann es mir nicht vorstellen!

Die Kosten werden bereits offen gelegt, in Euro und Cent! Das bietet volle Transparenz. Dass es Verfehlungen in der Branche gibt, ist unbestritten. Dass nun ein gesetzlicher Übereifer der Politik, der mit zweifelhaften Methoden umgesetzt wird, alle redlichen Makler und Vermittler bestraft, kann nicht sein und wird vor allem nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen.