25.06.2014

Kategorie(n): Allgemein

Ab 1.7.2014 – also nächste Woche – gilt das Gesetz, aber tausende Anträge sind schon gestellt. Wenn es um die individuelle Ausschöpfung und Optimierung der sozialstaatlichen Leistungen geht, sind die deutschen Rentner-to-be ganz weit vorne: Genau weiß man es nicht, aber es sollen bereits 20.000 Anträge eingegangen sein. Warum man das nicht so genau weiß liegt an der Struktur der deutschen Rentenversicherungsträger: Bei der Deutschen Rentenversicherung waren Anfang Juni 6.000 Anträge eingegangen. Dort sind ca. die Hälfte der Deutschen versichert, der Rest verteilt sich auf die 15 regionalen Träger, also sind dort nochmal so viele Anträge zu erwarten. Anfang Juni ist schon wieder zwei bis drei Wochen her, daher sind noch welche dazugekommen.

Wenn man das im Jargon der Autobauer betrachtet, hört sich das durchaus gut an: Eine Woche vor Verkaufsstart bereits 20.000 verbindliche Vorbestellungen. Bei einem Produktionsziel von 200.000 Einheiten – so viele Anträge auf die Rente mit 63 erwartet die Bundesregierung in diesem Jahr – sind das immerhin zehn Prozent. Wenn man aber weiß, dass 150.000 EUR Kunden sowieso bestellt hätten – Rente mit 63 war auch seither möglich, allerdings mit Abschlägen, dann relativiert sich das. Oder man müsste dem Vertriebsvorstand sogar kritische Fragen stellen: Wenn er den 150.000 Bestellern, die eh gekauft hätten – nun einen fetten Rabatt oder eine dicke Sonderausstattung draufpackt – nichts anders ist die abschlagsfreie Rente mit 63 – dann ist das ein schlechtes Geschäft. Und das ohne Not. Die treuesten Kunden – die Rentner mit der eh besten Rentenleistung – werden noch zusätzlich gepampert. Krass!

Die FAZ bringt es in einem Kommentar auf den Punkt: „Jede neue Sozialleistung schafft sich ihre Nachfrage.“ Und der Wahnsinn geht auch politisch weiter: Morgen trifft sich zum ersten Mal eine Arbeitsgruppe der großen Koalition. Unter der Überschrift: „Flexible Übergänge in den Ruhestand“ soll es um die Frage gehen, wie Arbeitnehmer einfacher länger arbeiten können – hört, hört – aber auch um die Frage wie ein Ausstieg schon ab 60 aussehen könnte – Wahnsinn! Wenn man noch ein bisschen an der Anrechnung von Ausbildungs- und Studienzeiten, Auslandsaufenthalten, ehrenamtlicher Arbeit und dem fernsehen von Fußball-Spielen arbeitet – gebt Euch halt einen Ruck – dann könnte ich mit meinen Mitte 40 auch langsam anfangen über den Ausstieg nachzudenken. No way – retirement sucks!