27.05.2014

Kategorie(n): Allgemein

versicherer-garantiezusagenWenn ein Buchhändler – zum Beispiel weil alle Welt bei Amazon bestellt – nicht mehr genug Umsatz macht, kann er von heute auf morgen seinen Laden zusperren. Natürlich muss er sich noch um seinen Mietvertrag kümmern und die Bücher, die auf Lager sind, irgendwie loswerden. Aber sein Geschäft einzustellen geht relativ schnell. Das ist bei einem Lebensversicherer anders. Der kann nicht von heute auf morgen „seinen Laden zusperren“, da er sehr langfristige Verträge und Verpflichtungen eingegangen ist. Was passiert also, wenn ein Versicherer zu dem Schluss kommt, dass er das Geschäft der Lebensversicherung nicht mehr machen möchte? Ein Run-Off!

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe der Zeit wird Run-Off folgendermaßen definiert: „Bei einem Run-off zeichnet ein Versicherer keine neuen Verträge mehr und wickelt seinen Bestand ganz oder in Teilen ab.“ Dabei hat er folgende Möglichkeiten, einen solchen Run-off zu organisieren:

  • Er behält die vorhandenen Verträge in seinen eigenen Büchern.
  • Er verkauft die Verträge an einen anderen Versicherer
  • Er verkauft die Verträge an einen Spezialisten, der solche Run-Offs abwickelt
  • Er gibt den Bestand an einen Rückversicherer.

In Deutschland gibt es noch nicht so viele Erfahrungen mit Run-Offs, vor allem nicht mit solchen, die an Dritte vergeben wurden. Meist wurden einzelne Tarife geschlossene oder ein Versicherer ist mal aus einer bestimmten Sparte ausgestiegen. In den meisten Fällen wurde das aber innerhalb des Konzerns geregelt. So zum Beispiel bei der Victoria Versicherung, die kein Neugeschäft innerhalb des ERGO-Konzerns mehr zeichnet. Da die ERGO aber weiterhin Lebensversicherungen anbietet, nur über andere Risikoträger, läuft dieser Run-Off innerhalb des Konzerns relativ geräuschlos ab.

Das Thema kann an Brisanz gewinnen, denn laut Branchengerüchten stellen ca. 20 Lebensversicherer ihr Neugeschäft auf den Prüfstand. Laut des Berichts in der „Zeit“EIT will sich die Heidelberger Leben zum Beispiel als Spezialist für solche Run-Offs etablieren und das als Dienstleistung für andere Wettbewerber etablieren. Die Frage, was das für Kunden bedeutet, ist umstritten. Manche Experten prognostizieren, dass die Kunden dann nur noch den garantierten Zins bekommen und der Rest z.T. durch überhöhte Kosten, zum Teil durch eine entsprechende Geschäftspolitik aufgefressen wird.

Sicher ist nur soviel: Aufgrund der niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten stehen die Lebensversicherer vor der Herausforderung, ihre langfristig ausgesprochenen Garantien sicherzustellen. Das erhöht den Druck auf einzelne Gesellschaften, eine Lösung kann – muss aber nicht – ein Run-Off sein. Deshalb wird es bei Vertragsabschluss immer wichtiger, den „richtigen“ Versicherer zu finden. Wir bei Hoesch & Partner haben zugegebenermassen keine Kristallkugel, kennen aber die Bilanzzahlen, mit denen man herausfinden kann, wer den längeren Atem haben wird. Vereinbaren Sie einfach einen persönlichen Termin – online oder telefonisch (069 – 71 70 7 – 540).

 

Ein Gedanke zu „Lebensversicherung: Was ist eigentlich ein Run-Off?“

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