05.05.2014

Kategorie(n): Allgemein

versicherungsvergleich-kleistAm Freitag ging’s um die Kritik an Online-Versicherungsvergleichen. Am Ende der Überlegungen sind wir bei der Frage gelandet, was eigentlich objektiv ist und ob es Objektivität überhaupt gibt. Das ist eine sehr grundsätzliche, geradezu philosophische Frage? Wer mit wachen Augen und Ohren durch´s Leben geht, wie oft er davon hört oder liest, dass etwas objektiv sein – oder eben auch nicht. Fangen wir also erst mal bei der Definition an.

Gablers Wirtschaftslexikon definiert Objektivität als: „Unabhängigkeit einer wissenschaftlichen Aussage von subjektiven Einschätzungen und Bewertungen.“ Ob ein Versicherungsvergleich nun unbedingt wissenschaftlich sein muss, sei dahingestellt, aber entscheidend ist der zweite Teil: „Frei von subjektiven Einschätzungen und Bewertungen“. Und hier stellt sich für mich die Frage, ob das überhaupt geht? Kann ich aus meiner Haut, kann ich von einem anderen verlangen und erwarten, dass er sich komplett von seinen Erfahrungen und Einschätzungen frei macht? Und worauf wird sich sein Urteil dann begründen?

Zurück zum Versicherungsvergleich: Nehmen wir die Kriterien „finanzielle Solidität“ und „Rendite“. Beide sind wichtig, aber wer entscheidet, welches wichtiger ist? Oder nur, welches wie stark zu gewichten ist? Und das auch nur bezogen auf eine individuelle Situation. Geht das objektiv oder geht das eben nur subjektiv aus meiner Berater-Sicht oder aus Kunden-Sicht. Und wiederum können beide Berater eine subjektiv richtige Sicht haben, die jede in sich nicht falsch ist, die faktisch aber trotzdem nicht zum gleichen Ergebnis kommen? Verwirrend? Ja, in gewisser Weise schon, vor allem dann, wenn man bedenkt wie oft der Begriff „objektiv“ fast schon gedankenlos eingesetzt wird.

Gehen wir einen Schritt zurück und ziehen zwei große Dichter und Denker: Herr Kleist – der mit dem zerbrochenen Krug, an den sich manche vielleicht noch aus der Schule erinnern hat ein Essay geschrieben mit dem Titel „Wenn wir alle grüne Augen hätten…“, dann wären wir uns alle einig, dass die Realität, also das was wir sehen, grün eingefärbt ist. Darin wären sich alle einig, denn niemand sieht, kennt und erlebt es anders. Aber obwohl sich alle einig sind und bestimmt gesagt würde, das sei objektiv richtig, wäre es in Wirklichkeit objektiv falsch. Denn die Realität wäre nicht grün, sondern ein Brillenglas, das alle haben, aber von dem keiner weiß. Da bekommt die Redewendung „Durch meine Brille sehen…“ eine ganz neue Bedeutung.

Das ist jetzt aber noch keine Lösung. Vielleicht kann uns die Rupert Lay liefern, der diesen Artikel von Kleist zitiert und Objektivität quasi als kleinsten gemeinsamen Nenner oder Schnittmenge von ganz vielen subjektiven Sichtweisen sieht. So geht es dann nicht um Realität, sondern um Wahrheit, also nicht darum wie etwas ist, sondern darum wie worauf sich alle geeinigt haben, wie es sein könnte.

Was bedeutet das nun für uns und unseren Versicherungsvergleich?

  • Für den Versicherungsvergleich bedeutet es, dass es eben auch wichtig ist Hintergrundinformationen zum Anbieter zu haben: Welche Firma steht dahinter, wie wird sie vergütet, gibt es Beteiligungen am Unternehmen, wer hat welche Interessen und Möglichkeiten der Einflussnahme?
  • Für mich persönlich bedeutet es, dass ich den Begriff objektiv mehr oder weniger aus meinem Wortschatz gestrichen habe. Ich erwarte auch keine Objektivität, denn niemand kann aus seiner Haut oder seine Brille abnehmen.
  • Bei Hoesch & Partner bekommen Sie also keinen objektiven Versicherungsvergleich, sondern einen subjektiven, den wir nach bestem Wissen und Gewissen nach Ihrem Bedarf erstellen. Vereinbaren Sie einfach einen persönlichen Termin – online oder telefonisch (069 – 71 70 7 – 540).