22.04.2014

Kategorie(n): Allgemein

Die Wochenendlektüre der Welt war aus demographischer Sicht hoch spannend: EU-Kommissar und einige Ökonomen fordern die Rente mit 70.

Ein großer Artikel beschäftigt sich mit den vielen Greisen, die unsere Talkshows bevölkern und ein Beispiel dafür sind, dass „die Alten“ nicht nur beim Wahlvolk langsam aber sicher die Mehrheit übernehmen, sondern auch daran arbeiten – oder längst dabei sind –, bei der Meinungsbildung die Meinungsführerschaft zu übernehmen. Aber der Reihe nach.

Lassen wir den Alten den Vortritt. Damit wir eine Vorstellung davon haben, wie uralt die Kollegen wirklich sind – mich hat es überrascht –, hier eine Auflistung der wichtigsten Protagonisten:

  • Helmut Schmidt, 95. Gut, der hat als beliebtester aller Deutschen den Status eines Heiligen erreicht, für den keine Gesetze mehr gelten (Rauchen) und der auch nur noch Einzelinterviews gibt.
  • Arnulf Baring, 81. Der kann sich immer noch richtig schön leidenschaftlich aufregen.
  • Klaus von Dohnanyi, 85. Eher selten am Start.
  • Erhard Eppler, 87. Der alte linke Haudegen ist auch gerne genommen.
  • Richard von Weizsäcker, 94. Die Haare sind ein Phänomen.
  • Peter Scholl-Latour, 90. Nuschelt so stark, dass er fast einen Übersetzer braucht.
  • Heiner Geißler, 84. Welcher allerdings manchmal sehr senile Thesen verbreitet.
  • Egon Bahr, 92. Gerne zum Thema Willy Brandt.
  • Und natürlich Norbert Blüm, 78, der sich laut „Welt“ gerne für sein legendäres „Die Rente ist sicher“ beschimpfen lassen will.

Natürlich haben diese Leute extrem viel Erfahrung, haben Weltgeschichte live erlebt und mitgestaltet, die wir nur vom Hörensagen kennen. Dennoch ist es vielleicht auch so, dass die Welt sich ändert und dass es da auch anderes Wissen, als nur Erfahrung braucht. Dass die Welt sich ändert ist ein gutes Stichwort, aber diese Tatsache scheint nicht überall angekommen zu sein. Zum Beispiel nicht bei Frau Nahles, der SPD und der GroKo. Oder wie sonst kann man sonst so bescheuert sein und die Rente mit 63 (wieder-)einführen. Gut, Norbert Blüm würde sicher Beifall klatschen, Arnulf Baring ausflippen.
In der gleichen Zeitung fordert EU-Kommissar Oettinger die Rente mit 70. Begründung: Rentenpolitische Vernunft und der Fachkräftemangel in Deutschland. Zumindest gibt es in der Politik zarte Hoffnung, dass ein flexibler Renteneintritt – im Sinne des längeren Arbeitens – für die möglich sein müsse, die fit sind und länger arbeiten wollen. Ja, auch das soll es geben.

Nochmal zurück zu den Greisen und einem, der mit 85 nicht in den Talkshows sitzt, sondern kreativ und produktiv weiterarbeitet: Hans-Magnus Enzensberger. Auf die Frage, wie er das macht, wird die Antwort im Artikel wie folgt geschildert: „Aber plötzlich, glucksend, die Eingebung: ‚Weißt du, was das größte Glück ist? Meine Nicht-Pensionierbarkeit!‘
Er lacht, diebisches Vergnügen. ‚Mich kann niemand mit 65 rausschmeißen, ich mach völlig unpensioniert weiter.‘ Und lacht weiter in den Hörer, weil er sich so über seinen Trick freut.“ Und weiter: „Im November wird er 85. Gleichzeitig kommt sein Tagebuch ‚Tumult‘ heraus, ‚es wird die Linken ärgern‘, sagt er fröhlich, ‚sofern es die noch gibt.‘ “
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angenehme Arbeits- oder Urlaubswoche.