28.04.2014

Kategorie(n): Allgemein

allianz-datenkrake-die-weltInteressanter Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeit. Im Zeitalter von Big Data werden vor allem Facebook, Google und Amazon immer wieder für die Datenmengen kritisiert, die diese Unternehmen über den einzelnen sammeln bzw. welche Erkenntnisse sie durch eine geschickte Verknüpfung daraus gewinnen können. Die Journalisten der Zeit gingen der Frage nach, ob es denn in Deutschland vielleicht auch Unternehmen gäbe, die über ähnliche Datenmengen und Kenntnisse Ihrer Kunden verfügen. Vielleicht auch in Bereichen, die man auf den ersten Blick gar nicht erwarten würde. Und als ein Kandidat wurde der Versicherungs-Konzern Allianz identifiziert! Warum? Die Antwort ist vielfältig:

  • Mit 20 Millionen Kunden findet sich jeder Vierte in diesem Land in der Datenbank wieder
  • Die Allianz kennt Ihre Kunden lange, zum Teil über Jahrzehnte, viel länger als Facebook & Co. das können, weil es diese Player gerade mal 10-15 Jahre gibt.
  • Die Allianz hat ein dichtes Netz von 9000 Versicherungsvertreten über die Republik gespannt. Von einer Agentur zur nächsten sind es im statistischen Mittel nicht mal fünf Kilometer. Diese Vertreter sind zum Teil auch privat mit Ihren Kunden verbunden und wissen somit noch mehr.
  • Die Kunden müssen, wenn sie einen Versicherungsvertrag abschließen wollen, viele persönliche Daten preisgeben: Gesundheitszustand, Vermögensverhältnisse oder Hobbies.
  • Kfz-Tarife, deren Beiträge zum Beispiel vom Fahrverhalten des Kunden abhängen, böten in diesem Zusammenhang ganz neue Möglichkeiten, denn es dann ja aufgezeichnet werden, wer wann wo und wie fährt.

Das hört sich schon ziemlich nach Big Data und der Möglichkeit, ziemlich genaue Profile von den Kunden erstellen zu können an. Krass. Aber in der Praxis wird es nicht so heiß gegessen, will sagen, die Allianz ist weit vom Datenkraken entfernt. Warum? Auch dazu einige Fakten:

  • Im Gegensatz zu Facebook & Co. unterliegt die Allianz den strengen deutschen Datenschutzregeln.
  • Die Allianz ist zu allererst ein konservativer Versicherungskonzern, d.h. von Haus aus vorsichtig und verdient Ihr Geld nicht mit Werbung oder Profiling, sondern mit dem Versicherungsgeschäft.
  • Dieses Geschäft basiert vor allem auf Vertrauen, das durch überzogene Datenspiele leicht beschädigt oder verloren wäre.
  • Die Technik im Hause Allianz ist nicht auf diese Datennutzung ausgelegt. Es wurden zwar nur Grundlagen geschaffen, um Daten besser „harmonisieren“ zu können. Aber manches Wissen steckt in Köpfen der Vertreter und landet nie in einer Datenbank der Allianz-Zentrale.

Als Fazit bleibt, dass die Allianz zwar viele Daten hat und noch mehr bekommen und verknüpfen könnte, wenn sie denn wollte. Aber selbst wenn sie wollte, sind dem Wollen enge gesetzliche Grenzen gesetzt. Und im Moment scheint weder inhaltlich noch technisch der Fokus darauf zu liegen. Aber vorbereitet will man sein, denn das Szenario, dass Google oder Facebook selbst in den Versicherungsmarkt einsteigen, wird durchaus als realistisch angesehen. Denn aufgrund der Kundenprofile, die diese Firmen haben, werden sie wahrscheinlich in der Lage sein, den Kunden maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten.