13.02.2014

Kategorie(n): Allgemein

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Eigentlich kennt man den Satz nur umgekehrt „Eltern haften für Ihre Kinder“ – und zwar von den Baustellenabsperrungen. Meist wird er mit einem Lächeln ignoriert, wird schon nix passieren. So oder so ähnlich gehen auch viele – erwachsene – Kinder mit dem Thema Pflege um. Was passiert eigentlich, wenn die alten Eltern pflegebedürftig werden und finanziell nicht in der Lage sind, die Kosten selbst zu decken? Dann passiert genau das: „Kinder haften für Ihre Eltern“.

Dieses Prinzip hat der Bundesgerichtshof gerade auf eindrucksvolle Weise bestätigt. Im konkreten Fall wurde der Sohn verpflichtet 9.000 Euro Pflegekosten zu zahlen, obwohl der Vater den Kontakt vor 40 Jahren abgebrochen hat. Das wurde nicht als „schwere Verfehlung“ gewertet, vor allem weil der Vater seinen Pflichten bis zur Volljährigkeit des Sohnes nachgekommen ist. Dieses Urteil wirft ein Schlaglicht auf zwei Aspekte der immer noch zu selten geführten Diskussion:

  1. Pflege ist das Risiko, das am meisten unterschätzt wird. Und das in einer alternden Gesellschaft wie der deutschen am schnellsten wächst. Die Politik hat das Thema auf der Agenda und wird – wie es im Moment den Anschein hat – etwas mehr Geld zur Verfügung stellen. Aber die gesetzliche Absicherung wird eine Teilkasko-Versicherung bleiben, die zusätzliche private Vorsorge erwartet und voraussetzt.
  2. Die Frage, was eine Familie im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft ist, wird hier völlig anders beantwortet als die weichgespülten Aussagen der Parteiprogramme, in denen Familie überall da ist, wo Kinder sind. Beides hat seine Berechtigung, aber wenn es um handfeste finanzielle Forderungen und Haftung geht, helfen nur klare, belastbare Definitionen. Das bedarf einer breiten öffentlichen Diskussion.

Was können Sie als tun? Eigentlich ist es ganz einfach: Setzen Sie sich mit dem Thema auseinander! Zwei Anregungen dazu. Erstens: Das Buch „Wundgelegen“ bietet einen kompakten und leicht verständlichen Überblick über das Thema Pflege. Zweitens: Ein Gespräch mit einem unserer Consultants kann Ihnen helfen, Ihre persönliche Situation zu analysieren und maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Vereinbaren Sie einfach online oder telefonisch (069 – 71 70 7 – 540) ein persönliches Beratungsgespräch.

 

2 Gedanken zu „Pflege: Kinder haften für Ihre Eltern“

  1. Oliver Pilz sagt:

    Zu diesem Thema wäre es sicherlich hilfreich zu erfahren unter welchen Umständen Kinder aus der Haftung für Ihre Eltern befreit werden. Ich meine in Erinnerung zu haben, dass es den Grundsatz gibt, dass Kinder aufgrund möglicher Verpflichtungen ihrer Eltern gegenüber nicht zum „Sozialfall mutieren“ dürfen, d.h. es gibt offensichtlich gewisse Einkommensgrenzen, aber auch den Grundsatz dass die Verpflichtung gegenüber eigenen Kindern Vorrang hat gegenüber der finanziellen Haftung für seine Eltern.
    So oder so, ein reichlich komplexes Thema, dass mal wieder mal deutlich macht, wo der Sozialstaat seine Grenzen hat (und Eigenverantwortung in Form von zusätzlicher privater Absicherung stärker greifen wird).

  2. Jule sagt:

    Ein interessantes Thema auch aufgrund persönlicher Probleme zwischen Eltern und Kindern. Selbst, wenn kaum noch Kontakt bestand und sich Eltern und Kinder auseinander gelebt haben, haften die Kinder. Das ist doch sehr diskussionsbedürftig. Jedoch auch schwierig. Denn wo ist dann die Grenze? Ab 5 Minuten monatlich telefonieren?
    Die Leistungen der Pflegeversicherungen sind im Pflegefall sehr umfangreich: [Link von der Redaktion entfernt] und dementsprechend geben diese natürlich alles darum, nicht zahlen zu müssen. Doch bei mehreren tausend Euro monatlich, fragt man sich, welche Kinder wirklich in der Lage sind, solche hohen Beiträge mal eben nebenbei zu übernehmen…

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