26.02.2014

Kategorie(n): Allgemein

imageO.k., Letzter sind die Versicherungsvertreter nicht geworden. Die rote Laterne haben die Politiker. In einer Studie der GfK unter dem Titel “GfK Trust in Professions 2014″ zum Vertrauen von Verbrauchern in Berufsgruppen erreichen die Versicherungsvertreter nur 19% – oder muss man schon sagen immerhin 19%. Die Banker erreichen noch sagenhafte 39%! Nicht, dass ich es den Kollegen von den Banken nicht gönne, aber ganz ehrlich, ein bisschen überrascht es mich doch. Hatte da etwa der ADAC seine Hand im Spiel?

Spaß beiseite. Das Imageproblem der Branche ist seit langem da und es wird wohl auch noch eine Weile bleiben, weil sich solche Wahrnehmungen nur langsam verändern. Aber es gibt Hoffnung, da die Branche in den letzten Jahren einige Schritte in die richtige Richtung getan hat: Verstärkte Beratungs- und Dokumentationspflichten, höhere Anforderungen an Aus- und Weiterbildung, größere Transparenz in den Produkten. Aber die Kunden müssen es erst erleben und dann neu Vertrauen schenken, denn Vertrauen ist etwas, das verdient und erarbeitet werden muss, da gibt es keine Abkürzungen.

Aber den Finanzberatern, hier trifft es vor allem die Banker, droht weiteres Ungemach. Und zwar von Direktbanken wie Comdirect oder Ing-Diba, die in „Beratern nur Verkäufer“ sehen. Passenderweise ist ein Artikel in der Welt gleich mit dem Titel „Zum Hexenwerk wird Anlage erst durch Berater“. Da kann man den PR-Abteilungen nur gratulieren, das ist ganze Arbeit und ein echter Homerun. Die eigene Rolle soll laut Comdirect-Chef Thorsten Reitmeyer vom Berater zum Coach umgewandelt werden. Auch aus Haftungsgründen kein schlechter Schachzug, denn der Kunde ist dann selbstverantwortlich, der „Coach“ gibt nur ein paar unverbindliche Tipps. Die ING-Diba versucht es mit einer anderen Strategie: Komplexität reduzieren, nur einfache Produkte anbieten. Und wer braucht schon mehr als „ein Girokonto, ein Sparbuch, vielleicht noch eine Baufinanzierung, einen Konsumentenkredit und einen Investmentfonds für die Altersvorsorge, lautet das Credo.“

Fast bin ich geneigt zu schreiben, dass ich mich darauf freue, wenn die ersten do-it-yourself Anlagen nicht so performen wie erwartet und gewünscht und sich dann rausstellt, dass sie eigentlich gar nicht zu dem gepasst haben, was der Kunde eigentlich wollte oder brauchte. Aber das tue ich nicht und wer weiß, ob wir es überhaupt mitbekommen, denn das werden die wenigsten an die große Glocke hängen und sich selbst verklagen, werden sie auch nicht.

Do-it-yourself wird zunehmen, aber Beratung wird nicht aussterben, denn in vielen Bereichen ist es schlicht komplizierter – auch und gerade beim Thema Finanzen – als uns die Internet-Tools-Anbieter weismachen wollen.