21.01.2014

Kategorie(n): Allgemein

rentenversicherung-widerstandVielleicht ist es doch ein Problem, dass die GroKo ca. 80% der Sitze im Parlament hat. Wie sehr die Rentenreform, die am morgigen Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll, von populistischen Motiven getrieben ist, kommt langsam aber sicher immer mehr zu Tage. Hier einige Kostproben aus diversen Artikeln der letzten Tage:

  • Wahlkampf: Auf die Frage nach Argumenten für die Mütterrente, antwortete Angela Merkel: „Das kam bei den Wahlkampfveranstaltungen so gut an!“ Schon klar. Auch die Maßnahme „Drei Mal pro Woche kostenlos Eiscreme für alle“ käme bei Wahlkampfveranstaltung gut an – und zwar unabhängig von der Parteifarbe. Und nicht nur das, das käme sogar auf dem Schulhof gut an, da könnte man vielleicht sogar wieder Jugendliche für Politik begeistern. Zurück zur Mütterrente: Viel mehr kam von Angela Merkel nicht an Argumenten. Wobei ich hier anmerken möchte, dass ich die Mütterrente für eine richtige Maßnahme halte, da es zuvor eine willkürliche Ungleichbehandlung von Frauen mit Kindern zu einem bestimmten Jahrestag gab. Und weil die Mütterrente ein wichtiges Signal sendet, dass die Erziehung von Kindern entsprechend bewertet werden.
     
  • Mehrheitspolitik: Olaf Gersemann hat das in einem Kommentar in der Welt unter der Überschrift „Bundesregierung kündigt Generationenvertrag auf“ präzise auf den Punkt gebracht. So langsam haben wir den Punkt erreicht, dass die Mehrheit der Wähler jenseits der 50 ist. Früher hieß es immer, dass man Wahlen in der Mitte gewinnt, heute müsste man vielleicht besser sagen, dass man Wahlen im Alter gewinnt. Ab 50 fangen die Leute an sich verstärkt mit ihrem eigenen Ruhestand auseinander zu setzen. Und da das eigene Rentner-Hemd den meisten wahrscheinlich näher ist, als die Hose der Generationengerechtigkeit, die auch die Jungen mit einbezieht, wird munter und gegen besseres Wissen Mehrheitspolitik für die Alten gemacht. Bis die junge Minderheit da was machen kann, sind die handelnden Politiker längst in Rente.
     
  • Gummibärchen: In der F.A.Z. erklärt Lara Nienhaus ihrer Tochter Clara in einem Brief, warum die Mama auf die Chefin von Deutschland sauer ist: Wegen der Rente, das ist Geld, das Menschen bekommen, die nicht mehr arbeiten. In einem schönen Gummibärchen-Vergleich erläutert sie plastisch das Problem der Rentenreforn anhand der Verteilung einer kleinen Tüte Gummibärchen: „Wenn Papa, ich und Oma je ein Gummibärchen bekommen, und du und dein Bruder je drei, dann passt es genau. Wenn jetzt aber Oma auf einmal auch drei Gummibärchen haben soll, dann reicht es nicht mehr. Dann brauchen wir mehr Gummibärchen. Genauso ist es mit der Rente. Der große Topf reicht nicht mehr, wir brauchen mehr Euros darin für die Omas und Opas.“

So einfach und einleuchtend ist das eigentlich. Aber es ist so schwer dieser Versuchung zu widerstehen an die Omas und Opas ein paar mehr Gummibärchen äh Euros zu verteilen und das auch noch ein bisschen früher, nämlich mit 63 statt mit 67 oder noch besser erst mit 70. Wenn nicht noch ein Wunder passiert, werden die GroKo-Politiker in Berlin dieser Versuchung erliegen. Schade.