07.01.2014

Kategorie(n): Allgemein

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Auch wenn die Kanzlerin nach ihrem Langlaufunfall jetzt erst mal ein paar Wochen kürzer treten muss sollte in Berlin nun die konkrete politische Arbeit beginnen, nachdem das Getöse der Koalitionsverhandlungen und die Weihnachtspause vorbei sind. Manche Anfänge sind meines Erachtens nicht so vielversprechend. Oder wie soll man es einordnen, wenn der neue Justizminister von der linken Opposition für den offenen Bruch des Koalitionsvertrages bei der Vorratsdatenspeicherung gelobt wird oder die CSU – außerhalb ihres ministerialen Zuständigkeitsbereiches – vorschlägt, die Energiewende auf Pump zu finanzieren. Und das alles schön über die Medien, stellt man sich als geneigter Wähler seriöse und vertrauensbildende politische Regierungsarbeit so vor?

Ob es in der Gesundheitspolitik besser wird, kann man noch nicht sagen. Die Berufung von Ex-CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zum Gesundheitsminister hat zumindest Stirnrunzeln hervorgerufen, da er nicht als ausgewiesener Gesundheitsexperte gilt. Sein erstes großes Interview hat er der Bild am Sonntag gegeben, gut es wäre seriöser gegangen, aber wer die Massen erreichen will, schafft dies so am besten!. Trotzdem gefällt mir der Start gut und ich sage Ihnen auch warum:

  • Hermann Gröhe wirkt unaufgeregt, schon immer. Bis auf den Exzess mit dem krassen Gewedel mit dem Deutschlandfähnchen am Wahlabend, sind keine Eskapaden bekannt.
  • Er wirkt in vielen Bereichen sehr normal und bodenständig: gibt zu, dass er zu wenig Sport macht, kommt zu Fuß ins Büro, hat eine Familie mit vier Kindern.
  • Er täuscht nicht mit fragwürdigen Vorschlägen, wilden Aktionismus oder einfachen Lösungen vor, sondern benennt die Felder, an denen gearbeitet werden muss.

Da lohnt ein etwas detaillierter Blick auf die Bereiche des deutschen Gesundheitssystems, laut Gröhe eines der besten der Welt:

  • Wartezeiten insbesonders für Facharzt-Termine. Steht ein bisschen schwammig im Koalitionsvertrag, da besteht aber Handlungsbedarf, auch wenn wir im internationalen Vergleich sicher nicht schlecht da stehen.
  • Ärztliche Versorgung auf dem Land: Ein strukturelles Problem, das mit Bezahlung zu tun hat, aber nicht nur, denn neben Geld, steht auch die Frage im Raum, ob jemand als Hausarzt auf dem Land leben will, so arbeiten will (eingeschränkte medizinische Herausforderungen und die Erwartung, ständig erreichbar zu sein). Das Problem der Unterversorgung im ländlichen Raum verstärkt sich jährlich, die Lösungsansätze, die aktuell diskutiert werden, greifen eher in zehn bis 15 Jahren.
  • Pflege: Langfristig eine Riesenbaustelle aufgrund der demographischen Entwicklung. Mit einer Beitragssteigerung stehen jetzt erst mal fünf Milliarden mehr pro Jahr zur Verfügung, das löst aber das strukturelle Problem nicht.
  • Alkoholkonsum bei Jugendlichen: Buzzword Komasaufen. Genau genommen ein Thema der Eltern, aufgrund der dramatischen Entwicklung und der Schäden, steht es auf der Agenda der Politik.

Mein Zwischenfazit zur Gesundheitspolitik:

  1. Geben wir Hermann Gröhe 100 Tage zur Einarbeitung und schauen, welche Vorschläge an Ostern auf dem Tisch liegen! Ich wünsche ihm jedenfalls gutes Gelingen, denn dasie Gesundheitssystem bietet große Herausforderungen – wir alle profitieren von guten Lösungen.
  2. Egal, was sich die Politik einfallen lässt, der Bedarf an privater Vorsorge auch und gerade beim Thema Gesundheit bleibt. Sei es ein Wechsel in die private Krankenversicherung, der Abschluss einer Krankenzusatzversicherung oder auch das Thema Pflegeversicherung.
 

1 Kommentar

Noch ein wichtiger Punkt: er ist nach eigenen Angaben nicht in der PKV, sondern in der GKV versichert!

Ja, wer den Koalitionsvertrag gelesen hat, der weiß, dass die Personalie zur Aufgabe passt.

Es wird in den nächsten 4 Jahren keinen großen Wandel geben, aber es sind Aufgaben gestellt, die jemanden erfordern, der juristisch gut bewandert ist, Verwaltung kennt, durchsetzungsstark ist und bei Auseinandersetzungen zwischen unterschiedliche Interessengruppen vermitteln kann.

Das sind alles Eigenschaften über die er verfügt!