24.01.2014

Kategorie(n): Allgemein

geldanlage-sicherheit-betrug-gierZuerst war der S&K-Skandal mit voraussichtlich 100 – 200 Millionen Euro Schaden für die Anleger. Der erfüllte alle Klischees von den gierigen Finanzvermittlern, die das Geld der Kunden durchbringen indem sie es bei wilden Parties mit teuren Autos und leichten Mädchen verprassen. Dann folgte der Zusammenbruch der Infinus-Gruppe, nicht so bekannt, aber es geht angeblich um 400 Millionen Euro von 25.000 Anlegern.

Und nun macht der Windkraft-Finanzierer Prokon mit dem Insolvenz-Antrag Schlagzeilen. Wieder werden wahrscheinlich 75.000 Anleger, darunter auch sogenannte Klein-Anleger ihr Geld – die Rede ist von insgesamt 1,4 Milliarden Euro – verloren haben. Und was macht die Politik? Der übliche Reflex: Man schreit nach einem Verbot, in diesem Fall von „riskanten Wertpapieren“.

Martin Hock, Wirtschaftsredakteur der FAZ, zeigt in einem Kommentar mit dem Titel „Prokon kann man nicht verbieten“, dass das nun wirklich ein absurder Vorschlag ist und zwar aus folgenden Gründen:

  • Wer definiert, was ein riskantes Wertpapier ist? Die Genuss-Scheine von Prokon fielen eher nicht in diese Kategorie. Soll man den Anleger auf DAX-Aktien beschränken? Auch schwierig, denn Arcandor (Karstadt) war so ein Wert und ging auch pleite. Das angelegte Geld ist weg.
  • Die Finanzaufsicht soll herausfinden, welchen Wert ein Wertpapier hat. Das kann aber niemand, nicht einmal die Finanzaufsicht.
  • Mehr Transparenz: Möglich, aber die Frage ist, ob es die Verbraucher nutzen, denn wer liest und versteht schon die Wertpapierprospekte mit 100 und mehr Seiten.

Es gibt eine Grundregel, nein ein Naturgesetz in der Geldanlage: Ein höheres Risiko wird mit höheren Zinsen bezahlt. Höhere Zinsen werden mit einem höheren Risiko erkauft. Das ist einfach und logisch. Aber dennoch wird es auf krasse Weise tausende Mal vergessen, ignoriert, verdrängt. Nicht von den Vermittlern und Emittenten, sondern von den mündigen Verbrauchern. Wer meint, dass die Prokon-Anlage mit beworbenen 8% Zinsen sicher bzw. ohne Risiko sei, der hat schlicht die einfachsten Zusammenhänge nicht begriffen. Eine Anlage mit einer avisierten Verzinsung von 8% kann nicht sicher sein, sie muss ein nicht unerhebliches Risiko beinhalten. Während bei S&K und Infinus sehr wahrscheinlich kriminelle Energie und betrügerische Absichten im Spiel waren, haben bei Prokon vielleicht einfach nur die Marktkräfte gegriffen: Der Markt hat sich verändert – Windenergie ist ein Markt, der großer politischer Einflussnahme ausgesetzt ist – und das Unternehmen hat vielleicht falsche Entscheidung getroffen. Die Folge: Das Business-Modell funktioniert nicht mehr und die Firma muss Insolvenz anmelden.

Da erscheinen doch die viel gescholtenen Lebensversicherer wieder in einem viel besseren Licht: Sie garantieren zwar nur 1,75% p.a. vor Kosten, aber die und die Anlageform als solche verdienen eben die Bezeichnung sicher. Und selbst die 4% jährliche Gesamtverzinsung, die mit Gewinnanteilen prognostiziert werden sind in dem Sinne sicher, dass kein Verlustrisiko des eingezahlten Kapitals besteht.