20.01.2014

Kategorie(n): Allgemein


Es ist schon irgendwie bescheiden, wenn man im zarten Alter von 26 nur 49 Millionen Dollar verdient – drei Millionen mehr und es wäre eine Million pro Woche gewesen. Chance vertan. Aber eben eine exzellente Illustration für Gier: MEHR ist NIE genug! Weil es eben immer noch mehr sein könnte. Seit Donnerstag ist der neue Streifen The Wolf of Wall Street von Starregisseur Martin Scorsese mit Leonardo di Caprio als Jordan Belfort in der Hauptrolle. Ein fast dreistündiges Epos, das alles hat, was Kino so großartig macht: Opulente Bilder, Witz, Schauspieler in Hochform, einen genialen Soundtrack und eine hochinteressante Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Nein, ich habe die Kinokarte nicht geschenkt bekommen, sondern selbst bezahlt. Eine gute Investition und ich bin einfach begeistert.

Dieser Film bedient jedes Klischee das man im allgemeinen mit der Finanzbranche verbindet: Schnelle Autos und eine traumhafte Yacht als Hochzeitsgeschenk, ausschweifende Parties mit Schampus, Drogen und Prostituierten für testosteron-getriebene und adrenalin-überflutete Börsenbroker. Und natürlich diese unbändige Gier – 50% Vermittlungsprovision für Pennystocks – und Maßlosigkeit, dass auch dann, wenn scheinbar alles erreicht ist, doch irgendwie der nächste Kick her muss. Aber der Film ist so gut, dass er nicht in diesen Klischees stecken bleibt, sondern die Charaktere sauber entwickelt und einen Blick hinter die Fassaden in die meist leeren Herzen und Seelen gewährt.

Denn der Film hat auch diese leisen, nachdenklich Momente: Die einfühlsamen Dialoge, die di Caprio mit seinem Freund und Geschäftspartner führt. Oder die Gespräche Jordan Belfort und seinem Vater, der als Aufpasser engagiert wurde, es aber nicht wirklich schafft, seinen Sohn und den Rest der Brokerbande auch nur einigermaßen im Zaum zu halten. Noch besser sind die Reden von di Caprio: Ein echter Menschenfischer, der seine Leute abholt, motiviert und zu einer fast schon sektenhaften Gefolgschaft führt. Vielleicht sind es gerade diese Momente, die dazu führen, dass man als Zuschauer, obwohl man sieht und weiß, wie widerwärtig, verlogen und fertig dieser Typ eigentlich ist, der sein Geld vor allem auf Kosten seiner Kunden verdient, insgeheim mit ihm fiebert und hofft, dass er irgendwie durchkommt und die Show weitergeht.

Aber er kommt nicht durch! Und das ist gut so und ist vor allem einem unscheinbaren, aber akribisch arbeitenden FBI-Sonderermittler zu verdanken, der über Jahre an der Sache dranbleibt. Er ist mein eigentlicher Held, denn er steht für Gerechtigkeit und Wahrheit – und diese Werte siegen am Ende, auch wenn ein fader Nachgeschmack bleibt. Und auch das ist gut so, denn das ist das mindeste, was die vorgeführten menschlichen Abgründe hinterlassen sollten.
Also, ein sensationeller Film, Pflicht für alle aus der Finanzbranche und absolut sehenswert für alle anderen. Leonardo di Caprio war wahrscheinlich nie besser. Die Oscarnominierung hat er schon mal geschafft. Wenn er den Preis bekommt, wäre das auf Basis meines laienhaften Urteils absolut verdient.

 

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