10.01.2014

Kategorie(n): Allgemein

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Die aktuelle Ausgabe der Zeit ist in aller Munde wegen des Outing-Scoops mit Thomas Hitzlsperger. Dabei hat die Ausgabe Nr. 3 vom 9. Januar ein Titelthema, das mindestens genauso viel Aufmerksamkeit verdient: „Ist Ethik käuflich?“ Lautet die Frage auf dem Titel. Das ist nicht negativ gemeint, sondern artikuliert ernst gemeinte Bedenken, ob die milliardenschweren Bemühungen einer von Skandalen gebeutelten Wirtschaft, ihren Mitarbeitern das richtige Verhalten beizubringen, fruchten können. Ein Thema, das sicherlich auch in der Versicherungswirtschaft zwischen neuen Compliance-Regelungen, dem Versuch, das Schmuddel-Image los zu werden und den berechtigten Erwartungen der Kunden ein heiß diskutiertes sein könnte.

Der Artikel beginnt jedoch in der Automobilindustrie, bei Porsche Consulting, und einem Vortrag des Jesuiten-Professors Michael Bordt. Unter dem Vortragstitel „Haltung statt Verwaltung“ konfrontiert der Pater die smarten Berater mit den grundsätzlichen unausweichlichen Erkenntnissen des Lebens:

  • Wir sind alle Todgeweihte. Und viele Menschen sind am Ende ihres Lebens voller Zorn, da sie das Wesentliche an Ihrer Existenz versäumt haben.
  • Wir alle haben die ungesunde Neigung, es möglichst anderen Recht zu machen, das führt zu Stress.
  • Unser Pflichtgefühl allein reicht nicht. Es kann mal eine Phase über eine „Sinnstiftungslücke“ hinweghelfen, aber nie langfristige Grundlage erfüllender Arbeit sein. Mit verstelltem Verhalten und ohne authentisch zu sein, werden wir krank.

Irgendwie interessant ist, dass der Chef von Porsche Consulting, der den Vortrag initiiert hat, sich nicht zur Frage äußern will, was er damit bezweckt und damit erwartet. Richtig interessant ist dagegen die Prämisse von Michael Bordt, die meines Erachtens eins zu eins auch in unserer Branche greift: „Nur wer sich selbst versteht, kann andere verstehen. Nur wer sich selbst beherrscht kann andere beherrschen. Wer das Zustandekommen eigener Entscheidungen nicht durchschaut, wer seine Anwandlungen und unerkannten Strömungen ausgesetzt ist, dessen Welt ist instabil.

Daraus resultieren dann Fehler, im schlimmsten Fall sehr folgenschwere. Eine wichtige Erkenntnis ist also, dass ethisches Verhalten mit dem Nachdenken über sich selbst und über die eigenen Motive beginnt. Wer als Versicherungsmakler damit anfängt, merkt zum Beispiel bei der Phrase „kundenorientierte, bedarfsgerechte Beratung“ schnell, ob er ethisch handelt oder ob ihn ein Motiv – z.B. das des höheren Profites in die falsche Richtung lenkt: „Rate ich dem 30jährigen Berater, der sich beruflich auf der Überholspur befindet uneingeschränkt und ohne weitere Umschweife zum Wechsel in die private Krankenversicherung oder diskutiere ich erst mal seine weitere Lebensplanung mit ihm? Wenn er vielleicht mal drei Kinder haben möchte, sollte er zumindest wissen, was ihn das dann kosten wird. Das ist anstrengender, aufwändiger, aber eben auch authentischer, ethischer, nachhaltiger und langfristig erfolgreicher.

Vielleicht ergibt sich ja am Wochenende die Gelegenheit, etwas über sich selbst und die eigenen Motive nachzudenken. Das tut sicher nicht nur uns Versicherungsmaklern gut. Wer dazu noch ein bisschen Input wünscht, kann sich ja am Kiosk noch die aktuelle Ausgabe der Zeit abgreifen, nochmal über die Ideen von Professor Bordt sinnieren oder weitere Fragen zu Ethik in der Führung und freiwillige Selbstverpflichtungen nachdenken. In diesem Sinne ein schönes und vielleicht etwas kühleres Wochenende!