23.01.2014

Kategorie(n): Allgemein

Die ERGO hat einen guten Slogan: Versichern heißt Verstehen. Und sie versucht etwas Sinnvolles: Versicherungsbedingungen einfach und verständlich zu gestalten. Aber es gibt eine feine Linie, die man bei all diesen berechtigten Bemühungen nicht überschreiten sollte, nämlich die Line zwischen einer einfachen Beschreibung und einer vereinfachenden Darstellung. Diese Grenzüberschreitung passiert in der aktuellen Haftpflichtwerbung der ERGO. Und damit schadet sich ERGO leider nicht nur selbst, sondern erweist der ganzen Branche mal wieder einen Bärendienst. Aber der Reihe nach.

Schauen Sie sich den Spot einfach schnell an, er dauert nur 23 Sekunden, eigentlich reichen sogar die ersten 10 Sekunden, um zu sehen, dass das in die falsche Richtung geht. Hier wird ein unsäglicher Vergleich zwischen den Auswahlmöglichkeiten bei der Pizzabestellung und dem modularen Aufbau einer Haftpflichtversicherung gezogen. Ich möchte keinem Pizzabäcker zu nahe treten, denn eine leckere Pizza zu backen ist eine hohe Kunst, aber die Dimension einer Haftpflichtversicherung ist eben schon eine andere. Bei der Pizza geht es um satt werden und ein leckeres Essen, das worstcase-Szenario verläuft irgendwo zwischen Nicht-Schmecken, unangenehmem Völlegefühl, wenn die Pizza zu fettig war, und einem verdorbenen Magen. Bei einer Privathaftpflichtversicherung geht es um existenzielle Risiken, die mehrere 100.000 Euro betragen können, wenn da der entscheidende Baustein fehlt.

Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich, aber dieser Pizza-Haftpflicht-Vergleich der ERGO hinkt gewaltig. Es wird beim Eindruck erweckt, dass der Kunde genauso leichtfüßig die richtigen Bausteine für seine Privathaftpflichtversicherung zusammen klickt, wie er seine Zutaten auf die Pizza wirft oder werfen lässt: Noch etwas Chili, ja gerne und dann lieber 15 als zehn Millionen Deckungssumme; noch etwas Rucola – nein danke, da kann ich drauf verzichten, genauso wie auf den Schlüsselverlust. Da kann ich nur sagen: Mahlzeit, ERGO! Und vielen Dank auch für diese hilfreiche Werbung, die dem Kunden vormacht, dass individueller und maßgeschneiderter Versicherungsschutz genauso leicht zu machen ist wie eine Pizzabestellung. Dem ist leider nicht so und deshalb bleiben als Fazit zwei Dinge:

  1. Besser zum Versicherungsmakler als auf die ERGO Werbung hören.
  2. Wie wird eine Werbung als irreführend eingestuft? Denn das ist sie in meinen Augen, auch wenn Sie die gesetzlichen Voraussetzungen für dieses „Prädikat“ wahrscheinlich nicht erfüllt.
 

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